Spießer Alfons: Wenn die alten Unken unken
Spießer Alfons wird nicht müde zu erklären, dass er die Auguren in den Agenturen genauso liebt wie die Schwarzseher und Spökenkieker in den Häusern der Medien. Sie verbreiten schlechte Stimmung. Und schlechte Stimmung führt zu nachlassender Kreativität. Und nachlassende Kreativität bringt uns nicht voran, sondern lässt uns auf der Stelle treten.
Gerade hat sich wieder mal so ein Kassandrarufer gemeldet: Michael Bohn, Nostradamus CEO von Zenith Optimedia. Bei Meedia.de ist nachzulesen: „Für den deutschen Werbemarkt erwartet die Media-Agenturgruppe einen Rückgang der Werbe-Umsätze um 4,6 Prozent. Im Einzelnen schlüsselt Zenith Optimedia das wie folgt auf: Print verliert 6,1 Prozent, TV 3,5 Prozent. Lediglich online wird ein Plus erzielt, jedoch nur um 1,2 Prozent. ‚Die Zeiten des rasanten Werbewachstums im Web sind vorbei’, erklärt Michael Bohn, CEO der Gruppe.“
Erwartet? Warum hat die Agentur eine derartige Erwartungshaltung? Selbstprophezeihung? Hat CEO Bohn die Zahlen aus seinem Gummibärchen-Orakel abgelesen? Oder sind die genannten Zahlen bis hinterm Komma „amtlich“ und gelten für alle Titel und alle Sender? Gab es eine repräsentative Umfrage unter bei allen relevanten Werbungtreibenden in Deutschland, die ihre eigene Absicht unwiderruflich festgelegt haben? Letzteres müsste der Fall sein. Denn wenn Herr Bohn bloß seine eigene Kundschaft befragt und die Zahlen auf den Gesamtmarkt projiziert hat, dann ist das so relevant wie eine Befragung vor dem dem Spieglein an der Wand, wer denn wohl die/der Schönste ist im ganzen Land.
Merke: Wer exakte Zahlen nennt, muss dafür auch die Quelle nennen! Wenn es sich aber nur um „Erwartungen“ handelt, dann sollte Derjenige, der diese negative Erwartungshaltung hat, besser schweigen! Genauso wie „Manche“, die von „Horrorrückgängen von 20 bis 30 Prozent“ in Print faseln reden. (Spießiges Rechenbeispiel: Titel Icks verliert 60 Prozent, Titel Ypsilon gewinnt 30 Prozent. Macht einen Verlust über beide Titel von 30 Prozent!)
Das Diabolische an solch exakter Zahlennennung: Es gibt immer wieder Leute, die das für bare Münze nehmen. Die sehen die Zahlen und gehen flugs daran, die eigene Situation zu überprüfen. Und wo vorher noch ein Optimist saß, erscheint jetzt der Pessimist mit dem roten Stift. Und wo der Optimist schon Licht am Ende des Tunnels erblickt, warnt der Pessimist, es könnten die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Zuges sein. Fazit: Der Gehorsam eilt voraus, die eigenen Zahlen werden den “vorgegebenen” angeglichen, und dann stimmen die Werte der Kassandras. Und die Pessimisten haben Recht behalten. Natürlich.
Wo ist der CEO, der aufsteht und sagt: „2009 wird ein schlechtes Jahr werden — wenn wir das heraufbeschwören. Wenn wir aber alle Mittel in die Hand nehmen und in die Zukunft investieren, dann hat der Mutige echte Marktchancen, während der Feige beim Aufgang der Sonne noch in den Mond guckt und die Schatten der vergangenen Nacht sieht. Es war in Vergangenheit häufig so: Wer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten antizyklisch agiert hat, der hat Marktanteile gewonnen. Denn wer den Markt allein, also ohne Gegen(werbe)druck bewirbt, erntet auch alle Früchte allein. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass das Volk seinen gesamten Konsum im kommenden Jahr um 20 bis 30 Prozent einschränkt? Im Gegenteil: Das derzeitige Weihnachtsgeschäft sieht der Einzelhandel optimistisch. Gespart wird nur an Tankstellen, und zwar durch sinkende Benzinpreise.
Am Ende des Beitrages bei Meedia.de ist zu erfahren: „Die Hoffnungen ruhen allein auf dem Web. Zenith Optimedia erwartet für das dritte Quartal 2009 wieder ein positives Wachstum des Werbemarktes.“
Genau das isses! So, wie Meedia.de es mit Optimismus in eigener Sache vormacht, so funktioniert es. Denn wer seine Zukunft aufs Web ausgerichtet hat, der lässt sich das nicht mies sondern lieber schön reden. Und dann klappt das auch mit der Werbung.
Spießer Alfons wünscht:Â Nostrabohnuns Michael Bohn soll uns mit derselben Exaktheit die Aktienkurse für bestimmte Papiere in 2009 voraussagen! Oder wenigstens die Lottozahlen.
Update: Na bitte: Wie HORIZONT.NET soeben berichtet, zieht es Michael Bohn zum Rettungsufer!
Twittern












das ist doch wie an der Börse – ein “namhafter” Analyst eines “angesehenen” Bankhauses sagt, das morgen die Aktie “Bee” aufgrund des wahrscheinlich schlechteren Quartalsergebnisses einen Kurseinbruch erleben wird. Was machen die “dummen” Anleger … sie verkaufen heute, weil sie ja morgen noch viel schlechter verkaufen würden, weil der Analyst das ja gesagt hat und der muss es ja wissen.
Folge – der Kurs fällt obwohl das Quartalsergebnis gar nich so schlecht aussieht und potzblitz – der Analyst hat Recht gehabt …. der Kurs ist gefallen.
Menschen sind manchmal wie Lemminge
Das ist halt der Unterschied: der selbständige Unternehmer unternimmt etwas für den Erfolg seines Geschäftes, ein angestellter Chief Executive Officer exekutiert – und zwar genau jene Firma, die ihn anstellt, und zuerst deren “niedere” Arbeiter.