Spießer Alfons: Post an Wagner (25)
nachdem Ihr der Nation vor kurzem mitgeteilt habt, dass Ihr 80.000 Euro auf der Dresdner Bank gehortet habt, haben Millionen BILD-Leser sich vermutlich neidisch am Hinterkopf gekratzt. Dieses ahnend, preist Ihr nun die deutsche Tugend des Sparens.
„Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not!“, ist ein bekanntes Wort in Volkes Mund. Ihr jedoch spart nicht für die Not; Ihr wollt Eurer Enkelin Sicherheit geben. Darum verzichtet Ihr sogar auf ein neues Auto und teilt Euer Lesergemeinde damit indirekt mit, dass Euer Verlag Euch kein Dienstfahrzeug stellt und Ihr mit Eurem durchgerosteten Opel in die Redaktion tuckern müsst.![]()
Großer Meister der vereinfachten Feder, der Spießer saget Euch: Ihr lebt auf einem fremden Planeten! Dem Planeten “Single”. Dort sorgen die Menschen für sich selber. Im Gegensatz zum Planeten “Familie”, wo Millionen BILD-Leser wohnen, die für sich und ihre Angehörigen das tägliche Brot verdienen und kaufen müssen.
„Sparen“, so fabuliert Ihr, „heißt, auf das Glück zu sparen.“ Und genau das tun die Menschen auf dem Planeten “Familie”: Eure Leser sparen für eine neue Waschmaschine, ein gebrauchtes Auto, einen Flachbildschirm. Und bleibt noch etwas Geld übrig, dann wird es für den Urlaub gespart. Und Ihr, Franz Josef Wagner, nennt die Einkäufe der BILD-Leser brutal:Â „Geld rausschmeißen“. (Was den Anzeigenleiter Eures Blattes sicherlich ganz besonders erfreut.)
Verehrter Gossen-Goethe, Ihr besitzt vermutlich alles auf Eurem Planeten “Single”. Ihr müsst weder auf eine neue Waschmaschine sparen noch für einen Single-Urlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel. Euer Lohn ist wahrscheinlich so hoch, dass es viel zuviel Geld ist für Euch allein. Und deshalb zweigt Ihr etwas ab für die Zukunft Eurer Enkelin. Wie herzig.
Dem Spießer kommen fast die Tränen. Nach seiner Schätzung könnt Ihr, der Asket und Konsum-Muffel, bequem Monat für Monat — trotz Spitzensteuersatz —Â 3.000 Euro auf die hohe Kante legen. Für Eure Enkelin. Macht per anno 36.000 Euronen. Mit Zins und Zinseszins ist das in 10 Jahren eine stattliche Villa, die Ihr da vom Munde abgespart habt. Für Eure Enkelin, das Glückskind.
In Eurer Kindheit, so behauptet Ihr in der Euch angeborenen Pauschalität, waren Menschen, die Schulden machten, „entweder Alkoholiker oder Bordellbesucher.“
Sagt mal, wo seid Ihr eigentlich aufgewachsen?! In des Spießers Kindheit, die Eurer gleichkommt, waren Menschen, die Schulden machten, brave Hausfrauen. Die ließen beim Kaufmann am Ende des Monats „anschreiben“, weil das Haushaltsgeld nicht über die volle Distanz gereicht hat. Da war mit Sparen absolut nichts drin, da ging es ums Überleben. Genau wie heute bei Millionen Menschen, die von der Hand in den Mund leben und rote Zahlen auf dem Giro haben.
Spießer Alfons denkt, dass Ihr Eure heutige Kolumne in der BILD-Zeitung nur versehentlich veröffentlicht habt. Das Manuskript sollte doch für irgendein Geld-Anleger-Magazin sein, stimmt’s..?
Schmerzlichst,
Euer
Spießer Alfons












Besonders schmerzlich ist die Passage <>. Das mag sein, aber es kommt sicher nicht vom Wort “sparen”…
Laut Wikipedia:
“Der Name ist ein Akronym vom niederländischen Motto „Door Eendrachtig Samenwerken Profiteren Allen Regelmatig“ (dt.: Durch einträchtiges Zusammenwirken profitieren alle gleichermaßen) auf „De Spar“ (die Tanne).”
Hoppla, da ist mir die Passage flöten gegangen…
Gemeint war: Nicht umsonst hieß ein Supermarkt “Spar”.