Spießer Alfons: Stille Nacht — auch am Tag!
In seiner Tageszeitung fand der Spießer gestern ein Inserat. Es stammt von einem eingetragenen Verein, der den Namen „Lautsprecher aus!“ trägt. Was auch der Zweck dieses Vereins ist, dessen Forderungen Ihr der Anzeige entnehmen könnt — siehe Abbildung!
„Musikberieselung kann stören“, schreibt der Verein. Und das ist richtig: „kann“ stören. Muss also nicht. Und welche Musik zum „Klangmüll“ zählt, entscheidet wer? Der Verein natürlich, wer sonst?! Und der Verein bestimmt auch, dass Musikuntermalung kein Einkaufserlebnis für den Kunden ist, sondern ihm Verdruss macht. Und der Verein weiß, dass Musik kein Umsatz-Plus für die Geschäfte ist, weil die Zwangsbeschallung den potentiellen Kunden ein Graus ist.
Nun, Diskotheken-Wirte werden das genauso anders sehen wie die meisten Kunden in Shopping-Centern. Der Volksmund sagt: “Böse Menschen haben keine Lieder.” Warum also sollen gute Menschen sich an der Musik erfreuen?! Schließlich gibt es heute nirgendwo mehr ein Plätzchen der Stille. Sogar in Kirchen, die der Ruhe und Besinnung dienen, wird Musik gemacht, werden lauthals Lieder zur Orgel gesungen. Klangmüll auch in stillen Klöstern, wo die Mönche von gregorianischen Gesängen berieselt werden. Und das Lied von der “Stillen Nacht” ertönt zur Zeit auf allen Weihnachtsmärkten in diesen unserem Lande – welch ein Graus für feine Ohren!
Spießer Alfons hat eine Empfehlung für die Mitglieder des Vereins „Lautsprecher aus! e. V.“: Setzt Euch auf eine Bank auf dem städtischen Friedhof und träumt davon, eines Tages unter der ewigen Erde zu ruhen in absoluter Stille, die nur vom Schmatzen der Würmer unterbrochen wird! Und Einkäufe könnt Ihr bis dato online erledigen und essen daheim in Lautlosigkeit statt im Restaurant bei Mampfmusik. Alternative: Ihr steckt Euch einfach Ohropax in die Muscheln!
Dass der Verein tatsächlich gemeinnützig ist, wie er behauptet, wagt der Spießer zu bezweifeln. Alfons denkt, dass es mehr gemein als nützig ist, was hier gefordert wird.
————————————————————-
Beiträge verpasst?
Abonnieren Sie alle Beiträge per RSS. Den Link für den Feed dazu finden Sie auch rechts in der Sidebar.
Off the record bei Twitter: off_the_record
Spießer Alfons bei Twitter: SpiesserAlfons
Twittern











“Musik als störend wird empfunden,
weil stets sie mit Geräusch verbunden!”
Mir wäre lieber, die Welt würde vor diesen Kleingärtnern geschützt, die meinen, Prosa sei zu … prosaisch und sich deshalb in Knittelversen versuchen. Selbst dabei scheitern sie kläglich.
@Dierk: Der alte Wilhelm B sollte sich was schämen!
Hoi,
naja, ein bisserl verstehen kann ich das schon. Gerade für einen Musikfreund (würde mich als solchen bezeichnen) ist die Klangqualität und Musikauswahl in vielen “öffentlichen Räumen” eine absolute Zumutung. Ich bin der Meinung, Musik ganz (in ordentlicher Qualität und Lautstärke) oder gar nicht.
Ich nehme das ganze aber nicht sooo wichtig, als das ich dafür gleich einen Verein gründen würde
Habe mich an diese schreckliche Hintergrundberieselung schon lange gewöhnt.
- Oliver
Die Musikberieselung wird gern in Supermärkten noch durch angestrengt fröhliche Kaufaufrufe getopt.
Aber wozu erst einen Verein gründen?
Selbsthilfe!
Mit iPod und Co. läßt sich der fremde Klangmüll mit eigenem Klangmüll gut verdrängen.
ach und
“Böse Menschen haben keine Lieder.” !?
da fallen mir ganze Rudel von gröhlenden Ausnahmen ein.
…also jetzt zur Weihnachtszeit, wo ich jedesmal wenn ich Bahnhöfe, Shoppingcenter oder ähnlich öffentliche Räume betrete, und immer von demgleichen schrecklichen Kinderchore mit “Jingle Bells” oder “Stille Nacht, heilige Nacht” beschallt werde, kann ich das Vereinsanliegen sehr gut nachvollziehen. Desöfteren habe ich mir da schon eine Zwille gewünscht.
Mir sind Vereine suspekt, die selbst Ruhe fordern, in ihrem Vereinsnamen aber ein Ausrufungszeichen führen. Das deutet weder auf Understatement noch auf Ruhe hin
Wer sich einmal versehentlich in die in jeder Fußgängerzone anzutreffenden Modeläden der Marken New Yorker, Pimkie, Food Locker u. v. a. verirrt hat, weiß, dass in diesen Fällen Musik nicht nur stören k a n n, sondern absolut unerträglich ist.
@ Saarlänner
Und die Kunden dieser Läden werden die Musik vermutlich lieben.
Witzige Anzeige, ja.
Sonst muss ich Daniel zustimmen. Die Musikberieselung allgemein stört mich nicht, aber ich möchte eigentlich nicht täglich mehrfach “Last Christmas” & Co. hören müssen.
@ Mario H.
Da habe ich einen Trost für Dich: Spätestens am 27. Dezember ist das vorbei!