Abmahnung gegen Blogger: Deutsche Bahn AG gibt auf
Die Deutsche Bahn AG packt die juristische Keule gegen Netzpolitik.org und Blogger Markus Beckedahl wieder ein und leistet sich gleich einen neuerlichen Fauxpax.
Die gute Nachricht für Beckedahl. Die Bahn unternimmt keine weiteren juristischen Schritte gegen Netzpolitik.org. Die Bahn hatte Blogger Markus Beckedahl eine Abmahnung geschickt, nachdem dieser ein internes Memo zur Mitarbeiter-Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn im Blog veröffentlicht hatte. Die Bahn forderte eine Unterlassungserklärung und berief sich dabei auf den §17 UWG und den Verrat von Geschäftsgeheimnissen. Beckedahl veröffentlicht das Schreiben im Blog.
Die Folge war eine gigantische Welle der Solidarisierung im Web. Streisand-Effekt nennt man das. Etliche Blogs aber auch klassische Medien berichteten über den Kampf David gegen Goliath. Zwischenzeitlich gründete sich bei Facebook sogar eine Gruppe “Mehdorn muss weg“. Bündnis 90/Die Grünen “spiegelten” zudem das Memo, das die Bahn so gerne in der Versenkung verschwinden lassen wollten.
Die Bahn hatte die mediale Gewalt und den publizistischen Einfluss von Blogs offenbar völlig unterschätzt. Nun also Waffenstillstand, wie Blogger Matthias Schindler von der Pressestelle der Bahn erfahren hat. Die Bahn verzichtet auf Löschung des Memos und die Unterlassungserklärung. Doch davon wurde Beckedahl offenbar nicht direkt informiert. Peinlich.
“Es wird keine gesonderte Mitteilung an die Presse zu diesem Thema geben, auch Markus Beckedahl wird nicht direkt darüber informiert werden, dass die Bahn ihn in dieser Sache nicht mehr behelligen wird”, fasst Schindler sein Gespräch mit der Bahn zusammen. Die rechtliche Bewertung der Bahn über die Veröffentlichung des Memos bleibe zudem unverändert.
Dennoch: Ein toller Erfolg. Und ein Ergebnis, das Unternehmen zeigen dürfte, wie sie mit dem Bereich Social Media nicht umgehen dürfen. Sie müssen lernen, Blogs als mediales Instrument ernst zu nehmen. Auch weil sie sich dank Tools wie Twitter, das den Solidarisierungs-Tsunami erheblich beschleunigte, besser und schneller organisieren als Unternehmen. Vor allem aber werden sie noch lernen müssen, dass diese vernetzten, twitternden und bloggenden Wesen nicht irgendein loses webzwonulliges Netz sind, sondern der Markt. Wenn Unternehmen das nicht begreifen, landen sie auf dem Abstellgleis. Die Bahn hat das immer noch nicht begriffen. Sonst hätte sie Beckedahl direkt informiert.
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