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Spießer Alfons: Post an Wagner (17)

12. Dezember 2008
von

Dz.jpgLieber Gossen-Goethe,

mit großer Bestürzung hat Spießer Alfons Euren heutigen Brief gelesen, den Euer Merkwürden an einen Selbstmörder gerichtet haben. Damit ist Euer Schreiben quasi ein Kondolenzbrief für die Nachwelt.

Die Bestürzung des Spießers resultiert aus Eurem Satz, der da lautet: „Der Tod ist mit großen unglaublichen Schmerzen verbunden, wenn die Seele den Körper verlässt.“ Das ist eine sehr persönliche Erfahrung Eurerseits, die den Spießer nur zu einer einzigen Erkenntnis kommen lässt: Euren Brief habt Ihr aus dem Jenseits geschrieben! (Weiteres Indiz: Gestern, vermutlich Euer Todestag, gab es keine Post von Euch in BILD!)Selbstm__rder.jpg

Mit anderen Worten: Ihr, lieber Gossen-Goethe, seid tot. Richtig mause. Denn nur aus Eurem eigenen Grabe heraus konntet Ihr zu der Erfahrung gelangen, die Ihr in Eurem Totenbrief von Euch gebt.

Zu Eurer Information: Es gibt auch Beobachtungen von Hinterbliebenen, dass Menschen sehr friedlich eingeschlafen sind, sprich: schmerzlos in den Tod gegangen sind, als die Seele ihren Körper verließ. Ihr jedoch habt „große unglaubliche Schmerzen“ verspürt, als die Seele sich von Eurem Fleische verabschiedet hat.

Nach dem Lesen Eures überirdischen Kommentars fiel dem Spießer ein weiterer Beitrag ins Auge, der heute in der Gazette steht, welcher Ihr Eure Post an uns hinterbliebene Leser anvertraut habt. Danach haben italienische Forscher „uralte Salbendosen“ entdeckt, „die aus der Jesus-Zeit stammen“. BILD schreibt: „Der Inhalt gleicht Salben, mit denen Maria Magdalena den Leichnam Christi gesalbt hat.“

Das ist sSalbe.jpgensationell! Und der spießige BILD-Leser fragt sich und Euch: Warum ist diese Meldung im Kleingedruckten versteckt? Warum sind die Salben, die 2000 Jahre erhalten geblieben sind, nicht der Aufmacher der heutigen Titelseite?!

Nota bene: BILD weiß nicht nur, dass der Leichnam Christi gesalbt wurde, sondern auch mit welchen Salben! Woher weiß BILD das? In der Bibel steht nichts davon, weder bei Matthäus, noch bei Lukas. Oder hat der Spießer da etwas überlesen…? Alfons vermutet deshalb, dass die salbungsvolle Information von Euch stammt, großer Gossen-Goethe,  die Ihr diese Botschaft aus dem Jenseits an Eure irdische Zentralredaktion vermeldet habt. Vermutlich mit Hilfe von Uri Geller.

Oder sind das alles wieder mal fette Enten von BILD, will meinen: Der Goethe der Gosse lebt, und bei der Salbe handelt es sich bloß um Nivea…?

Bitte gebt dem Spießer Eure Antwort — so oder so!

Schmerzlichst
Euer
Spießer Alfons

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Post an Wagner (17) ”

  1. Richard Synn am 12. Dezember 2008 um 15:06 Uhr

    Köstlich geschrieben!

  2. Oliver am 12. Dezember 2008 um 15:58 Uhr

    Hat Wagner eigentlich jemals geantwortet?

    ;)

    - Oliver

  3. Spießer Alfons am 12. Dezember 2008 um 16:11 Uhr

    @ Richard Synn: danke :)

    @ Oliver: Womit sich die Frage stellt: Kann ER überhaupt lesen…? ;)

  4. LordSTW am 12. Dezember 2008 um 20:51 Uhr

    Wie kann man sich nach einem langen Tag belohnen?
    Ein milder Kaffee und “Post an Wagner”!
    Jeep, diese war mit Abstand die beste….
    Vielen Dank!!!

    Ehrfurchtsvoll, ein unwürdiger, stiller Fan, der gelegentlich selbst mal zur Feder greift und über sein kleines LRS geprägtes Universum berichtet, nicht jedoch, ohne darauf hinzuweisen, dass weltweit kein Teleskop ihm einen Blick hinauf zum Meister ermöglichen vermag.

    LG LordSTW, der soeben eine Petition verfasst, welche das Ziel verfolgt “Gossen-Goethe” in den Duden aufzunehmen

  5. Kowalski am 13. Dezember 2008 um 15:07 Uhr

    WEIHNACHTSWUNSCH:

    Möge des Spießers Post an Wagner alle Leser vom Gossen-Goethe erreichen!!! (Vielleicht kann “Bild” die ja auch drucken!)

    Alfons, weitermachen! Deine Briefe an Wagner sind absolut geil! Ich freue mich schon auf den nächsten! :)

  6. Klecks am 13. Dezember 2008 um 15:17 Uhr

    Sollte mich gar nicht wundern, wenn Wagner plötzlich einen seiner Briefe in der Bildzeitung richtet an: “Lieber Spießer Alfons”, um dem mitzuteilen, dass er, Wagner, seine Briefe als Satire schreibt, und dass man auf Satire nicht antworten kann, weshalb der Spießer seine “Post an Wagner” sofort zu beenden hat. *lach*

  7. Der Postillon am 14. Dezember 2008 um 19:26 Uhr

    @Spießer: Könnte Wagner lesen, was schreibt, so schriebe er es nicht. Will heißen: Lesen kann er nicht.

  8. Obermotzbruder am 16. Dezember 2008 um 18:46 Uhr

    Köstlich diese Briefe an den werten Gossen-Goethe. Ich frage mich, mit welchen Informationen F.J. Wagner den Springer Verlag erpresst, damit er solch pathetische Worte ans BILDungsvolk richten kann.

ivw