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Spießer Alfons: Kreation als Hohn

12. März 2009
von Spießer Alfons

welthungerhilfewasser.jpgHeute wiederholt Spießer Alfons einen Beitrag, den er am 24. August 2006 in HORIZONT veröffentlicht hat. Der Grund ist ein aktueller: Die Anzeige der Welthungerhilfe, die Alfons damals aufgespießt hat, läuft immer noch in den Medien. Der Spießer schrieb damals wie heute:

Wieder mal seeehr kreativ waren die Werber im Auftrag des sozialen Marketings, und zwar mit einer Anzeige für die Welthungerhilfe. Wir sehen dort ein afrikanisches Fotomodell, das um den Hals eine Perlenkette aus Wasserperlen trägt. Die Botschaft lautet: “Wasser ist kostbar” — siehe die Abbildung! Damit sollen Spendengelder akquiriert werden. Und der Betrachter sagt sich: “Eine sehr schmucke Anzeige, für die der ADC bestimmt einen Nagel verleihen wird.” Was aber ist mit der Wirkung dieser Anzeige, die uns das Gleichnis “Wasser ist so kostbar wie Gold” bringt …? Die Wirkung ist: Warum brauchen die Fotomodelle aus Afrika denn auch unbedingt kostbares Gold, die sollen doch ihren Eingeborenen-Schmuck tragen!

By the way: Des Spießers Sohn, seines Zeichens AD in einer nicht unbekannten Werbeagentur, sah, dass der Vater die Anzeige der Welthungerhilfe zum Aufspießen bereitgelegt hatte. Und er sprach: “Wieso denn, die ist doch cool!” Der spießige Vater entgegnete: “Für den ADC sicherlich, aber nicht für die breite Masse. Die Botschaft muss aber die breite Masse erreichen, um zu wirken. Der ADC wird der Welthungerhilfe vermutlich nix aus seiner Clubkasse spenden!” Des Spießers eingeborener Sohn wollte wissen: “Wie würdest Du die Anzeige denn gestalten?” Der Spießer: “Klassisch. Ich würde im Bilde zeigen, was es bedeutet, kein Wasser zu haben, also ausgetrockneten Boden und ausgetrocknete Menschen, die eine leere Schale in Händen halten und den Anzeigenleser hoffnungsvoll anblicken. Dazu einen Text, der unter die Haut geht!” Der AD: “Das ist doch die Nullnummer!” Der spießige Vater: “Das mag wohl sein; aber besser eine Nullnummer, die auf das Konto der Welthungerhilfe einzahlt, als eine kreative Nummer, die nur Wirkung zeigt im Annual des ADC!”

Ende des Beitrags aus 2006. Wenn die Welthungerhilfe jetzt antwortet: Wir haben auf Grund der besagten Anzeige auffallend hohe Spenden-Einnahmen verzeichnen können, dann wird Alfons diesen Beitrag nicht noch einmal wiederholen.

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Kreation als Hohn ”

  1. kawumm am 12. März 2009 um 10:14 Uhr

    Lieber Spießer, so weit ich mich erinnern kann, hat die Anzeige sehr gut gearbeitet – und der Kunde mochte sie und hat sich ausdrücklich mehr solcher Ideen gewünscht. Diese Anzeige kommt meiner Meinung nach sehr gut in der Bevölkerung an. Und auch besser als beim ADC. Deinen Vorschlag hat man schon tausendfach gesehen, er langweilt nicht nur – er wird auch mittlerweile vom Konsumenten ignoriert. Not und Elend will keiner sehen. Höchstens wenn es neu und überraschend daher kommt. Den Wassermangel zu dramatisieren ist natürlich ein Weg. Aber so einfach

    “Ich würde im Bilde zeigen, was es bedeutet, kein Wasser zu haben, also ausgetrockneten Boden und ausgetrocknete Menschen, die eine leere Schale in Händen halten und den Anzeigenleser hoffnungsvoll anblicken. Dazu einen Text, der unter die Haut geht!”

    kannst du es dir nicht machen. Da kommst du 35 Jahre zu spät und würdest wahrscheinlich auch noch “aufgespießt” werden – da es das wie gesagt wirklich tausendfach gab.
    Hör mal lieber auf deinen Sohn, er scheint ein wenig mehr Ahnung zu haben. Zum Glück fällt der Apfel manchmal auch weit vom Stamm… ;-)

  2. Spießer Alfons am 12. März 2009 um 10:17 Uhr

    @ kawumm

    Das hätte ich jetzt als Betroffener, bzw. Aufgespießter auch so gesagt. ;)

  3. tom am 12. März 2009 um 10:20 Uhr

    Mmmh. Mal überlegen.

    1. Obiges Motiv. Ich sehe es. Bin erstmal überrascht (die Ästhetik trifft mich). Steige in die Copy ein. Bin berührt…
    2. Dein Motiv. Uuuh, jaja, kenn ich schon, schnell weiterblättern…

    Okay, ist jetzt bei mir so, muss ja bei anderen nicht auch so sein. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich eher obiges Motiv schalten.

  4. Kowalski am 12. März 2009 um 10:35 Uhr

    Ästhetisch, schön, in der Tat. Aber ich denke, man darf da nicht die Werber zum Maßstab nehmen, Frau Müller wird sich davon meiner Meinung nicht angesprochen füllen, ein Überweisungsformular auszufüllen. Aber es sind die vielen Müllers, Meiers und Schulzes, die das Gros zum Spendenaufkommen bringen.

    @ kawumm

    Ich denke, es gibt genug aktuelle Bilder, die den Notstand zeigen.

    @ tom

    Sag ehrlich: Hast Du jetzt gleich online gespendet oder warst Du nur überrascht und gerührt?

    @ Spießer

    Stell doch mal ein Motiv daneben, das es laut Kawumm schon “tausendfach” gibt, dann lässt sich das gut vergleichen!

  5. kawumm am 12. März 2009 um 11:21 Uhr

    Lieber Spießer, ich bin in diesem Fall nicht der “Macher oder Aufgespießte” – Aber ich war damals nah dran.

    Das einzige Problem, dass diese Anzeige wirklich hat ist die
    Tatsache, dass es die gleiche Idee schon zuvor gab.
    Das wusste die Person, die sich das ausgedacht hat aber leider
    nicht. Es werden ja auch in den seltensten Fällen Ideen geklaut,
    lieber Spießer. Menschen kommen einfach immer wieder auf die gleichen oder ähnlichen Lösungen für die gleichen oder ähnliche Probleme. Deshalb finde ich dein verurteiltes “Plagiatsaufspießen – Kupferblabla…” auch nicht richtig. Einfach sagen “Gab es schon, den Beweis zeigen und gut”.
    Aber die jeweiligen Kreativen als “Diebe” zu bezeichnen ist nicht nur hart, sondern in bestimmt 90% der Fälle absolut falsch. Jetzt bin ich abgeschweift – war mir aber ein Anliegen.
    Ich bin übrigens kein Aufgespießte. Im Gegenteil, ich glaube du hast mal eine meiner Arbeiten positiv erwähnt ;-)

  6. kawumm am 12. März 2009 um 11:29 Uhr

    @Kowalski

    Ihr müsst zwei Dinge wissen.

    1. Frau Müller ist nicht die Zielgruppe bei der Welthungerhilfe.
    Eher doch der Werber. Überdurchschnittlich gebildet, gut verdienend, etwas jünger…

    Frau Müller spendet eh schon seit 30 Jahren und interessiert sich nicht für Anzeigen. Egal welche. Das Motiv ist strategisch schon richtig, glaub mir.

    2. Ein noch viel wichtigerer Punkt:
    Die Welthungerhilfe gibt selbstverständlich nicht viel Geld
    für Werbung aus und ist damit auf Freischaltungen angewiesen. Magazine machen das besonders gerne, wenn ihnen das Motiv gefällt. Diese Anzeige hat sehr viele Freischaltungen generiert und die Welthungerhilfe war unglaublich froh darüber. Ähnlich “ästhetisch schöne” Motive wurden übrigens auch öfter geschaltet als der olle Kram.

  7. Spießer Alfons am 12. März 2009 um 11:32 Uhr

    @ kawumm

    Es ist hier zwar nicht das Thema, aber: Ich beurteile “Plagiate” wirklich sehr unterschiedlich. Wer mein Referat zum Thema Plagiate gehört hat, der wird das bestätigen können.

    @ Kowalski

    Würd ich gern machen, wenn ich eine hätte. Ich habe kein Archiv. Und in den Lürzer-Bänden werde ich vermutlich nichts finden. Aber ich werde am Wochenende mal nachschlagen, vielleicht finde ich doch etwas, um zu demonstrieren, was ich meine. Oder schick mir (freie!) Fotos, dann mache ich eine Anzeige daraus!

  8. Dierk am 12. März 2009 um 14:06 Uhr

    Im Grunde lässt sich die Wirkung der Anzeige – soweit Werbung überhaupt überprüfbar ist – ganz einfach zeigen: Wie entwickelte sich das Spendenaufkommen in vergleichbaren Zeiträumen bzw. rund um die Schaltung der Anzeige. Wieviel Spendengeld kam vorher zusammen, wieviel zur Schaltung, wieviel nachdem die Kampagne durch war.

    Ohne Zahlen ist das hier alles alberne Hirnwichserei.

  9. JeyPie am 13. März 2009 um 10:06 Uhr

    und über Geschmack lässt sich bekanntlich immer noch streiten. Ich finde das Motiv unpassend zum Thema, weil es eben nicht den Nerv berührt, der schwingen muss, damit man spendet. Warum soll ich einem Fotomodell Geld geben, wenn es 10mal mehr verdient als ich??

    Und Ideenklau, lieber Herr kawumm, gibt es leider zu Hauf! Nur bemerkt man das leider eher selten, weil die Kreativen ja nicht kreativ wären, wenn sie die geklaute Idee nicht verändern würden.

  10. kawumm am 13. März 2009 um 10:40 Uhr

    Lieber JeyPie, du scheinst keine große Ahnung von Kreation zu haben. Wenn du schon schreibst “die Kreativen”, bist du keiner. Und dann solltest du auch nicht glauben zu wissen, wie das als Kreativer so ist. Aber wenigstens schwingt dein Nerv.

  11. JeyPie am 13. März 2009 um 10:52 Uhr

    @ kawumm – dann scheinst Du ja auch keiner zu sein, obwohl Du hier große Töne schwingst! “…Aber die jeweiligen Kreativen als “Diebe” zu bezeichnen…”

    Es ist schon leicht arrogant zu behaupten, das der Artikel “die” eine Wertung beinhaltet und eine Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe erkennen lässt. Aber vielen Dank für die Interpretation – hab mich köstlich amüsiert.

    Bei mir schwingt wenigstens etwas – bei Dir auch?

  12. kawumm am 13. März 2009 um 14:27 Uhr

    @JeyPie

    Ich bin Kreativer. Und auch überaus erfolgreich.
    Deshalb erlaube ich mir eine Meinung.

    Ich habe sie eben nicht als “Diebe” bezeichnet.
    Kannst du nicht lesen?

    Schreiben fällt dir auf jeden Fall schwer.

    Diesen Teil…

    “Es ist schon leicht arrogant zu behaupten, das der Artikel “die” eine Wertung beinhaltet und eine Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe erkennen lässt.”

    …verstehe ich jedenfalls nicht.

    Abgesehen davon fehlt ein “s”.

  13. JeyPie am 13. März 2009 um 14:33 Uhr

    @ kawumm – na dann denk nochmal scharf nach – der Schnellste scheinst Du ja nicht zu sein.
    Ich beglückwünsche Dich jedenfalls zu Deiner interessanten Selbsteinschätzung – wenn ich mal einen Texter brauche, kann ich sicherlich auf Dich zukommen ;-)

  14. kawumm am 13. März 2009 um 14:36 Uhr

    JeyPie,

    habe mir mal dein getwitter durchgelesen. du kannst doch etwas. sprich doch darüber, aber bitte nicht über werbung.

    und weil du netterweise ein projekt meiner freundin per twitter
    promotet hast, gebe ich dir noch einen kostenlosen tipp
    zu folgender aussage, die ich aus deinem getwitter zitiere:

    “Wir entwickeln gerade mal wieder eine große Social Marketing Kampagne – schon die ersten Ideen sind vielversprechend!”

    Lieber JeyPie, die ersten Ideen sind niemals die besten.
    immer schön unzufrieden bleiben!

  15. kawumm am 13. März 2009 um 14:39 Uhr

    JeyPie, ich habe keine zeit länger darüber nachzudenken.
    habe schon wieder zeit hier verschwendet. wenn ich etwas nicht gleich verstehe, habe ich keine lust es noch mal zu lesen.
    zumindest nicht bei off-the-record.de nicht in meiner mittagspause.

  16. JeyPie am 13. März 2009 um 14:41 Uhr

    dito lieber kawumm :-)

    Da sind wir uns ja in dem Punkt einig, denn eine Selbsteinschätzung “Und auch überaus erfolgreich” kann auch sehr schnell arrogant klingen.

    Aber jetzt bin ich schon daran interessiert zu wissen, wer sich hinter Deinem Pseudonym verbirgt …. vielleicht lässt Du mir ja die große Ehre zuteil werden, wessen Freundin ich hier twitternder Weise unterstützt habe!?

  17. kawumm am 13. März 2009 um 15:46 Uhr

    wie heißt du denn? “Jey Pie”?

    sag mir deinen namen und ich kontaktiere dich per xing.
    aber ich möchte meinen namen hier nicht veröffentlichen.

    es ist einfach nur die wahrheit. ich bin erfolgreich. und vielleicht
    auch ein bisschen arrogant. vielleicht aber auch nur ein bisschen verkatert.

  18. JeyPie am 13. März 2009 um 16:24 Uhr

    schick mir doch bitte auf Twitter eine “Direct Message”, denn auch ich möchte mir etwas Privatsphäre wahren :-) Du hast mich da ja schon gefunden, bist mir gegenüber also im Vorteil.

  19. sohnes am 15. März 2009 um 09:44 Uhr

    ihr zwei seid ja süß, da haben sich die richtigen hier gefunden, dank dem spießer ;-)

ivw