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Mercedes macht im “Tatort” bella figura

23. Februar 2009
von

Im gestrigen winterlichen Tatort “Herz aus Eis” waren nicht nur die Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) gefordert. Auch der eingesetzte Mercedes bestand mehrfach seinen Härtetest. In der Stuttgarter PR-Abteilung von Daimler dürften vor Freude die Sektkorken geknallt haben. Denn die Geschichte bekam immer wieder die Kurve, um die Marke mit dem Stern zu zeigen. Dabei waren der Wagen und die gezeigten Fahrkünste für die Story rund um Mord im Internat nur Beiwerk, bestenfalls. Es sei denn, man wollte den 2,73 Millionen Zuschauern auch einem mal einen Blick hinter die Kulissen des Polizeialltags auf einer Mercedes-Teststrecke bieten.

Man kennt das ja aus der eigenen James-Bond-Sozialisierung. Wilde Verfolgungsjagden sind immer eine gute Gelegenheit, eine Automarke in Szene zu setzen. Doch man kann auch die Alltagstauglichkeit eines Modells geschickt in eine Geschichte in der Provinz einpacken und damit die Handlung ein wenig auflockern.

So sehen wir im Tatort vom Südwestrundfunk in Stuttgart  wie die Kommissarin gleich zu Beginn mit dem Mercedes rasant einparken kann. Ein Stück Lebenswirklichkeit.

Nur wenig später besteht der Mercedes seinen Elchtest, als er flott und spursicher einem zufällig auftauchenden Traktor ausweicht. Die Bedeutung dieser Szene für die weitere Handlung ist indes vergleichsweise unerheblich. Es sei denn, sie steht für die Dramatik der Verkehrslage in der ländlichen Bodenseeregion und dient der Abbildung der realen Lebenswirklichkeit.

Sie ist jedenfalls nebensächlicher als jene Szene, in der das Fahrzeug gut ausgeleuchtet zur nächsten Zeugenbefragung über die Landstraße rollt.

Wenig später darf der Zuschauer an der Fortbildung der Ermittler und an einem weiteren Stück Lebenswirklichkeit teilhaben. Ein Fahrsicherheitstraining steht an. Eine Szene wie ein Versatzstück aus dem “SWR – Rasthaus”. Die Bremsprüfung besteht der Mercedes mit Bravour. Für die weitere Handlung und die Aufklärung des Falles ist dieses Training, man ahnt es schon, überflüssig. Vorsichtig formuliert. Allerdings fällt Kommissarin Blum dabei ein Ermittlungsdetail ein. So war die Fahrt auf der Pkw-Teststrecke im Mercedes-Benz-Werk Rastatt zumindest nicht völlig unnütz.

Während der Tatort auf das Finale zusteuert, sehen wir den Mercedes unter anderem nochmals wie er zielsicher über einen holprigen Waldweg jagt. Die Szene symbolisiert dabei vermutlich lebensnahe behördliche Hierarchien. Kommissarin Blum nimmt das Auto zum nahe gelegenen Weiher, der Ermittler Perlmann geht die paar Meter per pedes.

Produziert wurde dieser Tatort übrigens von Maran Film. Wahrscheinlich nur eine dieser zufälligen falschen Fährten, wie sie in Krimis immer wieder vorkommen.

Update 27.2. 11.25:  Stern.de hat in Sachen “Stampfreklame“  bei den Beteiligten nachgehakt und wenig überraschende Antworten bekommen. “All das hat mit einer gezielten werblichen Darstellung nun wirklich nichts zu tun”, zitiert Stern.de unter anderem SWR-Sprecherin Annette Gilcher.
In den lesenswerten Kommentaren kommen die Leser indes zu einer höchst unterschiedlichen Bewertung.

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Kommentare zu “ Mercedes macht im “Tatort” bella figura ”

  1. baddiel am 23. Februar 2009 um 12:34 Uhr

    nicht zu vergessen: die wichtige szene gegen ende:

    es war ja eigentlich der benz, der das erfrierende mädchen schließlich mittels seil aus dem wasser zog.

    hier wurde stück für stück ein held aufgebaut. das automobil!
    eine wichtige botschaft in diesen zeiten!
    nur spießer regen sich da über die markenwahl auf :-)

  2. OlafKolbrueck am 23. Februar 2009 um 12:56 Uhr

    @baddiel
    Stimmt. Die Szene hatte ich ganz vergessen. Die zeigt natürlich auch noch mal schön die Einsatzbreite des Fahrzeugs.

  3. Herbert am 23. Februar 2009 um 13:05 Uhr

    War das also ein “Tatort” in dem das Mercedes-Image poliert wurde, oder war das ein Mercedes-Image-Film in dem ein Tatort vorkam?

  4. zota am 23. Februar 2009 um 14:16 Uhr

    und jetzt freuen wir uns alle auf kommenden sonntag, denn dann ist der tatort aus stuttgart an der reihe!

  5. AndreasK am 23. Februar 2009 um 14:31 Uhr

    Wer hat im Vorfeld eigentlich diese “Boah, Alda, da wurde doch tatsächlich ein Tatort in einem Mercedes-Benz-Werk gedreht. Unglaublich, oder?”-Meldung verbreitet?

  6. Roland am 24. Februar 2009 um 09:42 Uhr

    Nicht zu vergessen die Verzögerungswerte auf Porsche 911 Niveau. Zumindest wir nahegelegt, es werde aus einer Geschwindigkeit von 100km/h gebremst – übrigens viel zu schnell für ein “Fahrsicherheitstraining”.

    Die Werte werden sofort über Funk durchgegeben (“Besser geht´s nicht!”) und die Komissarin wird nach einem exzellenten ersten Versuch sofort wieder in ihre Ermittlungstätigkeit entlassen…

  7. Ghskj am 25. Februar 2009 um 10:40 Uhr

    Gut beobachtet!

  8. Britta am 25. Februar 2009 um 15:58 Uhr

    Man sollte die Markenwerbung nicht zu verbissen sehen – immerhin ging es darum, eine Kulisse aufzubauen, die zu der Geschichte passte und hier fand ich es ein gelungenes Konzept, was auch noch glaubwürdig rüberkam. Mit nem Daihatsu Cuore hätte das so wohl nicht funktioniert…

  9. Roland am 25. Februar 2009 um 17:33 Uhr

    Aber wenn man sich während des Films schon wundert, was diese total konstruierte Neben-Story soll… (“Die Cops fahren immer so schnell und brauchen mal endlich ein Fahrtraining, die bösen, bösen Jungs”). Lächerlich.

    Und das beste ist, dass die Kommissarin so was von null zu dem Stunt passt, quer vor ihrem Chef in die Parklücke reinzugrätschen… Fährt im wahren Leben wohl eher Fiesta. Oder Bahn.

    Also: Wenn schon Placement, dann richtig: Schimanski hätte schon immer mal ein Drift-Training gebraucht! Und zwar auf der Teststrecke in Zuffenhausen!

  10. Roland am 25. Februar 2009 um 17:44 Uhr

    Und übrigens – Verkehrsrowdies gehören wohl eher zur Nachschulung als zum Reaktionstest auf die Rennstrecke.

    Meiner Meinung nach müssen die Leute, die diese “Kooperation” mit Daimler in die Wege geleitet haben, streng bestraft werden. Aber nicht wegen Schleichwerbung sondern wegen Ideenlosigkeit. Ich vermute, die saßen wohl eher beim Sender als in der Daimler PR… ;)

  11. Frank Schenk am 26. Februar 2009 um 11:34 Uhr

    Da lob ich mir doch die französischen Filme wie z.B. Taxi oder Taxi Taxi (keine Schleichwerbung *g*), wo die Flics haufenweise Peugeots verschrotten, da gibts wenigstens was zu lachen :-)

    gruß

  12. sam hawkins am 27. Februar 2009 um 11:16 Uhr

    dann solltet ihr euch mal die tatorte aus hannover mit ch. lindholm anschauen. besonders die älteren folgen sind ein einziger vw werbefilm. dagegen sind die konstanzer ermittler echt harmlos.

  13. Eva am 15. März 2009 um 21:55 Uhr

    Und auch im neuen Tatort “Gespenst” von heute Abend, 15.3., konnte man wieder viele schöne Autos in schnellen Manövern erleben – nur diesmal, da wir uns ja in Niedersachen befunden haben, eben die mit den zwei Buchstaben: VW.
    Am dreistesten war wohl die Radiodurchsage, die darauf anspielte, dass die “Riesen” der Branche – GM, Ford und Crysler – auf den staatlichen Rettungsplan zurückgreifen müssten. Schleichwerbung ist, so lernen wir daraus, auch möglich, wenn der Name des für die Plazierung zahlenden Kunden gar NICHT genannt wird!

ivw