Lesezirkel: Werbetexters Wortschatz
Werbetexter, zuweilen eine sehr eigene Gruppe, sind ja häufig so etwas wie Sprach-Ballerinas die auf einem Bierdeckel tanzen müssen. Kein Wunder, dass sich etliche in Blog austoben. So wie Ralf Maier, der in seinem Blog geistige Sprünge über ein weites Themengebiet hinlegt und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt.
“Des Werbetexters Spott-Spot” lautet denn auch der programmatische Blog-Titel. Â Der Blog fischt im “Aquarium der Profilneurosen” der Werbetexter, diskutiert über Schadenerstaz für schlechte Ideen , sucht nach geheimen Botschaften in Werbetexten und findet dabei immer wieder wunderbar selbstbewusste, selbstkritische und selbstironische Sätze für den eigenen Stand, die man gerade in diesen Zeiten einrahmen kann:
“Ohne uns läuft der Laden nicht. Denn ohne uns gäbe es nur 3 Waschmittel statt 20. Ohne uns würden die Leute nicht in die Karibik reisen sondern im Sauerland bleiben. Ohne uns gäbe es keine Promis, keine Schönheitsoperationen, keine Mode, keine Produkte, die schön, glücklich und zufrieden machen, kein Geld für die Raumfahrt und keine Mehrheiten für politische Programme.
Anders formuliert: Ohne uns gäbe es keine Kriege, keine Essstörungen, keine Umweltverschmutzung, kein Hartz IV, keine Zwei bei Kallwass.
Wir haben das einfache menschliche Dasein bis zum Platzen aufgepumpt mit heißer Luft. Und das ganz allein mit Worten. “
Ergo:
“Ohne die Textblase wäre eine Kreditblase nicht möglich gewesen.”
In der Kategorie “Sonntagslektüre” werden nach Lust und Laune – auch wochentags – lesenswerte Blogs und ihre aktuellen Beiträge vorgestellt.
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Meine spontane Assoziation beim Lesen des Zitats war 39,90 von Beigebeder.
besser gut kopiert, als schlecht selbst gemacht…
@ André Wegener
Wenn Du mir das oder ein sehr ähnliches Zitat bei Beigebeder zeigst, geb’ ich einen aus. (Versprochen!) Andererseits beschreibt der ja auch nur, was er so erlebt hat plus die eigenen Gedanken dazu.
Soweit ich sein Buch richtig erinnere, geht es bei ihm oft nur darum, wie toll Werber sind und wie doof und unterbezahlt der Rest der Menschheit. (Die beste Stelle ist das Meeting mit dem Chef von “Nadone”. )
@ off-the-record
Vielen Dank für die nette Besprechung! Bin grad ganz begeistert von mir selbst.
)
Es grüßt die Ballerina auf dem Bierdeckel
@ sorry Ralf, aber besonders der Schluss der Verfilmung von 39,90 ist sehr sehr sehr ähnlich…
@soerensen
Klingt es sehr nach Ausrede, wenn ich zugebe, den Film nie gesehen zu haben? Hab’ aber das Buch gelesen.
Ich denke aber, dass der Blogbeitrag insgesamt wenig bis gar nix mit dem Buch zu tun hat, selbst wenn die zitierte Stelle einen ähnlichen Drive haben sollte. Mir kam’s vom Feel eher so vor wie die Off-Stimme aus Fight Club… Aber das ist ja auch eigentlich sehr sehr sehr bis völlig egal. (Warum fall’ ich bloß immer wieder auf sowas rein?)
Danke für diese Blogempfehlung. Sind wirklich sehr amüsante Texte dabei, da können sich einige Leute eine Scheibe von abschneiden also weiter so.