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Socken stopfen

8. Januar 2009
von Olaf Kolbrück

olli.jpgEs ist schon manchmal eigenartig mit der Werbung, diesem bewaffneten Arm des Kapitalismus. Während nicht nur von Kanzeln die Gier der Manager beklagt wird, die Überschuldung der Konsumenten in den USA als Damoklesschwert für neue Krisen gefürchtet und reihum derart einem Zurückschrauben  maßloser Ansprüche das Wort geredet wird, dass man schon überlegt, wie das denn ging mit dem Socken stopfen, da macht die Werbung Maßlosigkeit einmal mehr zum Konsumprinzip.

“Jetzt kann sich jeder alles leisten” heißt es gleich zu Beginn der aktuellen Media-Markt-Kampagne mit Olli Dittrich mit ihrer Null-Prozent-Finanzierungs-Offensiv. Damit fordert die Metro-Tochter (Real, Saturn, Kaufhof) den zügellosen Konsum auf Pump als gebe es kein Morgen, keine Krise, kein Innehalten und als wäre eine republikweite Millionärswelt nur eine Frage der Finanzierung.

“Jetzt kann sich jeder alles leisten” – das klingt, als hätte das Marketing jegliche gesellschaftliche Contenance verloren und sei für ihre Aussagen und Folgen ohnehin nicht verantwortlich, weil sie sowieso niemand glaubwürdig findet. Ist ja nur Reklame?

Warum dann nicht noch gleich einen draufsetzen und wie Hyundai  in den USA den Verkauf mit dem ungewöhnlichen Versprechen ankurbeln, dass man den Wagen beim Verlust seines Einkommens innerhalb eines Jahres wieder zurückgeben kann. Einkauf ohne Reue?

Grey-Chef Ulrich Veigel wirkt da im “Focus” fast schon wie ein Pater Anselm der Werbewelt, wenn er ein Jahr der “kleinen Freuden” erwartet: “Wir werden eine Renaissance der Ehrlichkeit erleben”. Weniger Marktschreierei.” Ein einsamer Rufer?

Bislang sieht es eher danach aus, als würde die Werbung Deutschland in eine Konsumblase treiben wollen und vor lauter Abverkaufspanik ihren letzten Kredit verspielen.

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Kommentar zu “ Socken stopfen ”

  1. Hans Pöppel am 9. Januar 2009 um 17:04 Uhr

    Ich glaub, die Media-Märktler meinen das eher witzig-ironisch. Wenngleich Ironie in der Werbung hat ohnehin so eine Sache ist, undd möglicherweise – und das wissen die Media-Märktler ja auch – an das Gros der Kunden verschwendet ist. Klamauk und Comedy, es kommt nicht so auf den Inhalt an, Hauptsache der Laden ist cool genug, dass der Nachwuchs beim Auszug von zuhause unbedingt eine der 242 coolen Media-Markt-Kaffeemaschinen kauft.
    Der Grey-Boss – nun ja, irgednwas muss er ja vielleicht sagen. Glauben tut er garanteirt selbst nicht dran, und wenn, dann mit der Hoffnung: alle anderen werden ehrlich, dann habe ich bessere Chancen auf die herkömmliche Tour.

    Eins allerdings ist richtig: Die republikweite Millionärswelt IST nur eine Frage der Finanzierung.
    Darüber kann es doch wohl Diskussion geben.

ivw