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Spießer Alfons: Post an Wagner (21)

19. Dezember 2008
von

Dz.jpgLieber Gossen-Goethe,

heute beschreiben Euer Merkwürden die große Weltpolitik im Hin- und Rückblick auf den scheidenden US-Präsidenten George W. Bush — siehe die Abbildung!

Politische Äußerungen von großen Dichtern sind ja nicht ungewöhnlich. Auch zeitgenössische Literaten wie Böll, Grass und Walser haben sich häufig politisch wichtig gemacht. Da darf sich Franz Josef Wagner, der Dichter von „Big Story“ und „Das Ding“,  lückenlos anschließen. Und nachdem große Medien wie „Spiegel“ und „Stern“ dem scheidenden US-Präsidenten ganze Titelgeschichten gewidmet haben, in denen der Protagonist nicht sonderlich gut dasteht, schreibt Ihr, Goethe der Gosse, nun persönlich an den „lieben George W. Bush“ via BILD, dem Zentralorgan des deutschen Volkes. Und weil Eure Botschaft an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika politisch höchst brisant ist, muss Euch der Spießer unbedingt darauf antworten.Wagnerbush.jpg

Ihr, großer Dichterfürst, kommt zu der absonderlichen Feststellung, dass George W. Bush “ein Held” ist und als solcher der Welt auch im Gedächtnis bleiben wird. Zwar hat dieser Präsident im Laufe seiner Amtszeit die halbe Welt in ein Chaos geführt — aaaber: Er ist den fliegenden Schuhen von Bagdad ausgewichen! „Reaktionsschnell“, wie Ihr es voller Begeisterung beschreibt. (Spießer Alfons würde es eher „instinktiv“ nennen.) Und für Euch ist George Dawwelju von nun an ein „Sportler“, der eine „unglaubliche körperliche Demonstration“ und „Fitness“ bewiesen hat. Daran, so meint Ihr, werden wir uns auch in Jahrzehnten noch erinnern. Ähnlich wie an den ehemaligen russischen Partei- und Regierungschef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, der in einer UNO-Vollversammlung aus Wut mit seinem Schuh auf dem Tisch getrommelt hat, was Billy Wilder für die Nachwelt persifliert hat in seinem Film „One, Two, Three“.

In Deutschland sind Politiker noch nicht mit Schuhen beworfen worden. Häufiger dagegen mit Eiern und Farbbeuteln. Einige der Wurfgeschosse haben getroffen, anderen konnten die Volksvertreter ausweichen. Die Ausweichler sind für Euch, Dichter aus der Gosse, vermutlich heldenhafte Sportler, die Fitness bewiesen haben. Die Getroffenen dagegen: Weicheier, weil körperlich total abgeschlafft!

Aber zurück zu Eurer Weissagung, dass George W. Bush von der Nachwelt nicht an seiner politischen Leistung gemessen wird, sondern an seinem Reaktionsvermögen. Spießer Alfons bestätigt: Das Reaktionsvermögen des George W. Bush war gut, was den Schuhwurf betrifft. Weniger gut hingegen, was seine Politik angeht. Und der Schuhwerfer von Bagdad hat zumindest bewirkt, dass der auflagenstärkste Dichter deutscher Sprache, nämlich Franz Josef Wagner, in der größten Tageszeitung seines Landes die politische Forderung aufstellt: „Raus aus Irak, weg von den Schuhen“. Womit der Schuhwerfer sein Ziel erreicht hat.

Großer Gossen-Goethe, Meister des vereinfachten politischen Kommentars, der Spießer pflichtet Euch bei: „Weg von den Schuhen“! Denn vermutlich seid Ihr schon öfters von einem Schuh am Kopfe getroffen worden. (Frauen haben ja bekanntlich viele Schuhe!) Und wenn Euch der Schuh drückt, großer Dichter, dann bilden sich schmerzhafte Blasen — in Eurem Geiste.

Schmerzlichst
Euer
Spießer Alfons

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Post an Wagner (21) ”

  1. Obermotzbruder am 20. Dezember 2008 um 16:49 Uhr

    Lieber Spießer Alfons.

    F.J. Wagner scheint aber doch ein seriöser Literat zu sein. Jedenfalls könnte man dies hier so nachlesen:
    http://www.abendblatt.de/daten.....54306.html
    Lobhuddeleien erster Güte.

  2. Stänky am 15. Januar 2009 um 20:22 Uhr

    Steht via wirklich mit dem Dativ?

  3. Olaf am 14. Juni 2009 um 15:14 Uhr

    Das ist normal mit der Lobhudelei im Abendblatt, kommt doch aus dem selben Verlag wie die BILD

ivw