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Das Gefängnis Zeitung

28. Januar 2009
von

Manchmal glaube ich, dass viele Blattmacher eine Zeitung immer noch als Informationsknast verstehen. Damit lassen sie sich etliche Chancen entgehen. Dafür genügt ein beliebiger Blick in die heutige FAZ. Nur so als ein Beispiel von vielen. Es könnten auch etliche andere Blätter sein.  Bei vielen wird Zeitung immer noch so gemacht, als wäre die Printburg durch einen großen Graben vom Internet getrennt. Nur selten wird die Zugbrücke heruntergelassen.

Als willkürliches Beispiel sei die heutige Filmkritik zu “Der seltsame Fall des Benjamin Button“ im Blatt herausgepickt. Warum, so frage ich mich, findet sich dort kein Link auf das Internetangebot? Denn dort gibt es neben dem Artikel einige ergänzende Filmschnipsel. Wäre doch ein netter Zusatzservice für den Leser.

Direkte Verweise auf das Webangebot haben Seltenheitswert. Dabei dürfte der eine oder andere Printleser den Hinweis auf ergänzende Bilderstrecken , Charts, Kommentare und Blogbeiträge sowie die Möglichkeit zur Debatte zum Thema im Web durchaus goutieren.
“Ladet eure Leser ins Web ein”, möchte man den Blattmachern zurufen. Sie werden ihre Leser deswegen nicht gleich verlieren. Aber sie können die Reichweite des Webangebots auf diese Weise leicht steigern und somit ihre Argumente für die Werbekunden verbessern. Wer seine Leser so zuvorkommend bedient, der stärkt obendrein auch die klassische Printmarke. Lesertreue.

Dass solche Einladungen nicht gänzlich unmöglich sind, zeigt auch die “FAZ” mit ihrem Stück zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos, das auf weitere Texte im Web verweist.
Weitaus offensiver geht längst die “Welt” mit ihren Einladungen um, die gefühlt jeden dritten Artikel mit einem farblich unterlegten Hinweis Richtung Internet versieht.

Warum nur Verweise auf eigenen Content? Wo bleiben Hinweise auf schlaue oder spannende Beiträge an anderen Stellen im Web. Auch das macht Leser zufriedener. Und zufriedene Leser kommen zurück. (Es muss ja nicht gleich ein Verweis auf den direkten Mitbewerber sein.)

times_ny1.jpgUm einmal ein anderes Bild zu bemühen: Ein selbstbewusster Gastronom wird seinen Gästen immer auch einen anderen guten Koch empfehlen, so er nicht genau die gleiche Soße bietet. Printmedien aber sehen ihre Leser weniger als Gäste, sonder eher als jemanden hinter dem man die Tür abschließt, damit er nicht mehr rauskommt.

Und was für Print gilt, gilt erst recht für das Internet.  Nicht versteckt zwischen Quiz- und Bilderstrecken-Teasern am Rand, sondern mitten im redaktionellen Kern zeigt die New York Times in der Extra-Variante der Online-Ausgabe auffällig grün unterlegt Verweise zum Thema in anderen Medien.

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Kommentare zu “ Das Gefängnis Zeitung ”

  1. Oliver am 28. Januar 2009 um 13:54 Uhr

    Hmm,

    wer tippt den Links aus Zeitungen ab? Wer die Zeitung liest ist wohl nicht aktiv im Web, sonst würde er die Zeitung ja nicht lesen? Gibt doch kaum noch etwas, was man nicht Online besser nachlesen kann. Schon das Format und damit Handling einer Zeitung ist doch einfach grauenhaft. Und dann blassschwarz auf schgmutziggrau in Minischrift, nenene… Tiefstes Mittelalter ;)

    Also, ich kann das voll nachvollziehen, dass man seine letzten paar Print-Leser nicht auch noch zeigen will, dass es eine bessere Alternative gibt…

    - Oliver

  2. OlafKolbrueck am 28. Januar 2009 um 14:33 Uhr

    Zum einen ist ja schon die Darstellung selbst eines “nice to have”-Serviceelementes ein Pluspunkt im Augen der Leser. Selbst wenn er es dann nicht nutzt.
    Und natürlich gibt es Leser die Links abtippen. Das sind womöglich jene, die komplette Adresszeilen bei Google eingeben. ;-)

  3. Andreas am 28. Januar 2009 um 18:06 Uhr

    Hilfreicher Gedanke, nur: Redakteure sind halt meistens selbst auch nur Knastbrüder. Beispiel aus eigenem Betätigungsfeld: Alle Medien (print und online) berichten vorab über Fußballereignisse (Bundesliga, Champions League etc.), aber keiner sagt, wo ein angekündigtes Spiel live zu sehen ist. Wieso? Weil alle (Online-)Medien — wenn überhaupt — nur auf die eigene (werbefinanzierte) Live-Ticker-Seite verweisen, obwohl das Match vielleicht im Free-TV, also bewegt und in Farbe, oder im Radio läuft. Da ist selbst der Weg von ARD zu ZDF mitunter ein sehr, sehr weiter für den Leser. Dabei kann Mehrwert so einfach sein. Es gab mal eine Zeit, da lieferte Print in der Kleinstrubrik “Sport live im Fernsehen” diesen Service. Die sucht man heute oft vergeblich. Und wenn man sie findet, dann meist unvollständig. Manchmal ist der “Verweis auf den direkten Mitbewerber” vielleicht doch genau der Richtige. Denn ich bezweifle, dass Information, Vertrauen und Leserbindung heute noch in gleicher Weise miteinander in Bezug stehen als noch vor dem digitalen Zeitalter.

  4. OlafKolbrueck am 28. Januar 2009 um 19:02 Uhr

    @andreas Dunkel erinnere ich mich sogar noch an Zeiten als ARD/ZDF frunlich auf Sportübertragungen bei den Kollegen ARD bzw ZDF hinwiesen.

  5. Biesen am 28. Januar 2009 um 21:29 Uhr

    ich findes es grauenhaft news anstatt in der zeitung auf einer website zu lesen. man kommt aber nicht mehr daran vorbei. trotzdem geniesse ich die wochenend ausgabe meiner zeitung am frühstückstisch jedes wochenende.

  6. Sascha am 29. Januar 2009 um 09:57 Uhr

    Links are the solvent for knowledge – David Weinberger

    Mensch was wuerde ich mich freuen, wenn sich das mal ein paar Journalisten der klassischen Medien hinter die Ohren schreiben. So funktioniert das Internet. Man linkt auf seine Quellen und das immer. (Selbstverstaendlich spreche ich nur von den Online-Angeboten der Angesprochenen).

    Richtig bitter was da ablaeuft, wenn Du dutzendfach deine News einige Tage spaeter irgendwo siehst (und vor allen Dingen weisst, dass die ganzen “Kollegen” mitlesen), mit nem Verweis auf irgendeine andere englische Seite, die dann wieder auf mich zuruecklinkte.

    Mein Content, Links, traffic, vernetzung… das bezahlt mir meine Rechnungen und deshalb bin ich darauf angewiesen.

    Egal welche Artikel ich zu diesem Thema schreibe, nie, nicht einmal meldete sich in den Kommentaren einer der Angesprochenen. Aber sobald ich mal wieder einen Experten anzaehle geht das Geschreie los. Man haut keine Kollegen in die Pfanne, Berufsethos, bla bla bla

    http://www.netbooknews.de/1134.....ooks-omfg/

    Was ist hier los in Deutschland? Ist es verkehrt offen und und direkt Falschaussagen, ja totalen Bloedsinn anzusprechen? Das wurde ja nicht auf irgendeiner Schuelerzeitung veroeffentlicht.

    Wie ich schon sagte, jetzt wird gejammert und die moralische Keule rausgeholt.

    Rueckstaendig!

  7. Maximilian am 4. Februar 2009 um 13:05 Uhr

    Ich denke der eingeschlagene Weg auf BILD.de ist ein guter Ansatz, hier wird aus vielen Artikeln auf andere Seiten verlinkt, aus dem Text heraus oder als Empfehlung am Ende des Artikels. Auch Blogs werden nun systematisch empfohlen (siehe dazu: http://www.bild.de/BILD/digita.....ogger.html und http://www.seo-united.de/blog/.....klinks.htm)

  8. Andre am 27. September 2009 um 16:04 Uhr

    Heutzutage gibt es nichts, was es nicht gibt…

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