Die Vereidigung von Barack Obama und der vernetzte Mensch
Die Vereidigung von Barack Obama wird vielleicht einmal den Beginn einer neuen Epoche im Web kennzeichnen. Zunächst aber war es eine große Party im Web. Ein digitales Festival. Woodstock 2.0. Twitter, Flickr, Livestream bei Facebook, undundund. In vielen Onlinemedien war es auch eine Verknüpfung von alten Medien und neuer Web-Welt und markierte in der Verknüpfung von neuen Diensten in den eigenen Auftritt und die Durchlässigkeit der Informationmenge einen Meilenstein. (Beispielhaft: Die Kooperation von CNN und Facebook) Meine Wahrnehmungsfähigkeit kollabierte da beinahe unter der Obamania des digitalen Input. Das Multitasking ließ zwischendurch den inneren Fail Whale aufploppen. Aber ich saß auch im Zug, nicht im Büro.
Unter dem Eindruck des selbst mitangestachelten Obama-Hype bis hin zum Obamicon Me umarmte sich die Web-Welt virtuell. Lachte, weinte, träumte unter der wärmenden Wortwolke. Die digital Natives im virtuellen Klammer-Blues. Ja, es war globale Party-Time. “I can feel the Planet dancing under my feets” twittert PickHH treffend.
Es war und ist auch heute noch ein Feuerwerk der Gespräche: Allein beim Facebook-Feed von CNN kommentierten zeitweilig pro Minute 3.000 Menschen und mehr. Ein neues Gemeinschaftsgefühl. Das neue Woodstock. Love, Peace und Participation.
Das White House bekommt einen neuen Mieter und einen neuen transparenten und dialogorientierten Blog, Obama macht Hoffnung und die Bewohner des Web befeuern sich gegenseitig mit dieser Hoffnung.
Es kann, wie zur Woodstock-Zeit als die Bands nicht für Love sondern Cash antraten, die Hippie-Kultur schon längst kommerzialisiert war, eine trügerische Hoffnung sein. Der Ausverkauf von Obama zur multifunktionalen Pop-Figur, zum Instrument der Werbung beginnt schon jetzt mit großem Hooray. Im politischen Alltag wird dann, man muss er wohl fürchten, auch der psychologische Pathos-Bonus geschliffen, während die Märkte von Obama lernen, ein trügerisches Gefühl der Gemeinschaft zum Absatzinstrument umzustilisieren, der Pathos der Gemeinschaft im Dienst der Marke vorzugaukeln. Anschließend wird die scheinbare webzwonulliger Partizipation womöglich als politischer Tranquillizer verabreicht. Was umso leichter fällt, desto mehr jeder im Web nur frivol sein Selbst feiern will.

(Wortwolke der Rede von Barack Obama, die Thomas Hawk mittels Wordle erstellte.)
Es kann aber auch ein Tag des Wandels sei, einer der Hoffnung weckt, wenn dieses Gemeinschaftsgefühl denn umgesetzt wird, Ziele und Aktionen entwickelt und ebenso wie bei der Bildung neuer Hashtags bei Twitter einen gruppendynamischen Wertewandel der “Generation We” vorantreibt, der nicht nur auf rhetorische Meisterleistungen an kalten Washingtoner Januartagen vertraut.
Denn der vernetzte Mensch weiß nicht nur mehr, er kann auch mehr.
Wenigstens heute ist also ein guter Tag für Optimismus und Schillers Hoffnung:
Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
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Manchmal muss man nicht wissen, nur fühlen und dann weiss man alles. Wie der Wandel aussieht, ist da fast schon egal. Jede Richtung ins hier und jetzt ist eine Gute.
Wer braucht denn diese internetzige vertwitterte Rundumversorgung – außer Newsjunkies mit Konzentrationsstörungen? Die Mehrheit schaut es doch schlicht völlig passiv live, guckt im Heute-Journal nochmal nach und klickt sich vielleicht durch ein paar Bilder. Den Wunsch nach Aktivität der Masse vor dem Lagerfeuer sollte man angesichts der eigenen Begeisterung nicht überbewerten.