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Spießer Alfons: Wer möchte einen Kaktus besitzen…?

19. Januar 2009
von

IWCbesitzen.jpgIn der von Alfons oft gelobten IWC-Kampagne findet der Spießer heute ein falsches Wort, womit die Uhr nicht richtig tickt. Der Texter schreibt nämlich: „Die Portugieser Handaufzug. Wie das Original von 1939, das Sie nur nicht besitzen, weil die Seefahrt nicht die einzige grosse (richtig: große) Liebe Ihres Grossvaters (richtig: Großvaters) war.“

Das falsche Wort ist „besitzen“. Wer der Meinung ist, dass man eine Uhr „besitzen“ sollte, der kennt nicht den Unterschied zwischen „haben“ und „besitzen“. Oder er glaubt tatsächlich, dass die Uhr genauso für’n Arsch ist wie ein Stuhl.

Das Wort „besitzen“ stammt aus der Reiterzeit, als man sich noch mit einer Pferdestärke bewegt hat, indem man einen Gaul besaß. Also mit dem Gesäß drauf gesessen hat wie später auf dem Grundbesitz.

Einen Stuhl, den wir haben, können wir auch besitzen. Wer aber Kinder hat, sollte sie nicht besitzen, da sie womöglich erdrückt werden von der elterlichen Last.

Man kann die Frechheit besitzen, keinen Anstand oder die Unverfrorenheit. Weil mit solchem Besitz ein andauernder Zustand beschrieben wird. Wohingegen man etwas Einmaliges, Zufälliges oder Vorübergehendes normalerweise nicht dauerhaft besitzt. Folglich hat man es. Oder man kaktusbesitz.jpghat es nicht. Wie zum Beispiel die besagte Uhr, die kein vernünftiger Mensch besitzen würde.

Wer das nicht weiß, der kann sich trösten: Die Duden-Redaktion weiß es genau so wenig. Dort besitzt man scheinbar Kakteen. Und deshalb dürfen wir Männer eine Frau besitzen, wenngleich die meisten von uns sich lieber von einer Frau besitzen lassen.

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Wer möchte einen Kaktus besitzen…? ”

  1. andreas gleim am 19. Januar 2009 um 19:31 Uhr

    Mit den beiden Doppel-S wollte uns der Texter zeigen, dass es sich bei der IWC um eine Schweizer Uhr handelt. Die schreiben nämlich so. Wenn ich mich nicht sehr irre.

  2. Spießer Alfons am 19. Januar 2009 um 20:31 Uhr

    @ andreas gleim

    Dann können wir ja heilfroh sein, dass es keine Uhr aus China ist!

  3. Ralf am 20. Januar 2009 um 02:54 Uhr

    1. Kleine Werbetexter und große Schriftsteller haben mit der Rechtschreibung oft so ihre Probleme, weshalb man ihnen aber keine Vorwürfe machen sollte. Dann schon eher dem Korrektor, der in der Regel aber schlecht bezahlt wird, weil er zwar toll Orthographie kann aber halt nicht texten. Zur Rache lässt er schonmal Fehler durch.

    2. Ist der Besitz von Cannabis illegal, bzw. kann, wer es besitzt, bestraft werden. Und das selbst dann, wenn er es nicht als Füllung für seinen Sattel oder seinen Autositz verwendet. Einen Rausch hingegen besitzt man nicht, den hat man.

    3. Seine tolle, wunderschöne IWC Uhr verursacht beim Schreiber dieser Zeilen gelegentlich Anfälle von “Besitzerstolz”, was darauf schließen lässt, dass er eine… naja, ist klar.

    Die Headline ist trotzdem nicht ganz so super, wie viele andere aus dieser Kampagne, weil sie etwas holpert. Musste sie zweimal lesen, um zu verstehen, was mir der Texter sagen wollte. Obwohl der Gedanke dahinter ganz witzig ist. “Hätte Opa nicht alles versetzt, gäbs heut ein hübsches Erbstück zu besitzen.”

  4. Tim am 20. Januar 2009 um 09:42 Uhr

    Als hätten Sie darauf gewartet schreibt Spiegel Online heute übrigens folgenden Satz “Unter den Befragten befanden sich 1534 Frauen, die einen Partner besaßen und Grundlage für die neue Orgasmus-Studie waren.”

    http://www.spiegel.de/wissensc.....87,00.html

    Aber wie der Spießer schon sagte: DAS würde ja theoretisch sogar gehen und ganz spaßig sein.

  5. Dom am 20. Januar 2009 um 12:15 Uhr

    Lieber Spießer, bei allem Respekt, echt jetzt: Du solltest in Betracht ziehen, Deine Kaffeemaschine mal wieder gründlich zu reinigen, wenn die Brühe schon derartige Wirkung auf die Synapsen zeigt ;)

  6. Spießer Alfons am 20. Januar 2009 um 13:19 Uhr

    @ Dom

    Und wenn ich Dir sage: “Ich besitze das Bett eines Fakirs” – was würdest Du daraus schließen:

    a) Ich habe so ein Bett?
    Oder
    b) Ich sitze auf so einem Bett?

    Nur eine Antwort ist richtig. Du kannst natürlich auch Deinen Joker setzen! ;)

  7. ramses101 am 20. Januar 2009 um 13:39 Uhr

    Sprache ändert sich, die Bedeutung von Wörtern ändert sich. Sollte es tatsächlich mal so gewesen sein, dass “besitzen” nicht synonym zu “haben” verwendet werden konnte (was durchaus sein kann, ich kenn die Etymologie des Wortes nicht), dann ist das mittlerweile überholt. Denn man möge mal in einer beliebigen Innenstadt 100 beliebige Muttersprachler fragen, ob man einen Tisch auch besitzen kann, wenn man vor ihm sitzt.

    Wobei das noch eine verhälnismäßig kleine Bedeutungsverschiebung ist.”Schlecht” bedeutet ja auch nicht mehr “gut” sondern im Gegenteil “übel”. Was sollen da die Fans des Wortes erst sagen?

  8. Spießer Alfons am 20. Januar 2009 um 13:50 Uhr

    @ ramses101

    Du darfst mir auch die Frage beantworten, die ich Dom gestellt habe!

    Zu den Fans des Wortes: Wenn etwas recht und schlecht ist, dann kann es durchaus noch gut sein. Und ein negativer Befund ist gar nicht negativ, sondern eher positiv! Was gut ist (für den Patienten) und schlecht (für den Arzt). ;)

  9. ramses101 am 20. Januar 2009 um 14:06 Uhr

    In dem Fall würde ich besitzen tatsächlich mit “befindet sich in meinem Besitz” gleich setzen. Natürlich gibt es immer wieder Doppeldeutigkeiten. Da würde ich dann im Zweifelsfall einfach antworten: Drück dich eindeutiger aus.

    Zu “recht und schlecht” – das klingt mir aber doch sehr veraltet. Vielleicht aus der Übergangszeit, als schlecht nicht mehr gut, sondern im neutralen Sinne wie schlicht, einfach gebraucht wurde. Heutzutage ist “schlecht” eben nur noch schlecht.

    Ob das jetzt positiv oder negativ ist, sei den Anhängern der verschiedenen Bedeutungen überlassen. Ich bin da neutral und würde auch über einen erneuten Wandel nicht schimpfen. Genauso wie ich über eine Rückkehr zur Eindeutigkeit von “besitzen” nicht böse wäre ;-)

  10. erbsenzähler am 20. Januar 2009 um 14:13 Uhr

    A) Die Headline holpert tatsächlich. Ein Wort mehr – “die Sie nur deshalb nicht besitzen, weil …” – würde helfen (und passen).
    B) Auch “entholpert” versteht man kaum, was gemeint ist.
    Insofern finde ich die Erbsenzählerei mit besitzen und haben überflüssig.

    Kleine Quizfrage: in welchen Häfen hätte Opa denn zwischen ’39 und ’45 seine IWC Portugieser versetzen können. Und in welchem dieser Häfen wäre ihm späteres Auslösen nicht mehr möglich gewesen?

    (Bevor der nächste Erbsenzähler kommt: Ja, er hätte sie auch 1962 in Bremen versetzen können …)

  11. Spießer Alfons am 20. Januar 2009 um 14:21 Uhr

    @ ramses101

    Dass “schlecht” mal “gut” war, ist mir schlechterdings nicht geläufig. “Schlecht” beruht zwar auf “geglättert” bzw. “schlicht”, was zwar gut sein kann, nicht aber muss.

    @ erbsenzähler

    Es war 1963, und zwar in Hamburg, als Opa über die Reeperbahn in die Große Freiheit getorkelt war! (Er kam damals übrigens zu spät an Bord, weil er keine Uhr mehr hatte!)

  12. Ralf am 20. Januar 2009 um 14:24 Uhr

    Dass aus Kaffemaschinen synaptisch extrem verwirrende Substanzen träufeln, ist jetzt sogar wissenschaftlich belegt. Angeblich ist das laut Spiegel auch der eigentliche Grund für die Wirtschaftskrise. Die waren nicht mehr im Besitz ihrer Sinne. http://www.spiegel.de/wirtscha.....97,00.html

    Frage: Wenn einer nicht mehr im Besitz seiner Sinne ist, ist sein Hintern dann sinnlos?

    Ich nehm dann noch einen. Ohne Milch.

  13. ramses101 am 20. Januar 2009 um 14:39 Uhr

    @Spießer:

    Schlecht bedeutete “glatt, gerade” etc. Im direkten Sinne: Schlechter Weg = guter Weg weil gerader Weg. Aber eben auch:

    herr gestern aufgericht und schlecht,
    hewt kranck und krump als ir mich secht.

    Letzteres habe ich übrigens aus dem grimmschen Wörterbuch, das ich zwar weder habe noch besitze. Dafür habe ich Internet und damit auch Zugang zum Wörterbuch. Und da wird meine These vom Bedeutungswandel des Wortes “besitzen” sogar schon angeführt, ich denke schon, dass er mittlerweile etwas weiter fortgeschritten sein dürfte. Siehe Punkt 5: “Der volksmäszige Sprachgebrauch …”

    http://tinyurl.com/besitzen

  14. Spießer Alfons am 20. Januar 2009 um 14:44 Uhr

    @ ramses101

    Danke für die sachdienliche Ausführung! Und ich bin froh, dass du kein Internet besitzt! ;-)

  15. Dom am 20. Januar 2009 um 15:50 Uhr

    @spießer: Du hast so ein Bett. (Aber Du sitzt bestimmt auch drauf ;) ) Im Gesetz ist “besitzen” ja als “im Besitz von etwas sein” definiert und nicht als “wo druffhocken”. (mit dem Unterschied zu “Eigentümer sein”, denn nur als Eigentümer gehört einem die Sache auch, ohne dass man sie tatsächlich besitzen muss.)
    Ich will ja kein Spielverderber sein, aber die Verbindung zwischen besitzen und drauf sitzen krieg ich echt nicht hin, sorry. Aber angenommen Du hast recht: Wenn Du jetzt z. B. auf die Rücknahme des Fakirbettes “bestehst” (weil es unbequem ist), wie stellst Du das denn an?

  16. Spießer Alfons am 20. Januar 2009 um 16:16 Uhr

    @ Dom
    Ich kann nicht auf eine Rücknahme bestehen, weil ich gar keins habe, sondern es nur besitze. ;)

    “Bestehen” kann man kein Bett, sondern nur erstehen. Auf die Rücknahme kann man dagegen bestehen, wenn man es erstanden hat.

  17. Tess am 26. Januar 2009 um 13:31 Uhr

    Also ich kann mich auch an meine Vorlesung in Recht und die Sache mit dem Besitzen einer Sache erinnern.
    Anders der Hausbesetzer, der das Haus besetzt, wahrscheinlich auch besitzt (zumindest in den Spießers Auslegung des Wortes) aber nicht besitzt im Sinne von es haben.
    Außerdem gibt es noch das “Ersitzen” einer Sache, wo aus Besitz Eigentum werden kann, wenn mans nur lang genug ersessen (besessen, gehabt) hat…

    Ach ja… die Wirrungen der deutschen Sprache…

ivw