Timm
Eigentlich ist der Slogan für den TV-Sender “Timm” so ziemlich das Bekloppteste was den Deutschen Fernsehwerken einfallen konnte: “Wir lieben Männer”. Besser wäre natürlich “Wir lieben Zuschauer”. Aber das klingt wahrscheinlich noch mehr nach Edeka (“Wir lieben Lebensmittel”).
Denn der selbsternannte Schwulen-Sender liefert einiges vom Unterhaltsamsten was derzeit im deutschen TV zu sehen ist. Und das betrifft nicht nur das chillige Nachtprogramm “Abgetaucht” mit tauchenden Männern im Aquarium, das auch Hetero-Damen Augenfutter bietet und wahrscheinlich die hippste Einschlafhilfe seit der “Bernd, das Brot”-Endloschleife beim Kinderkanal „Kika” ist.
Nein, dass eigentliche großartige an “Timm” ist die als schwule Antwort auf “Simpsons” und “Southpark” apostrophierte Animations-Serie “Rick & Steve”, in der schwule Playmobil-Figuren mit frechen Dialogen herrlich politisch unkorrekt durch den Alltag der Plastikwelt von Lahunga Beach stolpern, dass “Sex and the City” und “Desparte Housewives” dagegen ein lauwarmer “Waltons”-Aufguss sind.
Leider verhält sich Timm so wie etablierte Sender und betreibt in Sachen “Rick & Steve” fröhliche Programmplanungs-Travestie und zeigt die Serie mal dort, mal dann. ” “Wir lieben Zuschauer” wäre gegenwärtig also doch etwas übertrieben. Auch angesichts weiterer verquerer Wiederholungen und zahlreicher anderer Programmabweichungen.
Dafür kann man sich bei Timm öfter als einem manchmal lieb ist noch einmal durch die Anfänge von Barbara Schönberger gucken und sich fragen, was – verdammt noch mal – damals an “Blondes Gift” eigentlich so kultig war.
Für Zuschauer, die von Arte oder 3sat rüberzappen, gibt es dann noch Kultur-Hardcore. Beispielsweise mit der Doku “Schwule Subkultur im 18. Jahrhundert” am 31. Januar.
Timm kann im digitalen Kabelnetz und über Astra-Digital unverschlüsselt empfangen werden.
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