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Spießer Alfons: Post an Wagner (18)

15. Dezember 2008
von

Dz.jpgLieber Gossen-Goethe,

durch die berühmteste Zahnlücke der Nation pfeifen Euer Merkwürden heute ein Hohelied. Die Strophen Eurer süßlichen Phantasie Poesie sind gerichtet an unser „Liebes Wetten, dass…?“, welches seit 1981 die beliebteste TV-Show des deutschen Fernsehens ist und hauptsächlich moderiert wurde von Thomas Gottschalk.

Ihr, großer Goethe der Gosse, beginnt Euren Brief mit dem Hinweis, dass sich die Welt in ihrer wirtschaftlichen Krise verstärkt am Genuss von Süßigkeiten erfreut, so dass sich der Umsatz süßer Leckereien verdoppelt hat. Und Ihr kommt zur Erkenntnis: „Es ist der Schokoladen-Effekt, nie war Gottschalk besser, als beim letzten ‚Wetten, dass…?’“ Und Ihr erklärt: „Beim Schokoladen-Effekt geht es darum, sentimentale Erinnerungen aufzufrischen. Die glücklichen Zeiten des Schaumgebäcks.“Liebes_Wetten__dass.jpg

In der Tat: Schaumgebäck sind Eure Worte. Denn die vorletzte Sendung von Schoko-Gottschalk hatte seit langer Zeit die geringste Einschaltquote. Auch wenn die letzte Show wieder ein paar Seher zurück gewonnen hat, liegt sie immer noch Millionen Zuschauer hinter den Zeiten vor der Wirtschaftsmisere. Also könnt Ihr, großer Meister der Simplifikation, zwar glauben, dass der Moderator nie besser gewesen ist als heute – die Zuschauer hingegen scheinen die Schokoladenseite von Altmeister Gottschalk weniger zu mögen als das früher, also in guten Zeiten, der Fall gewesen ist.

Und dann kommt Ihr, der große Volksdichter, zu der Feststellung: „In Gottschalks Show zog sich die Ministerin von der Leyen ihre Pumps aus, schob ihr Kleid bis zur Hüfte hoch und hüpfte in eine Mülltonne“!

Wow, was habt Ihr da für eine Beobachtung gemacht! Der Spießer hat zwar auch gesehen, dass die Ministerin ihre Pumps ausgezogen hat und in eine Mülltonne gehüpft gestiegen ist; aber dass sie ihr Kleid „bis zur Hüfte hoch“ geschoben hat, das habt allein Ihr wahrgenommen. Hätte Frau von der Leyen das tatsächlich getan, dann hätte die Nation den Slip der Ministerin sehen können, welchen sie vermutlich getragen hat. Und das wäre dann mit Sicherheit das Aufmacherfoto auf der Titelseite der heutigen BILDungszeitung gewesen!

Dass die Ministerin von dem Schauspieler Hugh Jackman auf Händen getragen wurde, saht Ihr, Meister der Gossen-Lyrik, scheinbar gar nicht mehr, wart wohl berauscht von allzu viel süßer Schokolade, die Ihr vermutlich vor dem Bildschirm geknabbert habt, weil der Pizza-Bote nicht gekommen war.

Ihr, großer Goethe der Gosse, meint, dass es „großartig“ ist, „mit Schokolade gegen die Pleite“ anzugehen. Da mögt Ihr durchaus Recht haben, denn Schokolade wirkt tatsächlich gegen schlechte Laune. Man könnte die Produkte aus der Kakaobohne mit Fug und Recht als „milde Psychopharmaka“ bezeichnen.

Aaaber: Schokolade hat auch Nebenwirkungen: Sie macht dick, wenn man zuviel davon isst. Und es wurde sogar schon eine psychische Abhängigkeit beobachtet. Mehr noch: Würde in einer Schokoladenpackung wie bei einem Medikament ein Beipackzettel stecken, dann stünde nach Meinung der Österreichischen Apothekerkammer darauf:

An Nebenwirkungen sind bekannt: Zahnverfall von frühester Kindheit an, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung. Bei längerer Einnahme sind Fälle von Übergewicht, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit erwiesen. In diesem Zusammenhang kann die Einnahme zu Bewusstlosigkeit, zu Schlaganfall, zu Herzinfarkt, zu Nervenausfällen, zu Nierenversagen, zu Erblindung, zu hohem Fieber und zu Amputation der Gliedmaßen führen, Todesfälle sind erwiesen.”

Spießer Alfons weiß nicht, welche Nebenwirkungen die Schokolade bei Euch gehabt habt, merkwürdiger Dichterfürst. Der Verdacht auf Bewusstlosigkeit und Erblindung liegt genauso nahe wie eine Verstopfung, und zwar Eurer grauen Zellen. Aber Spießer Alfons vermutet etwas Anderes: Ihr, Franz Josef, habt die Schokolade in Form von Lumumba zu Euch genommen, also heiße Schokolade mit einem Schuss (oder mehreren Schüssen) Brandy. Danach ist es durchaus möglich, dass man eine Frau sieht, die ihr Kleid bis zur Hüfte hochgeschoben hat, und von der man glaubt, dass es eine Ministerin gewesen ist.

Lenin sagte nach Karl Marx: „Religion ist Opium fürs Volk“. Ihr, großer Gossen-Goethe, meint, dass „Wetten,dass..?“ Schokolade fürs Volk ist. Dafür wird Thomas Gottschalk Euch bestimmt in seine nächste Sendung einladen und Euch den Abend versüßen. Mit Gummibärchen vermutlich.

Schmerzlichst

Euer

Spießer Alfons

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Post an Wagner (18) ”

  1. Peter am 15. Dezember 2008 um 21:33 Uhr

    Wetten, dass … Wagner die Sendung mit glasigen Augen gesehen hat, umnebelt vom Rauch seiner Zigaretten…? Und die Hose hat er sich bis unter die Knie gezogen. ;)

  2. Der Postillon am 16. Dezember 2008 um 12:53 Uhr

    Hab ich probiert – geht ganz einfach.

  3. Klecks am 16. Dezember 2008 um 17:14 Uhr

    @ Der Postillon

    Probiert? Das mit der Hose? Oder das mit dem Kleid? :)

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