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Spießer Alfons: VDZ-Kampagne = Anzeigen für die Tonne!

9. Februar 2009
von

Dass Werber häufig nicht wissen, was sie tun, ist bekannt. Wenn aber auch die Auftraggeber der Agenturen nicht darüber nachdenken, was die Werber ihnen verkaufen wollen, dann ist das äußerst bedenklich.

VDZKampagne.jpgIm vorliegenden Fall heißt die Agentur BBDO in Düsseldorf. Und der Name der Kampagne lautet: „Jetzt ’ne Zeitschrift.“ Der Auftraggeber ist der VDZ, was meint: Verband Deutscher Zeitschriftenverleger.

Hier seht Ihr ein neues Sujet aus der Kampagne: Ein junges Paar steht vor einer Regalwand mit Fernsehapparaten. Und der Texter hat dazu geschrieben: „Irgendwo hier steht unser neuer Fernseher. Schade, dass uns keiner sagen kann (Komma?) wo. Jetzt ’ne Zeitschrift.“

Dazu die spießige Antwort: Wenn die jungen Leute in einen Großmarkt gehen, wo es keine Verkäufer gibt, dann haben die beiden potenziellen Käufer selber Schuld. Es gibt auch Läden, wo man beraten wird. Und der Wunsch nach einer Zeitschrift ist leicht zu erfüllen, allerdings vor dem Zeitschriftenregal, was die beiden Dummis scheinbar nicht wissen. Ist allerdings schade, dass ihnen keiner sagen kann, welche Zeitschrift sie  „jetzt“ lesen wollen oder sollen. Vielleicht ein Test- oder Elektronikmagazin? Aber ob dort gerade “jetzt” ein Vergleichstest über Fernseher drin ist? Und falls ja: In welcher Zeitschrift…?

Oder soll das Pärchen lieber eine Zeitschrift lesen, statt auf die Mattscheibe zu gucken? Ne, das kann ja wohl nicht ernsthaft gemeint sein, oder? Und wenn dem so wäre, dann würde man eine solche Zielgruppe nicht mit Anzeigen in Zeitschriften ansprechen können!

Kurz gesagt: Diese Kampagne — der Spießer sagte es bereits vor einem Jahr — ist der absolute Nonsens. Alle jungen Leute klicken sich heute durchs Internet, wenn sie wissen wollen, welcher TV-Apparat der geeignete ist und wo die Preise am günstigsten sind. Oder sie entnehmen die Informationen den Werbebeilagen in Tageszeitungen. Statt dass die Verlage also solche lächerlichen Anzeigen drucken, sollten sie den Raum lieber einer wohltätigen Organisation gratis zur Verfügung stellen!

Spießer Hinweis an Ansprechpartner Holger Busch vom VDZ: Hier haben Sie die Möglichkeit, uns die Kampagne zu erkären. Falls Sie das auch nicht können, bleibt nur noch die Frage: Warum hat keiner den Mut, die Anzeigen in die Tonne zu werfen und einer anderen Werbeagentur den Auftrag zu geben, eine Kampagne für Zeitschriften zu kreieren, die wirklich Sinn macht? Oder bekommen die Zeitschriftenverlage dann keine Anzeigen mehr von BBDO…?

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: VDZ-Kampagne = Anzeigen für die Tonne! ”

  1. Christian am 9. Februar 2009 um 11:54 Uhr

    die Spiesser suchen das Programmheft, da sie teletext nicht kennen. Ich meinerseits suche vielmehr noch eine Teletextseite, die mir ALLE Programm zeigt und das nach Zeit sortiert… ;)
    Ich finde das Plakat recht gut, fehlt einfach noch der richtige Text. nach dem Motto, wieso immer alles vorkauen lassen und nicht mal selber denken? Lesen fördert die Fantasie und schwupps sind die beiden keine Spiesser mehr :D

  2. Spießer Alfons am 9. Februar 2009 um 12:13 Uhr

    @ Christian

    1. ist das kein Plakat, sondern eine Zeitschriftenanzeige, gerichtet an Menschen, die keine Zeitschriften lesen.

    2. glaube ich nicht, dass der Inserent das meint, was Du glaubst. ;)

  3. ralf, mediaclinique am 9. Februar 2009 um 12:16 Uhr

    Vor allem muß man sich fragen, wo diese Anzeige steht! Bestimmt in einer Zeitschrift!
    Ganz schön klug wäre das, genau die anzusprechen, die sowieso Zeitschriften lesen, und sie mit solch schlechten Kampagnen zu erinnern, daß das Internet vielleicht der bessere Ort wäre, nach aktuellen Tests und Vergleichen für den potentiellen Fernseher zu suchen.

  4. Torsten am 9. Februar 2009 um 14:36 Uhr

    Erinnert mich irgendwie an die Berliner Taxifahrer, die immer diejenigen vollmaulen, die im Taxi sitzen, dass ja “keener mehr mitm Taxi fährt…”

    Wieso soll man dann nicht in einer Zeitschrift für das Lesen von zeitschriften werben?

  5. Spießer Alfons am 9. Februar 2009 um 14:38 Uhr

    @ Torsten

    Wenn Du Vegetarier ansprechen willst, würdest Du dann auch in ein Steakhaus gehen…?

  6. Nadine am 9. Februar 2009 um 14:52 Uhr

    Danke für die Info!
    Habe mal die Kampagnenseite des VDZ gesurft und etwas zum Ziel und andere Motive der Kampagne beguckt.
    Die Kampagne “Print wirkt!” gefällt mir deutlich besser, als diese Kampage.
    Denn leider wird der Vorteil des Mediums nicht unverwechselbar genug beleuchtet. Viele der Aussagen, die auf den Motiven getroffen werden, kann auch z.B. das Medium Internet bereits beantworten oder leisten. Oder generell einfach durch Freunde oder ein persönlicher Kontakt.
    Das gewählte Logo erinnert mich mehr an ein Buch als eine Zeitschrift. Auch hier fehlt mir die Betonung der Einzigartigkeit des Mediums für den Nutzer.
    Argumente, wie zum Beispiel, dass eine Zeitschrift keinen Strom braucht oder auch nicht kaputt geht, wenn runtergefallen, wie das bei elektronischen Geräten (Laptop, iPhone, Handy) der Fall ist, finden keine Beachtung.
    Mich berührt die Kampagne nicht und auch deren Motive nicht. Da gibt es dann nur eine Erklärung für mich: ich gehöre scheinbar nicht zur Zielgruppe :-)

  7. Nadine am 9. Februar 2009 um 15:20 Uhr

    Kleiner Nachtrag noch ;-)
    Was den Zeitschriften der VDZ ist den Zeitungen ja der BDZV mit der ZMG (Zeitungs Marketing Gesellschaft), die ebenfalls das Ziel verfolgen, das Medium im intermediavergleich besser darzustellen (www.zmg.de).
    Nun kenne ich auch nicht die aktuellen Zahlen über Mediennutzung (wie, was, wer, wann und wo), denke aber, dass die bei der Agentur das schon gut gemacht haben…..
    Es ist ebenfalls eine Frage der Zielgruppe (wen wollte man damit erreicht) in Kombination mit dem Ziel der Kampagne (was will ich damit eigentlich erreichen).
    Alles Unbekannte einer Gleichung (Faktoren, die wir einfach nicht kennen), daher jedes Rätseln wie Fischen im Trüben und Annahmen sind einfach gefährlich.
    Meine fünf cents :-) Schönen Tag noch

  8. Daniel Riedel am 9. Februar 2009 um 17:25 Uhr

    Solche schlechte Werbung gehört verboten.

    Um Aufmerksamkeit auf Zeitschriften zu lenken fallen mir als Laie auf jeden Fall ein paar bessere Argumente ein.

    Ich glaube die Macher der Anzeige lesen keine Zeitschriften?

  9. vader am 9. Februar 2009 um 22:53 Uhr

    > [...] daher jedes Rätseln wie Fischen im Trüben und Annahmen sind einfach gefährlich

    Ach? “Gefährlich” gleich? Unfundiert würde ich ja noch verstehen, aber “gefährlich”? Explodiert jetzt gleich was?

  10. ralf am 10. Februar 2009 um 10:48 Uhr

    > […] daher jedes Rätseln wie Fischen im Trüben und Annahmen sind einfach gefährlich

    Rätseln trainiert das Gehirn, und Annahmen steigern Imagination und Kreativität! Da braucht man fast keine Zeitschrift mehr.

  11. Martin Draeger am 10. Februar 2009 um 11:19 Uhr

    Also, ich hätte mir gut eine Kampagne vorstellen können, wie von Nadine in ihrem ersten Post beschrieben, die einen irgendwie gearteten Vorteil gegenüber Internet oder TV leistet. So hätte man z.B. eine hektische Banner-Kampagne machen können, bei der die Betrachter nie wirklich was erkennen können, weil die Motive/Texte stark animiert und total unscharf sind. Und dann der Claim: „Jetzt ’ne Zeitschrift.“

    Bei clever gewählten Motiven, die man (sehr) gerne scharf gesehen hätte, würde man die Botschaft wohl verinnerlichen…

ivw