Spießer Alfons: quirin — eine Bank, die Kunden verkauft
Die quirin bank sucht Mitarbeiter. Und die sollen „Kunden beraten statt verkaufen“ — siehe die Anzeige!
Hä? Kunden „verkaufen“? Vielleicht für dumm…? Das war ja in Vergangenheit das Tagesgeschäft bei einigen Banken.
Die gesuchten Vermögensberater/innen sollen nur noch beraten statt verkaufen. Klar: “beraten” klingt gut, “verkaufen” = böse. Nur fragt sich der Spießer: Wovon lebt eine Bank, deren Mitarbeiter nicht verkaufen, sondern bloß beraten…? Vielleicht nach der Devise: Guter Rat ist teuer, weshalb wir Ihnen unsere Beratung in Rechnung stellen…?
Nachdem die Medien das Volk gerade aufgeklärt haben, dass Banker keine unabhängigen Gutmenschen sind, die von Luft und Kundenliebe leben, sondern dass sie nichts anderes sind als schnöde Verkäufer, die auch Geld verdienen wollen/müssen — da waren alle Bankkunden völlig perplex. Okay, bei Bäcker, Metzger und der Blumenfrau — da wusste man, dass die am Verkauf verdienen. Aber ein Banker? Der doch nicht! Schließlich ist eine Bank ein gemeinnütziges Unternehmen, unabhängig und neutral, oder?
Die quirin bank versucht nun also, sich vom schnöden Verkaufen zu distanzieren. Die Mitarbeiter sollen die Kunden Menschen nur noch „fair und partnerschaftlich beraten“. Bezahlt werden sie dafür aus dem bekannten Berliner Bankensicherungsfond.













Wieso “HÄ?”? Ich habe direkt an die Redenwendung “Ich fühle mich verraten und verkauft.” gedacht. In diesem Sinne könnte man Kunden doch sehr wohl verkaufen, oder?
“Kunden be- statt verraten.” wäre allerdings auch keine gute Lösung ;o)
Die Doppelbedeutung der Headline war mir so noch nicht bewusst, stimmt aber natürlich und macht das Ganze noch schlimmer.
Gegenvorschlag von mir: Gehen wir gemeinsam pleite!
Das ist ja quasi das gleiche wie von dieser Hotelkette mit dem Slogan “Denken Sie an sich. Wir tun es schon” Ich frage mich da immer: Nehmen die Werber diese falsche Interpretation in Kauf oder sind die übers die Kreation so blind geworden, solch einen Sinnfehler nicht zu entdecken? Da ich nicht aus der Branche komme, kenne ich die Antwort leider nicht. Eine gewisse Blindheit für Doppeldeutigkeit wird aber bestimmt nicht zu verneinen sein, oder?