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Spießer Alfons: Agent 007 James Bond ist tot

23. November 2008
von

Krimis.jpgIn seiner Jugendzeit hat Spießer Alfons wahnsinnig gern Krimis gelesen. Nein, nicht Jerry Cotton, Kommissar X und ähnliche Schmöker! Sondern die rote Reihe von Goldmann, die schwarz-weiß-gestreifte von Scherz, Ullstein-Kriminalromane und die Mitternachtsbücher von Desch. Mit Autoren von Agatha Christie bis Edgar Wallace, von Georges Simenon bis Arthur W. Upfield und Ellery Queen. Und natürlich: Raymond Chandler!

Und dann bekam Alfons den ersten Krimi in die Hand von einem Autor, der den Namen Ian Fleming trug. Dieser Roman handelte von einem britischen Geheimagenten mit der Nummer 007. Genau: James Bond. Und der Krimi hatte den Titel: „Casino Royale“. Alfons war fasziniert. Und las dann anschließend weitere Romane des Autors: „Leben und sterben lassen“, „Diamantenfieber“, „Liebesgrüße aus Moskau“, „James Bond jagt Dr. No“ und „James Bond contra Goldfinger“. Insgesamt hat Alfons alle zwölf Bond-Bücher verschlungen, die Ian Fleming verfasst hat. Nur eines davon hat ihm missfallen.

Inzwischen war „Dr. No“ ins Kino gekommen. Mit Sean Connery, dem bisher besten James Bond, der identisch gewesen ist mit der Romanfigur. Später dann spielte Roger Moore die Rolle, der den Geheimagenten auch nicht schlecht verkörpert hat. Danach kamen Darsteller, deren Namen der Spießer vergessen hat. Mit Filmen, die mit den Romanen von Fleming nur noch die Namen der Hauptpersonen gemeinsam hatten. Es wurde immer technischer bis zum Overkill. Und irgendwann ist Spießer Alfons nicht mehr wegen 007 ins Kino gegangen. Weil der echte James Bond für ihn schon lange gestorben war. Gekillt von MGM und Helfershelfern.

Nun der neue James Bond mit dem Titel „Ein Quantum Trost“. Das Buch zum Film hat James-Bond-Autor Ian Fleming nie gekannt. (Vermutlich rotiert er zur Zeit im Grabe!) Und den Film hat der Spießer sich an diesem Wochenende angeschaut. Weil Alfonsens Lieblingsfrau gern ins Kino wollte und Alfons immer so schlecht “nein” sagen kann im Gedanken an Popcorn.

Alfons kam, sah und kriegte. Und zwar Tränen in die Augen. Da sah er einen Supermann, der nicht aus Fleisch und Blut ist. Einen Roboter, der unkaputtbar ist und keinerlei menschliche Züge mehr aufweist. Eine Tötungsmaschine. In einer Handlung, die so durcheinder ist wie der Inhalt einer Damenhandtasche. Früher wusste man wenigstens noch, wer die Guten, wer die Bösen in den 007-Filmen waren — heute weiß man nicht einmal mehr, ob der Protagonist gut und böse ist. Auf jeden Fall ist er schlecht.

Kino.jpgDer Film hat weder Spannung, noch Witz, weder Erotik noch einen Funken von Realität. Wer ehrlich ist, muss zugeben: „Ein Quantum Trost“ ist ein Film, dessen Inhalt aus Knalleffekten besteht. Man sollte die nächste Folge besser mit Knallchargen besetzen und einen Klamaukfilm daraus machen. Oder die Filme unter „Matrix“ ins Kino bringen!

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Agent 007 James Bond ist tot ”

  1. ml am 23. November 2008 um 15:42 Uhr

    hm. wenn du die bücher gelesen hast weisst du das Bond genau das ist, ein Supermann, der nicht aus Fleisch und Blut ist. Einen Roboter, der (…) keinerlei menschliche Züge mehr aufweist. Eine Tötungsmaschine. Besonders im Buch “Casino Royale” wird das deutlich.

    (disclosure: ich habe a quantum solace bis dato nicht gesehen)

  2. Spießer Alfons am 23. November 2008 um 15:46 Uhr

    @ ml

    Deine Meinung zu dem Roman “Casino Royal” teile ich nicht. (Den Film habe ich nicht gesehen, weiß also nicht, ob der mit dem Buch noch was gemein hat.) Und dann schau Dir den neuen Film mal an. Zwischen dem Buch “Casino Royal” und dem Film “Ein Quantum Trost” liegen Welten!

  3. ramses101 am 23. November 2008 um 15:57 Uhr

    Die Filme mit den Büchern zu vergleichen, ist Masochismus. Da muss man jeden Bondfilm zerreißen, allen voran natürlich die, die auf den Kurzfeschichten basieren. Ich war bei Casino Royal der Meinung und bei der bleibe ich: Craig ist zum ersten Mal seit Connery wieder ein Bond, wie Flemming ihn gezeichnet hat. Bond ist kein Charmeur, sondern ein Killer. Man möge mir nur einen (!) Schenkelklopfer à la Moore/Brosnan zitieren, der tatsächlich von Flemming geschrieben wurde.

    Die erste halbe Stunde von QoS fand ich auch anstrengend, die Schnitte nerven und die Wackelkamera geht mir auf den Geist. Aber spätestens bei der “Konferenz” von Quantum war Bond zurück. Wenn das kein SPECTRE-Niveau war, dann weiß ich auch nicht. Und das filmische Goldfingerzitat war auch ganz groß.

    Bond ist nicht tot, Bond hat sich zurück gemeldet. Aber Kopf hoch. der nächste Bond ist nach dem Gesetz der Serie wieder ein kleiner Sonnyboy und wird vermutlich von Orlando Bloom gespielt. So einer darf sich dann auch wieder unter Wasser die Krawatte richten. Flemming wäre auf so etwas nicht gekommen.

  4. Klecks am 23. November 2008 um 16:19 Uhr

    @ ramses101
    So, wie M plötzlich zur Frau geworden ist, wird Bond bestimmt bald schwul sein, und statt dem Bond-Girl wird es einen Bond-Boy geben. ;) In den ersten Filmen war Bond durchaus ein Charmeur, hatte Witz und war auch romantisch. Und nie hat er so drauflos geknallt und gekillt wie heute. Übrigens: Fleming hat die ersten Bond-Filme noch gesehen und für gut befunden. Ob er das heute auch noch tun würde? Ich bezweifle es.

  5. ramses101 am 23. November 2008 um 16:47 Uhr

    Wo war Bond in den ersten Filmen denn romatisch??? Charmeur, ok. Von mir aus. Auch wenn er unter Connery noch Unbewaffnete erschossen hat. Ob Flemming welchen Bond für gut befunden hätte, ist eine müßige Diskussion. Fakt ist, dass Flemming seltener dessen schicke Frisur als die “grausamen blauen Augen” beschrieben hat. Ist ja nicht so, dass ich den Kram nicht gelesen hätte ;-)

  6. Klecks am 23. November 2008 um 16:56 Uhr

    @ ramses
    sorry, muss aber sein: Wenn Du ihn so genau gelesen hast, dann wüstest Du auch, dass er Fleming heißt, der Autor von James Bond. ;) Aber zur Sache: Ich erinnere noch an die Szene, wo er in irgendeinem Rettungsboot sitzt und nicht gerettet werden wollte, weil er lieber mit einem Mädchen romantisch Champagner trinken wollte. Oder habe ich das in falscher Erinnerung…?

  7. Spießer Alfons am 23. November 2008 um 17:04 Uhr

    @ ramses101

    Glaube es mir oder nicht. Ich habe willkürlich einen JB aus dem Bücherschrank herausgenommen. Und einfach mit dem Brieföffner zwischen die Seiten gestochen. Titel: “Diamanten-Fieber”. Textpassage:

    “Bond schwieg. Er blickte aus seinem Fenster und verfluchte seinen Beruf. Er wollte dem Mädchen eigentlich nur sagen; ‘Hör zu. Komm mit mir. Du gefällst mir. Du brauchst auch keine Angst zu haben. Schlimmeres, als immer allein zu sein, gibt es gar nicht.’ Aber wenn sie dazu ‘ja’ sagte, würde er sie enttäuschen müssen — und gerade das wollte er bei diesem Mädchen nicht. Es gehörte zu seiner Aufgabe, Tiffany Case für seine Zwecke zu verwenden, aber was diese Aufgabe ihm auch vorschrieb — auf einem Wege würde er es niemals tun: über ihr Herz.”

    Ob Du davon gerührt oder geschüttelt wirst: Ich wette, dass ich Dir 100 weitere Stellen zeigen könnte, die Dir widersprechen. Für jede Stelle, die ich finde, eine Flasche Bollinger, okay…?

  8. ramses101 am 24. November 2008 um 08:55 Uhr

    @Klecks: Wer ficken will, muss freundlich sein ;-) Die Schlusssequenzen der Bondfilme als Beweis für die Romantik von Bond hinzustellen, halte ich jedenfalls für gewagt.

    @Spießer: Wofür soll denn die Textpassage Beleg sein? Dass Bond kein Lebemann ist, sondern innerlich zerrissen, unterschreibe ich doch sofort.

  9. Spießer Alfons am 24. November 2008 um 10:00 Uhr

    @ ramses101

    Gefühle, mein lieber Ramses, menschliche Gefühle! :)

  10. Simone am 24. November 2008 um 10:09 Uhr

    Ich hab den Film nicht mal gesehen und mag ihn jetzt schon nicht :)

  11. ramses101 am 24. November 2008 um 10:26 Uhr

    @Spießer: Gefühle habe ich ihm nie abgesprochen. Lediglich die ihm angedichtete romantische Ader. ;-)

  12. Vroni am 24. November 2008 um 11:40 Uhr

    @ spießer

    Muss da dem Ramses Recht geben.

    Aus Frauensicht: Ein provinzbefruchtender Schmalzheini ist tatsächlich noch lange kein Romantiker. Eher ein elender Zweckfreundlicher :-)

  13. Peter am 24. November 2008 um 11:53 Uhr

    @ Vroni – Deinem emanzipierten Kommentar entnehme ich, dass Du den “Schmalzheini” persönlich kennengelernt hast? Den neuen James-Bond-Film hast Du in der Provinz vermutlich nicht gesehen, oder?

  14. Vroni am 24. November 2008 um 12:07 Uhr

    Wenn du München als Schmalzheini-Provinz siehst…

    …da bin ich ausnahmslos mal bei dir.

  15. meistermochi am 24. November 2008 um 20:53 Uhr

    ich weiß nicht, was alle gegen den dalton haben. der war super. und geblutet hat der auch.

  16. ramses101 am 25. November 2008 um 09:34 Uhr

    Ich hab nix gegen Dalton. Besser als Brosnan.

  17. Peter am 25. November 2008 um 09:58 Uhr

    Apropos Dalton/Bond: Sehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist, was hier steht:

    http://www.james-bond007.de/ht.....alton.html

  18. ramses101 am 25. November 2008 um 10:50 Uhr

    Wobei ich nicht derr Meinung bin, dass der Wechsel erst mit Lizenz zum Töten stattgefunden hat. Auch Hauch des Todes war, wie auf der Seite beschrieben, schon ein Wechsel. Nämlich back to the roots. Es gibt ja verschiedene Lager von Bondfans: Die Retro-früher-war-alles-besser-Fans, die nach Connery und Moore alles scheiße fanden. Die Bond-hat-sich-nie-wirklich-ernst-genommen-Fans, die vor allem Morre großartig finden und nach Dalton dankbar für Brosnan waren, denn der steht eindeutig in der Tradition von Roger Moore. Und es gibt die Bond-ist-ein-Geheimagent-verdammte-Axt-Fans, die eher dem härteren Bond zugeneigt sind und damit auch eher im Lager Connery/Dalton zu finden sind. Und genau die sind auch mit Craig eher zufrieden als unglücklich.

    Das ist natürlich nur ganz grob skizziert, aber das ist die Erfahrung, die ich in zahllosen Diskussionen mit anderen Bondfans gemacht habe. Faustregel: Wer Moore-Bonds liebt, kann mit Craig-Bonds nichts anfangen. Ist ja auch ok, jeder Bonddarsteller soll der Figur halt seinen Stempel aufdrücken, den kann man dann mögen oder eben nicht.

    Einigkeit herrscht eigentlich nur bei einer Frage: Lazenby war der schlechteste Bond in einem der ansonsten besten Bonds ;-)

  19. Spießer Alfons am 25. November 2008 um 11:42 Uhr

    Korrekt, mein lieber Ramses – aber Lazenby war ja auch Dressman! ;)

  20. heide am 25. November 2008 um 16:29 Uhr

    Connery war der beste Bond – und Craig ist eine Zumutung. Was nicht unbedingt am Schauspieler an sich liegt, sondern mehr mit Drehbuch und Regie zu tun hat.
    Ein Bond-Film sollte mit akzeptabler Story, intelligenten Gadgets und Charme + (Selbst)ironie des Hauptdarstellers punkten, etwas Action und eine Prise Sex haben auch noch nie geschadet.
    Aber der letzte und der aktuelle Bond sind nur noch teure US-Actionfilme ohne jeglichen Bond-Touch. Ob Craig, Bloom oder ein anderes Abziehbild – der Darsteller ist egal. Solange das “Backoffice der Entscheider” sich im mentalen Streik befindet besteht keine Hoffnung auf Besserung.

  21. Spießer Alfons am 25. November 2008 um 16:33 Uhr

    @ heide

    Treffender hätte ich es auch nicht sagen können! :) :) :)

  22. ramses101 am 25. November 2008 um 16:59 Uhr

    @heide: ws soll ich sagen, für mich hatte Casino Royal nach langer Zeit der Entbehrung endlich mal wieder Bond-Touch – ohne diese unsäglichen Slapstick-Einlagen. Die erste halbe Stunde von QoS war gewöhnungsbedürftig, zugegeben, das liegt auch am von mir schon kritisierten Schnitt. Aber wem bei der Quantum-Konferenz in der Oper der Bond-Touch fehlt, der will wahrscheinlich tatsächlich zurück zum Unterwasserauto. Wie gesagt: Das war SPECTRE pur.

    Was Bonds Charakter angeht: Casino Royal soll nunmal der Ur-Bond sein. Gut, das kann man doof finden. Ich finde es interessant, denn wie QoS gezeigt hat, wird Bond gerade erst zu dem Bond, der er dann in Feuerball, Goldfinger etc sein wird. Bzw: war ;-) Das dürfte spätestens im nächsten Bond der Fall sein. Und dann freu ich mich auf die lange Bondnacht mit der ersten lupenreinen Trilogie der Serie.

    Schlechte Nachrichten für Euch btw: zwei Bonds wird es mit Craig mindestens noch geben. Danach müsste nach dem Gesetz der Serie wieder einer kommen, der auch mal Faxen macht.

  23. i-lancer am 28. November 2008 um 06:34 Uhr

    Ich möchte euch ja nicht an den Karren fahren, aber der echte Kenner kann nur einen James Bond gut finden und das ist die “Casino Royale”-Verfilmung von 1967 mit Peter Sellers, Ursula Andress, David Niven, Orson Welles und natürlich Woody Allen.

    Gruss
    i-lancer

ivw