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Spießer Alfons: Unglaublich schäbig, Procter & Gamble!

6. Dezember 2008
von Spießer Alfons

Wenn Spießer Alfons etwas in der Werbung hasst, dann ist es das Geschäft mit dem Mitleid. Das ist ein knallhartes Marketing-Tool, wo Firmen an den Konsumenten herantreten mit der Forderung: „Kaufe unser Produkt, dann spenden wir vom Kaufpreis der Ware etwas für eine gute Sache!“ Umkehrschluss: „Kaufst Du unser Produkt nicht, dann werben wir nur damit, dass wir sozial sind, spenden aber nichts! Und wenn Du statt unser Produkt ein Konkurrenzprodukt kaufst, dann musst Du ein verdammt schlechtes Gewissen haben!“

TVpamprs.jpgNun kommt Procter & Gamble. Mit dem Logo von UNICEF will man Pampers verkaufen. Dazu wurde ein TV-Spot gemacht mit neugeborenen Kindern. Herzergreifend: Die wären möglicherweise nie auf die Welt gekommen, weil ihre Mütter nicht gegen Tetanus geimpft wurden. Und deshalb wirbt Procter & Gable: „1 Packung = 1 Impfdosis. Mit jedem Kauf einer Pampers Aktionspackung, die das UNICEF-Logo trägt, spendet Pampers € 0,047 bzw. CHF 0,079 an UNICEF, um dabei zu helfen, eine schwangere Frau im gebährfähigen Alter in einem Entwicklungsland gegen Tetanus zu impfen. UNICEF bevorzugt keine Produkte oder Marken. Pampers unterstützt UNICEF. Weitere Informationen unter www.pampers.com“ (Zeichensetzung von Spießer Alfons; Abbildung Storyboard: GWA-Adzyklopädie)

Das muss man sich mal reinziehen: € 0,047 (!!!) pro verkaufter Packung, um auf dieser das werbewirksame UNICEF-Logo zu führen und den Müttern zu suggerieren: „Seht her, wie gut wir sind!“ Und wenn eine Packung Pampers rund 12 Euro kostet, dann beträgt die Abgabe rund 4 %o (vier Promille!) vom Verkaufspreis! Bei jeder handelsüblichen Rabattaktion gibt es mehr Nachlass als 4 Promille!

otr-Leser Andreas, der die Aktion für genauso schäbig hält wie Alfons, berichtet: „Zum Vergleich: Eine lokale Pizzeria spendet bei uns 20 Cent pro verkaufter Pizza an ‚Licht ins Dunkel’ bei Verkaufspreisen von 6 bis 10 €!“

Meinung von Spießer Alfons: Das Weltunternehmen Procter & Gamble soll sich schämen für dieses Geschäft mit dem Mitleid und umgehend reagieren: Wenn schon spenden, dann mindestens 32 Cent pro verkaufter Packung, und zwar ein bisschen plötzlich! Schließlich handelt es sich beim dem gespendeten Betrag um das Geld gutgläubiger Kunden.

(Abb. Storyboard: GWA-Adzyklopädie)

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Unglaublich schäbig, Procter & Gamble! ”

  1. Klecks am 6. Dezember 2008 um 11:05 Uhr

    Anregung: Wäre es nicht supertoll, würden alle Blogger, die das hier lesen, in ihren Blogs darauf hinweisen? Vielleicht könnte man P&G damit zum Nachdenken, sprich Einlenken bewegen! Schließlich haben wir Adventzeit, die besinnliche. Und heute kam der Nikolaus. :)

  2. Nils Maier am 6. Dezember 2008 um 11:18 Uhr

    Werde ich machen…

  3. Markus Roder am 6. Dezember 2008 um 11:26 Uhr

    Und das Beste, Olaf:

    Procter + Gamble stellt den Impfstoff, der mit den “Spenden” gekauft wird, auch noch selbst her… (Quelle: Die Kollegen von http://www.legionlibertine.com/). Dieses Spiel mit “internen Umbuchungen” zu Werbezwecken ist vielleicht (nach Fact Checking) einen weiteren Blog-Eintrag wert…

  4. Dierk am 6. Dezember 2008 um 12:18 Uhr

    Bei aller berechtigter Empörung über P&G, UNICEF lässt sich hier vor den Karren spannen. Und wer vergessen hat, was das genau bedeutet: die werden zum Esel gemacht.

  5. Beginner am 6. Dezember 2008 um 12:53 Uhr

    Schäbig ist das richtige Wort. Da hätte ich mehr Probleme mit als Zigaretten verkaufen, wenn da ein entsprechendes Briefing reinkäme. Aber P&G sind ja nicht die ersten bzw. die einzigen. Ansonsten hätten wir wohl den Regenwald für die nächsten 1000 Jahre durchs Saufen gerettet. Bleibt zu hoffen, dass die Verbraucher kritisch und mündig die Hersteller abstrafen. Aber wahrscheinlich zieht so ein UNICEF-Logo einfach zu sehr.

  6. spanier am 6. Dezember 2008 um 13:22 Uhr

    danke spiesser. toller beitrag. oportunistische werbung ist immer zum kotzen. und es sollte eine behörde geben die sowas reguliert und verhindert.

    wenn jemand spenden will, spendet er. und spricht darüber nicht. wenn jemand spenden will weil er sich damit profilieren will/kann, ist alles fürn arsch. ich finde es sollte verboten sein mit spenden zu werben.

  7. Herr Holle am 6. Dezember 2008 um 14:21 Uhr

    Wenn ich mich recht entsinne, dann war solche Werbung früher mal verboten. Kann das jemand verifizieren?

  8. Peter Blähser am 8. Dezember 2008 um 10:00 Uhr

    Das muß man P&G lassen: Der Spot ist wirklich gut gemacht!
    Der niedrige Beitrag pro Packung Pampers ist allerdings ein Skandal. Trotzdem halte ich die Kampagne für ehrlicher als die Regenwaldaktion von Krombacher. Da kassieren die Herren Jauch und Kollegen mehr als an “Spenden” zusammenkommen.

  9. 50hz am 9. Dezember 2008 um 09:25 Uhr

    Hmm. Ich bin unsicher. Schaut man sich hier http://unicef.pampers.de/ und bei Unicef um, bekommt man den Eindruck, dass es sich um eine langfristig angelegte und offenbar sehr erfolgreiche Impfkampagne handelt. Diese wird von PG mit mehreren Millionen Dollar unterstützt.

    Das ändert erst mal nichts daran, dass der in der Kampagne ausgewiesene Förderbetrag lächerlich gering ist. Möglicherweise handelt es sich aber lediglich um ungeschickte Kommunikation.

    Ich habe daher PG und Unicef per Mail um Stellungnahme gebeten und werde ggf. drüben bei mir darüber berichten.

  10. Ruhri am 9. Dezember 2008 um 09:43 Uhr

    Da ich keine Kinder habe, kaufe ich logischerweise auch keine Windeln. Aber hätte ich Kinder, würde ich qualittativ hochwertige Windeln zu einem fairen Preis kaufen – unabhängig davon, ob ich automatisch 0,047 € spende oder nicht.

    Ist es nicht sinnvoller, wenn jeder das kauft, was er benötigt und zusätzlich spendet? Beispielsweise spende ich für ein Patenkind einen monaltichen Betrag, von diesem Geld werden diesem und anderen Kindern die tägliche Grundversorgung, medizinische Versorgung und auch Schulbesuche finanziert.

    Aktuell gibt es viele Aktionen, bei denen man Geschenke für Kinder spenden kann – von den unendlich vielen Aktionen, bei denen um Geldspenden gebeten wird, will ich gar nicht erst reden. Sind solche Aktionen nicht wesentlich sinnvoller?

  11. Daniel am 9. Dezember 2008 um 15:56 Uhr

    Wobei ich mich Frage, ob Tetanus wirklich ein so großes Problem darstellt, daß es in Form einer Impfung »gelöst« werden muß. Wie ich bei Wikipedia las, ist Tetanus eher ein Problem unzureichender Hygiene beim Abnabeln der Neugeborenen. Die Impfung ist also mehr eine Sympton- als Ursachenbeseitigung.

  12. 50hz am 17. Dezember 2008 um 15:05 Uhr

    Ich habe wie versprochen noch ein wenig recherchiert und gerechnet und komme zu einem vieldeutigen Ergebnis: http://tinyurl.com/5oooqo ;-)

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