Bänkelsänger und Paid Content
Man könnte beinahe eine schöne Bilderklickstrecke daraus machen: “Time” nennt auf Basis einer Studie von 24/7 Wall St. zehn nationale US-Tageszeitungen, die in den kommenden 18 Monaten am Kiosk verschwinden könnten und dann nur noch online erscheinen. Nur was hilft das, wenn die Online-Einnahmen längst nicht ausreichen, nur Pennies einbringen und jede Vollkosten-Rechnung ein Bild des Jammers darstellt. Die Freeconomics-Ära frisst sich selber.
Vielleicht muss man zum Geschäft der Bänkelsänger zurückkehren, die nach ihren Moritaten mit dem Hut im Publikum herumgingen und auf die finanzielle Gunst der Zuhörer hoffen mussten. Donotionsware nennt sich das insbesondere im Software-Bereich zuweilen angebotene Prinzip der Bezahlung nach Lust und Laune heute.
Im 17.Jahrhundert entschieden Darbietung und Inhalt über das finanzielle Wohlergehen auf dem Markplatz. Sex & Crime lockerten am ehesten die Geldbeutel. Bild-Macher Kai Diekmann muss man sich daher wohl als reinkarnierten Bänkelsänger vorstellen. Und es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass ausgerechnet für Katharina Borchert (“Der Westen”) schon via Twitter Geldsammlungen angedacht wurden, um den zuweilen schlüpfrigen Blog Lyssas Lounge zu reaktivieren.

Paid Content also. Die Rückkehr zu einem schon totgesagten Tauschgeschäft, könnte also eine Lösung sein. Und auch wenn dies vielen wie der Ruf nach ewiggestrigen Rezepten wirkt, könnten gerade Micro-Paymentsysteme ein Rettungsanker sein. Es müssen ja keine horrenden Euro-Preise pro Artikel sein. Der Pfennig ist die Seele der Million. Es muss nur einfach und billig sein. iTunes zeigt, es kann funktionieren, weil dagegen der Download bei Tauschbörsen ein lausiger, zeitraubender und damit kostenintensiver Vorgang ist. Die Zuwächse bei der britischen “Financial Times” sind ebenfalls nicht nur durch die lachsrosa Brille gesehen.
Der Vorteil solcher wie auch immer gearteter (Abo, Flarate, etc) Bezahlmodelle: Es entsteht ein Zwang zu mehr Qualität und zur Differenzierung. Die Geschichte bestimmt den Wert. Sonst gibt es für die Bänkelsänger auf dem Jahrmarkt keine Münzen sondern faule Eier.
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