Spießer Alfons: Der pfeifende Wasserkessel — Plagiat oder naheliegender Zufall…?
Mit Plagiatsvorwürfen ist das immer so eine Sache. Weil es auch die Möglichkeit gibt, dass zwei Köpfe unabhängig voneinander die gleiche Idee gehabt haben können. Genauso wie das Rad nicht nur einmal erfunden worden ist, gilt das auch für viele andere Dinge des Lebens, die auf zwei oder sogar noch mehr Urheber zurückgehen. Das betrifft Ideen in der Kunst genauso wie in der Literatur und Wissenschaft. Die Welt ist groß.![]()
Bei Ideen in der Werbung ist das ähnlich. Nicht jeder Einfall, der doppelt auftaucht, muss auch ein geistiger Diebstahl sein. Es kommt darauf an, wie „spitz“ die Idee ist, ob das Doppel in entsprechender Zeit danach aufgetaucht ist und eventuell sogar in derselben Branche. Ein klassisches Corpus Delicti für ein Plagiat war damals die Socke von elbeo: Spießer Alfons hatte aufgedeckt, dass diese viel dekorierte Kampagne ein Vorbild aus Schweden gehabt hat — wenn Ihr die Abbildungen bitte mal vergleichen wollt!
Nun hat sich Ralf Maier bei Spießer Alfons gemeldet und auf seinen Blog hingewiesen, wo er auf zwei TV-Spots aufmerksam macht, die das Thema Tinnitus mit derselben Idee bewerben. Und Ralf kommt zur Feststellung, dass die Werbeagentur Heye bei der Werbeagentur Stöhr geklaut hat. Das Üble daran: Heye wurde für seinen Spot auch noch ausgezeichnet mit dem Deutschen Designpreis.
Heye erklärt, man sei auf die Idee gekommen nach einem Gespräch mit einem Arzt, der Tinnitus mit dem Wasserkessel erklärt habe. Heye hätte auch sagen können: „Wir haben gegoogelt und sind dabei auf viele Seiten gestoßen wo Tinnitus + Wasserkessel genannt werden — zum Beispiel hier!“ Und dort wurde die Idee im Jahre 2004 veröffentlicht, was allerdings nach dem Stöhr-Spot geschehen ist.
Spießer Alfons gibt Ralf Maier insofern Recht, dass hier ein Preis verliehen werden soll für eine Idee, die für dasselbe Thema bereits vor Jahren erschienen und in sehr ähnlicher Umsetzung erfolgt ist. Und deshalb sollte die Jury den Mut zeigen und den Silberling nicht an Heye verleihen sondern an Plagiart-Direktor Reiner Zufall!
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..Bei Ideen in der Werbung ist das ähnlich. Nicht jeder Einfall, der doppelt auftaucht, muss auch ein geistiger Diebstahl sein. Es kommt darauf an, wie „spitz“ die Idee ist, ob das Doppel in entsprechender Zeit danach aufgetaucht ist und eventuell sogar in derselben Branche…
Lieber Spießer, eine Ergänzung gibt es: Das juristische Wort dafür lautet: Doppelschöpfung. Zwei Menschen auf der Welt kommen unabhängig und ohne Kenntnis der Idee des auf die gleiche Idee. MIt “Spitz” hat es nichts zu tun, jedoch liegt der Plagiat-Verdacht da umso näher.
dasauge.de ist Ralf Maiers Blog? Zweimal falsch, würde ich sagen.
@ Chris
Danke für den Hinweis – Du hast Recht! Es war der falsche Link – jetzt berichtigt!
@ koenich.johann
Danke für Deinen Kommentar. Mit Ideen, die “spitz” sind, meinte ich: keine Allerweltsideen, sprich: naheliegende. Wenn beispielsweise ein Inserent eine Anzeige schaltet, in der ein kleiner Junge sich in der Nase bohrt, und ein anderer Inserent tut bald darauf das Gleiche, dann könnte das zwar ein Plagiat sein; aber es ist keine Eigenschöpfung, weil es auf der ganzen Welt kleine Jungen gibt, die sich in der Nase bohren. So wird das von Richtern auch in Sachen Slogan beurteilt: Allerweltsworte kann niemand schützen, “spitze” Formulierungen aber wohl.