Risiko Facebook
Kimberley Swann, 16, ist in Großbritannien gegenwärtig so etwas wie eine kleine Internetberühmtheit. Grund: Sie wurde von ihrem Arbeitgeber gefeuert, weil sie ihren Job bei “Ivell Marketing & Logistics” auf der Plattform Facebook als “langweilig” bezeichnete.
Dumm gelaufen?
Grund genug, einen Social-Network-Führerschein zu fordern?
Nutzer sollten im Web heute jedenfalls nicht mehr aus allen Wolken fallen, wenn ihnen der Chef im Web folgt. Auch dank des aufklärerischen “Spiegel”-Titels in dieser Woche. All die kleinen Spitzen und Initimitäten, die wir früher an der Theke oder beim Kaffeeklatsch losgelassen haben – wenn wie sie in gleicher Form heute an der digitalen Theke des Web abgeben, dann hört eben in der Regel nicht mehr nur der Nachbar links und rechts zu.
Leserin Carla mahnt in einem Kommentar zum Sandkasten der Social Media-Welt also zu Recht: “Ihr müsst Euch auch im Klaren sein, dass es reine Beobachter gibt. Wollt Ihr wirklich, dass ich, die ihr gar nicht kennt, die Möglichkeit habe, so viel über Euch zu erfahren?”
Es gibt jene, die genau das wollen. Sie wissen aber oft genau, wie weit sie dabei gehen. Es gibt aber ebenso jene, die das Web 2.0 immer noch mit einem Beichtstuhl verwechseln – und vergessen, dass die Welt zuhört.
Es kann also im Web 2.0 nicht nur darum gehen, echte und alte Freunde zu entdecken, oder Multiplikatoren und Meinungsführer zu identifizieren. Man sollte sich auch darüber klar sein, dass man im Google-Zeitalter nicht nur selbst zum Voyeur wird, sondern selbst ständig unter Beobachtung steht:
“Always act as if you’re on Candid Camera, because you are.”
Menschen wie Kimberley Swann scheinen das hin und wieder zu vergessen.
Man vergisst es aber auch in der Tat leicht. So leicht wie die Zeit in einem Casino, in dem es mit Absicht keine Uhren gibt. Das Vergessen erleichert paradoxerweise gerade die schnell kaum noch überschaubare Zahl der Kontakte bei Facebook, Twitter und Co. (Ist der Chef ein Follower bei Twitter, gehört die Ex noch zu den Freunden bei Facebook?)
Diffus wird es schon weit unterhalb der berühmten Dunbar Number von 150, die eine Art Grenze sozialer Belastbarkeit darstellt, denn die Zahl “echter” lebendiger Kontakte ist in der Regel deutlich niedriger.
Es wäre also ein leichtes, Facebook und Co mit einem gigantischen Rollenspiel zu verwechseln, bei dem die Zahl der Freunde den Highscore angibt.
Man sollte dennoch nicht zu verkrampft durch die Netzwerke turnen. Leichtfertig und leichtsinnig – nein. Locker und leicht – ja.
Fälle wie Kimberley Swann, gerne auch mal zum furchterregenden Standard aufgebauscht, wird es immer geben. Genauso wie Menschen auch Unfälle mit dem Auto bauen, trotz Führerschein und aller Vorsicht.



















vielleicht sollte ich doch langsam mal meine abschlussarbeit zu dem thema veröffentlichen…
Schlimmer gehts immer, wie man hier sehr drastisch vorgeführt bekommt.
Wobei wir es in diesem konkreten Fall auf beiden Seiten mit wenig Lockerheit zu tun haben. Denn einerseits ist es so eine Sache, über Langeweile bei der Arbeit zu schreiben, andererseits war ja die Begründung des Chefs unter anderem, dass er sein Unternehmen nicht öffentlich mit so etwas verknüpft haben wollte – die Mitarbeiterin aber das Unternehmen gar nciht genannt hatte.