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Spießer Alfons: Goodbye, Jung v. Matt und alle anderen!

14. März 2009
von

Liebe Freunde der Werbung, es ist Wochenende, die Sonne scheint, und deshalb möchte Spießer Alfons sich kurz fassen. Der nachfolgende Text ist ein spießiger Eintrag ins Kondolenzbuch der deutschen Werbeagenturen, die von uns gegangen sind, bzw. gehen werden.

bild_turi.jpgGestern war Freitag, der 13. Und an diesem Tage gab Peter Würtenberger, Springer-AG,  im Interview bei turi2.tv bekannt: Weg mit Deutschlands Werbeagenturen — von nun an macht der Konsument die Werbung selber, weil der das besser kann — bitte auf die nebenstehende Abbildung klicken!

Das bedeutet: Alles, was in den vergangenen Jahrzehnten über Werbung und Marken gelehrt und geredet wurde: vergessen! Die Werbefachschulen, Texterschulen und Hochschulen für Kommunikationsdisign: schließen! Die ungezählten Fachbücher über Werbung und Marketing: Papiercontainer!

Der Vermarktungschef von BILD u. a. Titeln hat es erkannt: Werbung besteht im Grunde nur aus dem Klopfen von Sprüchen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Markenführung und -pflege und diese ganze Marketing-Sülze: Futter für die Katz’! Die Kunden sollen sich selber mit Produkten und deren Benefit beschäftigen und sich dazu äußern — so, wie BILDblog es vorgemacht hat! Und alle Mitarbeiter von Werbeagenturen und deren kreative Helfershelfer samt Zulieferer können schon mal ihre sieben Sachen packen und das Weite suchen — Werbung ist von nun an Volkssache! Also ade, ADC — König Hartz IV. wartet schon auf Euch!

Werbeliteratur.jpgAlfons hat gerade seine eigene Fachbibliothek ausgemistet, diesen ganzen pseudowissenschaftlichen Wortmüll über Marketing und Werbung — siehe den kleinen Einblick ins Leermaterial von Alfons! Und Alfons freut sich schon auf das, was nun kommen wird, denn es garantiert ihm den Spießer-Job auf Lebenszeit.

Peinlich ist das Ganze natürlich für Jung v. Matt, dem Werbebetreuer der BILD-Zeitung. Die Agentur hat sich vor diesen Reklamekarren spannen lassen, weil vermutlich keiner den Mumm gehabt hat zu sagen: „Wir kündigen den Etat, weil wir uns nicht verarschen lassen!“ Und Spießer Alfons ist nun sehr neugierig, wie die renommierte Werbeagentur aus dieser Lachnummer wieder rauskommt.

PS: Ein Hoffnungsschimmer bleibt für Deutschlands Werbeagenturen, nämlich der, dass der Herr Würtenberger vielleicht Freitag, den 13. März, verwechselt hat mit Mittwoch, den 1. April…?

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Goodbye, Jung v. Matt und alle anderen! ”

  1. schorsch am 14. März 2009 um 16:17 Uhr

    Also ehrlich gesagt… les ich deinen Schrieb zwar gerne wegen der besprochenen Motive, Filme, Kampagnen. Aber die Bewertungen sind ja sowas von spaßbefreit – siehe Welthungerhilfe oder jetzt hier. Werbung muss aber Spaß machen, egal ob sie Geld für Menschen in Not sammeln oder Zeitungen verkaufen will. Spaß im Sinne von: So hab ich das noch nicht gesehen, ich wurde bewegt, jetzt handele ich anders. Klingt intellektuell, geht aber auch Frau Müller so, wenn vielleicht nicht bewusst.

  2. Daniel Riedel am 14. März 2009 um 18:11 Uhr

    @schorsch
    Besser ist’s, wenn es “Frau Müller” nicht bewusst ist.

    An den Spießer Alfons: Deine Fachbibliothek sieht sehr interessant aus, der Tisch hat mich als alten Spanner weniger interessiert als das Regal.

    “Frauen sind einfach besser”, “Feste-Feten-Feiern” und “Marketing Für Dummies” sind mir sofort ins Auge gefallen, absolute Grundbildung !!

  3. M. am 14. März 2009 um 18:43 Uhr

    @schorsch: Werbung muss Spaß machen? Haha, wie lustig! …und woher nimmst du diese Weisheit, äh, Albernheit?

  4. Spießer Alfons am 14. März 2009 um 18:45 Uhr

    @ Daniel Riedel

    Ich muss Dich enttäuschen: “Feste-Feten-Feiern” ist ein uraltes Fotoalbum…! ;)

  5. Peter am 14. März 2009 um 19:23 Uhr

    Also.lieber Spiesser. Jetzt fühl ich mich als treuer Leser doch genötigt diesen Artikel zu kommentieren.
    Kopf hoch, es ist noch nicht alles vorbei. Mit user generated Werbung hat das nun gar nichts zu tun. Das ist reine Mathematik. Bei den zig-tausend Einsendungen für die Bild ist es einfach statistisch unmöglich, dass da nur Schrott dabei ist und wenn Du genau schaust sind da auch Agenturen dabei, die sich entblöden mitzumachen (Ich bin so mannhaft und gebe zu, dass es mich auch für den Bruchteil einer Sekunde gejuckt hat eine Anzeige einzureichen :-) . Wenn die Bild da ein Programm draus macht, wen kümmerts? Der Reiz daran ist schnell verflogen und dann gehts weiter wie gehabt.

    Ich wünsche ein geruhsames Wochenende und bevor Du Deine Buchsammlung dem Altpapier übereignest schick ich Dir meine Adresse :-)

  6. schorsch am 14. März 2009 um 21:43 Uhr

    @ M.

    Spaß machen heißt natürlich nicht lustig sein, sondern unterhalten und stimulieren. Da kann man noch so viel auf wissenschaftliche Methoden pochen, es ist nicht nur Handwerk – wie Ihr ja alles wisst.

  7. Doc Holiday am 15. März 2009 um 01:08 Uhr

    @Peter und @ Alfons

    Das hat doch weniger mit Mathematik als mit Makulatur zu tun. OK, lass uns mal nachrechnen: zig-tausende, wie viele sind das ? 10-, 100- oder 500-tausend ? Sagen wir mal 999-tausend. Wer soll denn alle den Schrott anschauen ? Wenn für jedes Sujet nur fünf Sekunden gerechnet werden würde, benötigte man ganze sechs Monate um alles zu begutachten. Die feinen Herren würden sich da ja eher weniger die Hände schmutzig machen wollen. Also käme alles wieder einmal in die gute alte Hand des 23-jährigen Praktikanten. Und du musst zugeben Alfons, das wäre dann auch schon wieder egal.

  8. Peter am 15. März 2009 um 10:40 Uhr

    @Doc Holiday

    “BILD sagt DANKE für insgesamt 10 446 Einsendungen!”

    Das ist überschaubar und die Wahrscheinlichkeit gross, dass was brauchbares dabei ist. Da gehts für die Bild jetzt auch nicht nur um die Werbung, du solltest auch nicht unterschätzen, was da an Content geliefert wird. Ich kenn jetzt die AGB nicht, aber vermutlich musste man die Rechte an Bild abtreten und so haben die jetzt 10.000 Ideen für kleines Geld.
    Und wer weiss, vllt. hat von Matt ja auch bezahlt, dass er noch ein Interview bekommt und noch etwas Werbung für seine Agentur. :-) Wäre dann Werbung 3.0 user generated, paid by agency

    Auch wenn die Idee von Bildblog geklaut war, ich denke, die Aktion war (finanziell) für Bild erfolgreich, funktioniert aber nur einmal.

  9. brigitte am 16. März 2009 um 09:57 Uhr

    Michael Schirner: «Werbung ist Kunst.»
    Joseph Beuys: «Jeder Mensch ist ein Künstler.»
    Keiner hat gesagt jeder soll damit Geld verdienen.

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