Spießer Alfons: Michael Schumacher — ein zweifelhaftes Vorbild
Ein Mann erblickt das Licht der Welt als Sohn eines Kaminbauers in Deutschland. Genauer: Nordrhein-Westfalen. Der Mann genießt die sozialen Einrichtungen unseres Landes in Schule und Ausbildung. Schon früh interessiert er sich für Autorennen und startet als Kartbahn-Rennfahrer.
Um es kurz zu machen: Der Mann wird im Laufe der Jahre ein erfolgreicher Formel-I-Fahrer. Er verlässt Deutschland wegen der Steuer des schlechten Wetters und zieht in die Schweiz. Und dort arbeitet er für den italienischen Autobauer Ferrari und damit gegen die Interessen der deutschen Automobilwirtschaft, soweit die am Formel-I-Zirkus beteiligt ist. Als lebende Litfaßsäule wirbt der Sportler Autorennfahrer für das Rauchen von Zigaretten (Marlboro). Einen kleinen Teil der hinterzogenen gesparten Steuern spendet der Formel-I-Pilot für wohltätige Zwecke, um sich auf diese Weise ein Gut-Mensch-Image zu kaufen, was für Werbeverträge in Deutschland wichtig ist. Und sein ruppiger Stil als Rennfahrer hat ihm nicht nur Freunde gemacht.
Der Mann hat seine Rennfahrer-Karriere inzwischen beendet, zog aber nicht wieder nach Deutschland zurück. Sein privates Vermögen wird auf 800 bis 900 Mio. Franken geschätzt (Quelle: Wikipedia). Damit ist gilt er als einer der reichsten Schweizer Einwohner.
Frage: Ist der berufliche und private Werdegang dieses Mannes beispielgebend, um als Botschafter für die Schweiz bzw. Italien Deutschland, bzw. NRW zu werben? Damit andere Unternehmer es genauso machen wie er: Groß werden mit Unterstützung des Staates, und abhauen, wenn der Rubel rollt und dem Heimatland den Anteil am Erfolg zu hinterziehen…?
Scholz & Friends meint: Ja. Und die Werber holten den Mann, der im Kreisverkehr reich und berühmt geworden ist, für eine NRW-Kampagne: Michael Schumacher. Infos über die Werbekampagne, wo der Ex-Rennfahrer gratis mitfährt, bekommt Ihr bei HORIZONT.NET.












Bei allem Respekt vor der sportlichen Lebensleistung des “Kerpeners”: Als Werbeträger für NRW/Deutschland finde ich ihn ziemlich panne – aus den vom Spießer schon dargelegten Gründen. OK, Schumi kauft dem Vernehmen nach in Südbaden noch Marmelade ein (weil günstiger als in der sauteuren Schweiz), aber darüber hinaus vermag ich kaum nennenswertes Engagement für den Standort Deutschland oder sein Bundesland zu erkennen.
Und was ist die große neue Herausforderung dabei, sich ohne Helm auf ein Motorrad zu setzen? Auch nicht gerade das, was man von einem Vorbild für die Jugend sehen möchte.
Als gestern der Horizont Newsticker kam, dachte ich spontan an den Spießer. Ja, der Schumacher… Stimme Spießer voll und ganz zu.
Solange wir uns unsere Ersatzadeligen halten und die Menschen auf Gala, Bunte und BLÖD abfahren, bekommen wir genau die Vorbilder, die dazu passen.
Außerdem habe ich gerade irgendwo gelesen, dass Steuerhinterziehung Volkssport ist*; die Zumwinkels, Beckenbauers und Schumachers dieser kleinen deutschen Welt beweisen auch noch den Herrenreiter-Status dieses Vergehens an der Gesellschaft. Wie Herr Z. von P. meinte, er hätte doch so viel für dieses Land geschaffen.
Wenn der Kleinbürger zum Kavalier wird …
*Was vermutlich weniger mit unserem Steuersystem zu tun hat, als Politiker gerne verbreiten.
Wenn Schumi in Nordrhein-Westfalen zur Schule gegangen ist, hat er vermutlich – im Gegensatz zum Spießer – auch gelernt, wie man dieses Bundesland richtig buchstabiert und sich alleine dadurch schon als Werbeträger qualifiziert.
@ HD Weber
Danke schön für den liebenswürdigen Hinweis! Es liegt entweder daran, dass ich nicht in Nordrhein-Westfalen zur Schule gegangen bin oder daran, dass es gestern Nacht ziemlich spät gewesen ist, als ich den Beitrag geschrieben habe. Auf jeden Fall habe ich’s nun korrigiert.
was ist das? sozialneid? gelder sammeln für die winterhilfe?
seit wann bleibt man ein leben lang dem staat/ bundesland verpflichtet, aus dem man zufälligerweise abstammt? ich dachte, die leibeigenschaft ist abgeschafft?! was die staatlichen ausbildungsleistungen betrifft, das fällt in einem modernen staat unter die kategorie menschenrechte. schumacher hätte schließlich auch mit 30. oder 300.000 € auf der hohen kante in der formel 3 stranden können – oder mit nichts. das er dank talent und glücklicher umstände supererfolgreich war, verpflichtet ihn in keinster weise zwang, in deutschland zu bleiben und hier weiter zb in ein ungerechtes/ teils menschenunwürdiges und obendrein ineffizientes zweiklassengesundheitssystem einzuzahlen. auch arme menschen wandern aus unserem “tollen” reichen land aus, aus was für gründen auch immer. privatsache. punkt. der rest ist boulevard. nach deiner logik müssten auch die ärmeren ausgewanderten weiterhin für den super deutschen staat sorgen. geht’s noch?
was die kampagne betrifft, immerhin ist dein artikel ein spiegel der befindlichkeit eines gewissen teils der bevölkerung. aber vielleicht bist du auch einfach nicht zielgruppe…
Zumwinkel (= illegale Steuerhinterziehung) kommt vor Gericht und ist eine Schande für unser Land.
Schumacher (= legale Steuerhinterziehung) kommt in die Werbung und ist ein Vorbild für unser Land.
Und ich? Ich lach mich schlapp.
@ Zuckermann – du scheinst mir etwas verwirrt zu sein …?
wenn wir es mit dem stil von zuckermann tun würden dann sähe es aber ziemlich arm aus in deutschland. es ist nicht von der hand zu weisen dass wir mit unserem sozialsystem und solchen vorbildern ziemlich schnell die karre vor die wand fahren. das hat nichts mit sozialneid oder leibeigenschaft zu tun sondern mit sozialem gewissen welches (hoffentlich) einige in deutschland noch besitzen. wenn schumi mit nichts in der formel 3 gelandet wäre, oder schlimmer nirgendwo, hätte ihn das system in deutschland (etwas) aufgefangen. genauso geht es doch mit den “jedermann” auswanderen die zum teil gescheitert zurück kommen und vom system aufgefangen werden.
die betrachtung des spießers spiegelt sicherlich die mehrheit
der bevölkerung, so jedenfalls meine erfahrung.
Wenn Schumi dafür, wie man hört, kein Geld bekommen hat, finde ich es ok, sonst nicht. Und wie man hört lebt er zwar privat in der Schweiz, versteuert aber alle Merchandising-Einnahmen brav in Deutschland.
@ hm
Hast Du seine Einkommensteuererklärung gesehen? Dass er Merchandising-Einnahmen, sprich: Peanuts, “brav” ( brav? Ich schmeiß mich weg!) in Deutschland versteuert, ist aber logisch, weil er diese Kohle in Deutschland kassiert. So kann er seine Spendengelder bequem davon abziehen, die ihm in der Schweiz vermutlich weniger nützen.
ich verbinde mit ihm eine spannende jugend. punkt.
@ Meister Mochi
Und ich verbinde mit Zumwinkel viele schöne Bahnreisen. Fragezeichen.
Leute, es geht doch bei dieser Kampagne nicht darum, OB Schumi Werbung macht, sondern WOFÜR!
Natürlich ist es seine Privatsache, wo er lebt und wo er Steuern zahlt – aber ich kann ihn doch als international anerkannten Steuerflüchtling und Wahlschweizer nicht als Testimonial für eine Kampagne engagieren, die Investoren nach NRW locken will!!
@textmaschine das ist genau der punkt. mich würde jetzt mal der research dazu interesiieren, wie die wahrnehmung von schumacher “da draussen” wirklich ist. und dann kann man angemessen über diese frage entscheiden.
mein comment richtet sich (in obigem sinne off-topic, ebenso, wie dann der original post an der werblich interessanten fragestellung vorbeigeht) auch nur gegen dieses komisch moralische klima, das in diesem post durchscheint, eine mischung aus halbwahrheiten (steuerflüchtling), boulevard-infos und imho vollkommen unangebrachtem sozialneid.
@ kowalski wahrscheinlich hat schumacher sein meistes geld auf internationalem circuit verdient, nicht in deutschland! deswegen kann hier überhaupt nicht von steuerhinterziehung à la zumwinkel gesprochen werden. aber das ist dann schon wieder halbinfo…
@ Zuckermann
Viele deutsche Unternehmer verdienen ihr Geld international – versteuern aber in Deutschland. Dass Schumacher ein Steuerflüchtling ist, steht ja wohl außer Frage. Und dass er deshalb kein Botschafter für Investitionen in NRW sein kann, ist ja wohl außerhalb jeder ernsthaften Diskussion. Aber Bildzeitung hat “unseren Schumi” deswegen zum “Gewinner” ausgerufen. Und Bild hat wie immer Recht.
Man kann über Michael Schumacher denken, wie man will. Ihn als Repräsentanten für NRW in die Werbung zu stellen, ist eine absolute Lachnummer. Als nächstes steht Boris Becker als Testimonial in der Werbung des Bundesfamilienministerums für Familienplanung.
Aggressive Methoden gegen Internetforen
Wie aus vielen Internet- sowie Printmedien zu entnehmen war, startete Mick Schumacher, Spross des siebenfachen Formel 1- Weltmeisters Michael, seine ersten Runden mit einem Kart. Natürlich weckte dies nach bekanntwerden viel Interesse bei Rennsportfans. Auch in zahlreichen Disskussions- und Fachforen kam das Thema auf. Es wurde darüber spekuliert, ob da ein neuer Champion heranwächst. Man geht eigentlich davon aus, das dies in anbetracht seines berühmten Vaters ein legaler Gedankengang ist. Immerhin muss man als Person, welche durch den Rennsport bekannt und vorallem steinreich geworden ist, mit öffentlichem Interesse rechnen.
Die bittere Pille für die Betreiber dieser Foren kam aber schnell: Michael Schumacher wollte mit allen Mitteln verhindern, dass der Name seines Sohnes weder im Internet noch in anderen Medien auftaucht. Kurzerhand beauftragte er seine Anwälte damit, alle “fehlbaren” Betreiber und Herausgeber anzuschreiben und ihnen mit einstweiligen Verfügungen zu drohen, wenn diese “ihre” Beiträge nicht sofort wieder löschen.
Pech für gewisse Betreiber, dass sie genau während dieser Frist im Urlaub waren. Denn wie man es von Herrn Schumacher kennt, geht es in kurzer Zeit um viel Geld. Da macht er auch bei privaten Forenbetreibern, deren User eigentlich nur ein Thema aus der Weltpresse aufgriffen, keine Ausnahme.
Heute sind bereits Fälle bekannt, die vor Gericht ihren weiteren Lauf nehmen. Es geht dabei sogar um die Existenz von ganzen Familien.
Die Frage, ob denn Herr Schumacher auf dieses Geld angewiesen ist, darf in der Zeit der Wirtschaftskrise natürlich gestellt werden. Denn sein neues Anwesen am Lac Leman muss ja irgendwie finanziert werden.