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Spießer Alfons: Prophezeihungen sind nicht immer leicht …

28. November 2008
von

wahrsager.jpg … und besonders dann, wenn es um Fragen der Zukunft geht! Dennoch gibt es viele Leute, die in die Zukunft blicken: Wahrsager, Astrologen, Hellseher, Traumdeuter und andere Spökenkieker. Sie gucken in die Karten, in die Sterne, in den Kaffeesatz und in die Hände. Und sagen voraus, was kommt oder nicht.

Und dann gibt es Markt- und Meinungsforscher. Die befragen die Leute, bevor sie etwas über die Zukunft sagen. Und weil Menschen lügen, sobald sie anfangen zu reden, und ihre Meinungen über Nacht wechseln wie am Tage die Hemden, haben Marktforscher eine ähnliche Trefferquote wie Meteorologen. Was ja auch die Floprate von neu eingeführten Produkten beweist, die vor Markteintritt von der Mafo kreuz und quer getestet wurden. Und Demoskopen, bekehrt durch schlechte Erfahrungen,versprechen auch nicht, die Wahrheit zu liefern, sondern sie sagen allenfalls Trends voraus.

Und dann gibt es da noch die Gurus. Die schreiben Bücher und lassen die Medien für sich die Reklametrommel rühren. Früher war das mal ein Gerd Gerken (“Die fraktale Marke”, 1994), heute ist es Matthias Horx (“Anleitung zum Zukunfts-Optimismus – Warum die Welt nicht schlechter wird”, 2007) Letzterer bezeichnet sich als Trend- und Zukunftsforscher und leitet ein so genanntes „Zukunftsinstitut“. Horx sagte zum Beispiel voraus, wie der Sex im Jahr 2010 praktiziert wird, und entdeckte in der Gegenwart, dass Themen wie Sex und Erotik ein ganz selbstverständlicher Teil des Lebens geworden sind — worauf ein gewöhnlich Sterblicher wie Spießer Alfons niemals im Leben gekommen wäre!

Und nun hat Horx herausgehorxt, dass Internet-Begeisterung an Grenzen stößt. Spießig interpretiert: Die Menschen wollen wieder zurückkehren zu sich selbst, quasi aus dem Zeitalter der Elektronik zurück in die Zeit der Renaissance flüchten. So ähnlich sieht es jedenfalls Horx, der Seher.

Spießer Alfons weiß nicht, wie der Zukunftsforscher das erforscht hat. Und Alfons hat keinen blassen Schimmer, wer Auftraggeber der Studie ist. Spießer Alfons weiß nur, dass Prognosen immer von denjenigen in die Welt gesetzt werden, die ein Interesse daran haben. Und Alfons macht sich jedes Mal fast in die Hose vor Lachen, wenn er in der Fachpresse beispielsweise liest: Hans Mustermann*, Online-Vermarkter, sagt ein allgemeines Sterben der Zeitungslandschaft voraus, wohingegen Jo Gutenberg*, Verlagsverteter, fest an die Zukunft des gedruckten Wortes glaubt. Und während der alte Oberförster Hugo Flinte* der Meinung ist: „Wenn es im Walde dunkel ist, dann muss man pfeifen!“,  sagt Maxe Schmier* vom Öl-Kartell schon seit Jahrzehnten korrekt voraus: „Nachts ist es kälter als draußen.“

Aber Spaß beiseite! Im Ernst: Viele Prognosen haben sich in Vergangenheit und Gegenwart nicht bewahrheitet. Und wer hat eigentlich die Verantwortung dafür übernommen…? Spießer Alfons sagt: Wenn Wahrsager, Astrologen Hellseher, Spökenkieker, Traumdeuter, Markt- und Meinungs- sowie Trendforscher wirklich wissen, was kommt, dann hätten sie ihren Job längst aufgegeben und würde von der Aktienbörse leben, und das nicht schlecht. Und die derzeitige Wirtschaftskrise hätten sie schon vor Jahren ausgependelt. Oder zumindest die Lottozahlen vom kommenden Wochenende…!

* Diese Namen wurden aus Datenschutzgründen verändert!

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Prophezeihungen sind nicht immer leicht … ”

  1. Michael am 28. November 2008 um 09:32 Uhr

    “herausgehorxt” wird jetzt mein Standardwort für einen vernebelten Blick nach vorn ;-)

    Vielen Dank für den herrlichen Start in den Tag!

    Michael

  2. Richard Synn am 28. November 2008 um 09:40 Uhr

    Trotz der anscheinend latenten Missstimmung gegenüber Kaffeesatzlesern und Konsorten, erlaube ich mir selbst auch einen kurzen Blick in die Zukunft……………….
    Nach Beratung mit meinem Lapislazuli-Pendel aus dem Hindukusch und der Deutung der Verteilung der Splitter des Glases, das mir anschließend aus der Hand geglitten ist, kann ich für die nächste Woche fast eindeutige Aussagen machen.

    - Die Finanzkrise wird auch in fernen sieben Tagen noch ein Thema sein!
    - Hunger wird der beste Koch sein
    - Es wird nicht alles Gold sein, was glänzt
    - “Zusammenfassend können wir sagen, dass…” wird häufig am Ende von Präsentationen jeder Art benutzt werden.

    Anm.: Dieser Service ist kostenlos, d. h. man kann sich weder “einwählen”, noch kann man ein Buch von mir erwerben… Hm, ich sehe noch eine weitere Sache:
    - Ich werde weiterhin arm bleiben, weil mit solchen, scheinbar Segen bringenden (Un-)Heilsversprechen Geld zu machen ist….Schade :)

  3. Landfrau am 28. November 2008 um 09:56 Uhr

    @ Spiesser Alfons @ Richard Synn
    *made my day*

  4. Horst D. Deckert am 28. November 2008 um 10:36 Uhr

    Der Horx Hoax des Monats – oder: Schlechte Presse ist besser als keine.

    Es gibt sicher Zeitgenossen, die “digitale Kommunikation” mit “Kabelfernsehen” verwechseln und die eine Verbesserung ihrer Lebensqualität fühlen, wenn sie den Fernseher ausschalten.

    Wenn ich meine “digitale Kommunikation” verringere, dann verschlechtert sich meine Lebensqualität, weil sich dann meine Arbeitszeit erhöht.

  5. Werbe-Ikone am 28. November 2008 um 16:22 Uhr

    Und alle, die es nicht vorhergesagt haben, haben es dann einfach im Nachhinein ohnehin schon vorher gewußt! ;)

  6. Frank Meier am 1. Dezember 2008 um 12:05 Uhr

    Herrlich und trifft den Nagel mehr als nur auf den Kopf!

    Weiter so; und befreien wir uns von dem schier unbegreiflich großen Herr der Weltuntergangspropheten, welche jeden Tag aufs neue eine Sau durch das Dorf jagen und mit dem eingeredeten schlechten Gewissen sich doch nur am Geld Anderer mit wenig Aufwand bereichern wollen.

    Machen wir einmal das richtige und lachen sie aus. Auch gerne mal am Flippchart oder bei einer dieser unendlich dämlichen PowerPoint-Orgien. Demaskieren wir sie und jagen sie zum Teufel.

ivw