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Spießer Alfons: Post an Wagner (27)

2. Februar 2009
von

Dz.jpgLieber Gossen-Goethe,

heute habt Ihr ein neues Bravourstück auf den Boulevard geschrieben. Es handelt vom Glück und ist gerichtet an den lieben Lotto-Glückspilz, dem Ihr versichert: „Das Leben ist kein Spiel. Es ist zu ernst. Das Leben ist keine zufällige Zahlenkombination.“

Der oder die Lotto-Gewinner werden das freilich anders sehen, wenn sie ihren Kontostand betrachten.

Und Ihr, Dichter von Herz und Schmerz, fahrt fort in Eurem philosophischen Gedankengang: „Das Glück des Lebens ist Arbeit. Man mussWagner_Gl__ckspilz.jpg aufstehen, zur Arbeit fahren, sich anpassen. Man ist als Mensch Lichtjahre vom Glück entfernt. Man malocht, die Kinder weinen.“ So, wie Ihr, Euer Merkwürden, Euch anpassen müsst und malocht und Euer Weib küsst, von dem Ihr Lichtjahre entfernt seid. Bei diesen Euren Worten, Goethe der Gosse, da weinen nicht die Kinder, da lachen die Hühner.

Und warum hat Euer Blatt, die BILD-Zeitung, seine Leser gerade noch aufgefordert, anzurufen, um am Glück der Zahlen teilzunehmen? Jede Stunde hat BILD zehn „Super-Systemscheine“ verlost. Und für jeden Anruf mussten die Leute einen halben Euro löhnen, für den sie gearbeitet haben, früh (!) aufgestanden sind und sich angepasst haben bei ihrer Maloche. Statt dass sie ihrer Frau einen Blumenstrauß gekauft haben oder den Kindern ein paar Überraschungseier, da haben die Menschen Eurer Redaktion vertraut, auf ihr Glück gehofft und vermutlich viele Male vergeblich angerufen, die Unglücksraben.

Ein Glückspilz stand bei dieser Werbung Aktion fest: BILD.

Magath.jpgÜbrigens: Auf der Titelseite Eures Blattes sehen wir heute Felix Magath (55) als „Gewinner“. Hat der Wolfsburger Trainer vielleicht im Lotto gewonnen, um ein Gewinner zu sein? Mitnichten. Sondern im Gegenteil: Felix Magath, der „Gewinner“, ist ein Verlierer: 10.000 Euro soll er zahlen wegen Schiedsrichter-Beleidigung — siehe die Abbildung!

Und nun setzt BILD den DFB öffentlich unter Druck: Darf Magath seine Strafe nicht an die BILD-Aktion „Ein Herz für Kinder“ zahlen, dann ist der DFB ein sehr, sehr böser Verein. Und bestimmt wird er dann morgen von BILD als „Verlierer“ vorgeführt. Darum fühlt sich der DFB natürlich genötigt, ein Herz für Kinder zu zeigen, weshalb man auch von Nötigung sprechen könnte.

Fazit: Geld ist der Schlüssel zum Glück, verehrter Gossen-Goethe. Weil man mit Geld auch anderen Menschen etwas Gutes tun kann. Noch nie daran gedacht…?

Schmerzlichst
Euer
Spießer Alfons

PS: Solltet Ihr mit Eurer heutigen Kolumne lediglich Euren Frust abgebaut haben und die BILD-Leser trösten wollen, weil alle, die einen Super-Systemschein gewonnen haben, genauso leer ausgegangen sind wie Ihr mit Eurem Lotto-Normalschein, dann kann der Spießer es Euch gut nachfühlen, dass Ihr gestern einen schweren Kopf gehabt habt beim Niederschreiben von Prost Post von Wagner!

Kopf hoch, großer Dichterfürst, die glückliche Maloche geht weiter!

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Kommentar zu “ Spießer Alfons: Post an Wagner (27) ”

  1. DieJo am 9. Februar 2009 um 01:45 Uhr

    Wie immer herzerfrischend. Bitte mehr :)

ivw