Prognose: 11 Wahrheiten über 2009
So: Outlook-Postfach geleert, Feed-Reader runtergescrollt, Jahreshoroskope gelesen, insbesondere die gebührenfinanzierten Horoskope mit der die ARD ihren öffentlichen Pflichten nachkommt, Daumen in den Windchill gehalten. Nach dem Jahresrückblick auf 2009 nun also Zeit für 11 ernsthafte Wahrheiten über das Jahr 2009.
Einige der Punkte mögen vielleicht nicht allzu dramatisch weit entfernt vom Stand der Dinge sein. Aber so ist nun mal die normative Kraft des Faktischen und eine neue Jahreszahl bringt in der Regel weniger revolutionäre Veränderungen in Sachen Marketing, Werbung, Medien und Web mit sich, als man noch in der ersten Woche eines neuen Jahres glaubt. Obendrein mag ich mich nicht als blumig-wolkiger Web-Nostradamus aufführen oder gut lesbare Dramatiken absondern. Stattdessen ein ausschnittsweiser Blick auf 11 Wahrheiten, die in einem Jahr schon wieder Geschichte sind.
1. Social Networks vor der Bewährung:
Die Communities werden auch 2009 nicht zur Umsatzquelle. Der TKP für Banner könnte unter die Wahrnehmungsgrenze fallen, neue Modelle der Interaktivität greifen nicht, weil sie Media-Agenturen weiterhin zu kompliziert und Werbekunden zu aufwändig sind. Die Konsolidierungswelle könnte selbst Facebook wanken lassen, dass mit Bezahlmodellen für Premiumnutzer aufwarten wird
Gleichzeitig verlangen die User, je mehr sich die Netzwerke Richtung Mainstream entwickeln, nach Simplizität. Auch deshalb könnte Wer-kennt-wen Ende 2009 als DAS Volksnetz dastehen. Samt gut gebuchter Banner-Werbung ohne weiteren Schnickschnack.
Kooperationen im Bereich Content-Vertrieb (bspw Musik, Bücher) und Commerce-Modelle könnten sich auf breiter Front durchsetzen.
2. Beratung wird gern gehört:
Unternehmensberater können sich vor Aufträgen nicht mehr retten. Im Durcheinander-Jahr 2009 hofft man auf die Weisheit der Berater, die zumindest den Anschein erwecken, sie wüssten wie es weitergeht.
3 Digitaler Dialog der Dickschiffe:
Die Dickschiffe sind nicht zu unterschätzen. Gerade Top-Marken werden als Vorreiter im Digitalen Marketing agieren und kreative Web-Kampagnen vorlegen. Dialog wird inszeniert, wenn auch nicht geführt. Davon profitieren vor allem Agentur-Netzwerke und kreative Media-Agenturen. Klassikfixierten droht Gefahr: Wenn Media-Agenturen kein Verständnis für die Kanäle entwickeln und vermitteln, machen sie sich selbst überflüssig.
4. Netzwerk-Agenturen gehen fischen:
Krise ist Chaos, da wollen Werbekunden überschaubare, schnelle Lösungen. Solide, kurze Wege, Übersicht. Davon profitieren die Agentur-Netzwerke.
5. Start-up-Friedhof:
Das Geld fließt 2009 noch intensiver ins Web. Nur: Wie immer sucht sich der Teufel auch hier die dicksten Haufen aus. Für viele Start-ups wird es also eng. Etliche kommen auch mangels weiterer Finanzierungsrunde nicht durch die Tür. Davon profitieren 2010 die Überlebenden, und jene die brauchbaren Reste billig aufkaufen.

6. Overload abladen:
Zahlreiche Early Adopter schrauben ihre Online-Aktivitäten zurück. Konzentration auf das Wesentliche lautet der Tenor bei den Web-sddicted. Es trifft sich gut, dass 2009 ein innovationsärmeres Jahr ohne viele Copycats wird. Die Web-Diät betrifft auch Twitter. Zweitaccounts für den engsten Follower-Kreis machen sich breit. Dabei entdeckt gerade der Mainstream Twitter. der zieht auch Markenwerbung an.
Gleichzeitig wächst der Bedarf nach mobiler Mediennutzung. Angebote, die mobil nicht optimal funktionieren stellen sich im Wettbewerb selbst ein Bein.
7. Paid Content bringt die Groschen:
In Zeiten sinkender Erlöse kommt die Idee, Erlöse mit Premiummodellen zu erzielen, wieder zu neuen Ehren. Allerdings müssen Verlage und Communities sich dafür von illusorisch hohen Beträgen (2 Euro pro Artikel) verabschieden und sich an eine alte Volksweisheit halten. Der Pfennig ist die Seele der Million. Doch der Groschen fällt erst spät im Jahr. Darüber hinaus werden Online-Medien und Service-Portale von Drittanbietern weiter miteinander verzahnt/gekauft (auch redaktionell) um Reichweite zu generieren.
8. Effizienz: Der Preis ist heiß:
In diesem Jahr wird Werbung nochmals auf Effizienz getrimmt. Die Folge: Mehr Pitches. Abverkaufsorientierte Werbung, Preisaktionen, Werbeaktionen mit Finanzierungsangeboten und Impuls-Kampagnen schreien um die Wette. Was nicht verkauft, hat keine Chance. Wer anderes behauptet, der hat eine starke Marke im Rücken oder will bewusst gegen den Strom schwimmen. Den TV-Sendern drohen weitere Rabattschlachten.
Das Preisargument kann für Virals, Buzz-Marketing und PR beflügelnd wirken. Vor allem bei mittelständisch geprägten Kunden
9. Blümchen-Botschaften
Aggressive Kampagnen jenseits der Preiswerbung sind out. Die Kunden wollen mir ihren Marken kuscheln. Sie brauchen 2009 Sicherheit, Wärme. Werbung, die Herzlichkeit und Anteilnahme kommuniziert, weckt Vertrauen. Bis Dezember sind die Augen von matten, warmen Farben und Pastelltönen völlig verklebt. By the way. Stricken wird wieder zum Massenphänomen.
10. Medien: Same procedure as last year — only much harder
Diät, Sparwelle, Rotstift — man kann schon mal nach abwechslungsreichen Begriffen für weitere Kündigungsrunden suchen. Denn schon in Kürze wird es mit weiteren Entlassungsrunden weitergehen. Und das wird selbst jene treffen, die sonst so seriös wirtschaften, innovativ daherkommen und selbst im Web nicht nur Geld verbrennen. Manche werden sogar in die zweite Runde gehen. Keine guten Zeiten für die Redaktionen (weitere Zusammenlegungen, 24/7-Volllast-Schichten) und die Qualität der Arbeit gerade im klassischen Tageszeitungsgeschäft.
Erste Special-Interest-Titel geben den Print-Löffel ab und erscheinen nur noch im Web.
11. Sätze:
„Die Krise ist eine Chance“ wird der meistgehörte Satz 2009.
Nachtrag: Bonus-Satz 12
Robert Basic ist Ende 2009 der meistverlinkte Blogger Deutschlands.
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Schön, dass du meine Gedanken zur alten Pfennigweisheit auch so bewertest. Würde Horizontpeople funktionieren, wenn -zu gegebener Zeit- ein Betirag aufgerufen würde, der sich im monatlichen Cent-Bereich bewegt? Gegen nichts oder reine “Extension-Effekte” wäre das reiner Ertrag
in die entschleunigung [tolles wort] gehen, DER trend für 2009 – jedenfalls für manch frühe entdecker. dem twitter-tsunami fliehen, in die kammer des schweigens..
Kurz, gut und nachvollziehbar und man sehe und staune: alle 11 Thesen stimmen mit dem Maya-Kalender überein! Woher die Brüder das alles wussten?! Naja, und falls noch ein Unternehmensberater gesucht wird, der in der Krise die Umsätze in vivo erhöht, hier scherheitshalber meine Webadresse: http://www.jrsh.de
PS: Mehr von sowas!
Zu Recht der meistgeklickte Link lt. turi2. Wer 2000 schon mal bei der großen Krise mit den Chancen mitgemacht hat, kann das nur bestätigen. Vielleicht eine Ergänzung zu Prognose 8: Werbung im Netz wird die Reichweite von Communities direkt monetarisieren.