Bahn auf Kollisionskurs mit Blogger wegen Memo zur Rasterfahndung
Gerade erst hat sich Bahnchef Hartmut Mehdorn bei den Mitarbeitern wg. übereifrigem Datenabgleich entschuldigt. Vielleicht wird er sich demnächst auch bei einem Blogger entschuldigen. Denn die Bahn fährt derzeit mit Tunnelblick juristisches Geschütz gegen den Blogger von Netzpolitik.org auf.
Was ist passiert?
Die Deutsche Bahn AG hat Blogger Markus Beckedahl eine Abmahnung geschickt. Anlass ist die Veröffentlichung eines internen Memo zur Mitarbeiter-Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn, das er im Blog veröffentlichte. Nun fordert die Bahn eine Unterlassungserklärung. Beckedahl veröffentlicht das Schreiben im Blog und bittet Mitleser um Rat.
Die reagieren prompt, verbreiten ihre Empörung via Twitter, geben in den Kommentare Hinweise und empören sich dort und in eigenen Blogs.
Ein neuerlicher Imageschaden für die Bahn, der allerdings angesichts der jüngsten Attacken gegen die Bahn wahrscheinlich schon nicht mehr weiter auffällt.
Dennoch: Die Bahn zeigt, dass auch sie die Solidaritätseffekte in der Bloggerwelt nicht einschätzen kann oder gar nicht kennt. Denn Blogger reagieren auf Verbote und juristische Knüppel mehr als allergisch und können sich schnell zu einer Gegenbewegung formieren.
Der Fall zeigt auch abermals, dass die Bahn keinen Sinn für den Umgang mit der Öffentlichkeit hat und erst recht keinen Sinn für den zwischenmenschlichen Umgang.
Ein klärender Anruf, ein offenes, höfliches Gespräch im Vorfeld hätte die nun auftauchenden Irritationen und bevorstehendes negatives Google-Karma möglicherweise vermeiden können.
Vor allem aber bekommt das mehr als detaillierte Memo zur Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn nun genau die Aufmerksamkeit, die die Bahn vermeiden wollte. Ein klassisches Eigentor.
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Die Rumpelstilzchen von der Bahn werden nie lernen, mit der Öffentlichkeit umzugehen. Mehdorn ist das Image wohl auch gleichgültig. Solange er die Rückendeckung der Kanzlerin besitzt und aus Opportunitätsgründen nicht aufs Abstellgleis gestellt werden kann. Die Sau, die da durch Klein-Bloggersdorf getrieben wird, tangiert die Bahn deshalb auch nur wenig.
Die Bahn ist das typische Beispiel für die absolut nicht zeitgemäße PR-Arbeit vieler großer Unternehmen! Sie haben einfach den Zug ins Web 2.0 Zeitalter verpasst und arbeiten mit mittelalterlichen Methoden der Unternehmenskommunikation.
Sowas kann auf Dauer nicht funktionieren – traurig, dass sich viele PR-Chefs darüber noch nicht bewusst sind.
Es betrifft nicht nur die Bahn – alle Unternehmen werden lernen müssen, welche Kraft vom Konsumenten ausgeht via Blog. Kommunikation ist keine Einbahnstraße mehr.