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Spießer Alfons: Ein Scherz für Kinder

5. Dezember 2008
von

Carstensen.jpgDer Brüller des Tages steht mal wieder wo? Richtig: auf der Titelseite von BILD! Und wie so häufig in der Rubrik “Gewinner/Verlierer”. Dort ist heute Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, der „Gewinner“. Warum? BILD: Er hat „ein ganz großes Herz für Kinder!“

Da stellt sich natürlich die Frage: Wie hat Peter Harry Carstensen seine Kinderliebe unter Beweis bestellt? Hat er als Regierender dafür gesorgt, dass es Kindern in Schleswig-Holstein besser geht, dass alle genug zu essen haben und mehr Spielplätze gebaut wurden statt Parkplätze? Oder hat er gar Geld gespendet — sein pivates Geld, versteht sich! — um Kindern in der Not zu helfen…?

Um es kurz zu machen: Carstensen hat sein „ganz großes Herz für Kinder!“ damit bewiesen, dass seine Mitarbeiter die amtliche Weihnachtspost mit der „Ein Herz für Kinder“-Briefmarke frankieren. Punkt.Scheerz.jpg

Jetzt fragt sich natürlich jeder: Wenn der Ministerpräsident — natürlich auf Kosten des Steuerzahlers — die Briefmarke kaufen lässt, die für die PR-Aktion der BILD-Zeitung wirbt, wie zeigt er dann sein „ganz großes Herz für Kinder!“?

Natürlich ist Carstensen ein „Mann mit Herz“, denn das Herz ist auf jeder Briefmarke zu sehen. Aber das ist nicht das Herz von Carstensen, sondern es ist das Herz von Willy Fleckhaus, das dieser dermaleinst für die BILD-Aktion gestaltet hat. Und von den 605 Euro, die der Ministerpräsident für die Briefmarken aus seiner amtlichen Portokasse bezahlt hat, kommt jeder Cent in die Kasse der Post für die Zustellung der 1.100 Briefe. Und selbst, wenn die Post das Geld an die Aktion spendet: Wieso hat der Briefmarkenkäufer damit “sein großes Herz für Kinder” bewiesen…?

Ja, und deshalb vermutet Spießer Alfons, dass Peter Harry Carstensen aus allen Wolken fällt, wenn er heute liest, warum er der „Gewinner“ des Tages ist: Weil er nämlich eine PR-Meldung auf der Titelseite von BILD bekommen hat für nichts.

By the way: Noch jemand wird heute auf der Titelseite von Deutschlands Größter vorgeführt. Ein Greis von 105 (einhundertundfünf) Jahren: Jopie Heesters. Der hat ’ne geistlose Bemerkung über Hitler gemacht, die ein holländischer Reporter dem hilflosen Greis quasi in den Mund gedreht hat. BILD macht mit dem kranken alten Mann heute seinen Aufmacher: „Hitler-Eklat“. Spießer Alfons meint: Würdelos.

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Ein Scherz für Kinder ”

  1. Macmat am 5. Dezember 2008 um 09:50 Uhr

    Lieber Spießer,

    gibt es nichts mehr aus der Wunderwelt der Werbung zu berichten? Bildblog.de ist doch schon längst erfunden!

  2. OlafKolbrueck am 5. Dezember 2008 um 10:10 Uhr

    @macmat
    Was spricht denn gegen Meinungsvielfalt?

  3. Spießer Alfons am 5. Dezember 2008 um 10:19 Uhr

    @ macmat

    Mal abgesehen davon, dass Spießer Alfons schon die BILD-Zeitung aufgespießt hat, als es bildblog noch gar nicht gab – stell Dir vor: Es gibt doch tatsächlich Blogs, die auch Werbung aufspießen! Und es soll sogar mehrere (!) Tageszeitungen geben, die kritisch über unsere Regierung schreiben! Ts,ts, was es nicht so alles gibt! ;)

  4. Macmat am 5. Dezember 2008 um 12:22 Uhr

    Schon klar. Nur die Häufung (schrechliches Wort, sorry) in den letzten Tagen hat mich gewundert.

  5. Herr Holle am 6. Dezember 2008 um 14:31 Uhr

    @macmat
    “Ein Herz für Kinder” ist eine (zugegebenermaßen: gut gemachte) Werbeaktion des Springer Verlages. Und das geht so: (1) Prominente machen sich “für einen guten Zweck” – und natürlich für die Medienpräsenz – zum Affen. (2) Bild berichtet mit fetten Schlagzeilen darüber. (3) Die Auflage steigt.
    Dass von dieser Aktion Dritte profitieren ist nicht Hauptzweck des Ganzen – der Werbewert für den Springer-Verlag (u.a. auch durch die Briefmarke) dürfte enorm sein.

ivw