Der erste Schuss
Vielleicht hat es ja einen guten Grund, dass Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel nun auf seiner Burg am Gardasee residiert. Eine Trutzburg trotzt Belagerung und Angriffen. Gegen die ökonomischen Verwerfungen und ihre Folgen mögen Millionen-Pensionen und dicke Mauern einen Schutzwall bieten. Vielleicht ist solch ein Einzug eine vorausschauende Immobilienspekulation.
Es könnte ja sein, dass der wachsende Leidensdruck und leere Taschen Gewaltphantasien bei denen wecken, die zu sehen meinen, was aus ihren Hütten in die Paläste verschwindet. Vielleicht brauchen Manager also in der Tat eines Tages hohe und wehrhafte Mauern um sich herum, weil der gemeine Shareholder sich nicht mehr vor den Kopf geschlagen fühlen will, sondern womöglich gerne zurückschlagen würde? So wie einst die Frauen nach Versailles zogen, um mit Gewehren, Piken und Mistgabel Brot zu fordern. Doch noch ist es nicht Oktober.
Aber der Ton wird härter gegen das Ancien Regime der Finanzwelt und die ersten Gewaltphantasien finden durchaus schon Fürsprecher. Schon legt offenbar ein republikanischer US-Senator, ein Mitglied jener Elite also, der man sonst wohl eher geruhsamere Forderungen nachsagen dürfte, AIG-Managern Selbstmord nach dem Vorbild des japanischen Seppuku nahe.
Da schwingt dann auch mit, dass, wenn man schon Moral und Verantwortung von Managern nicht mehr erwarten könne, dann, bitte, doch so etwas wie Haltung möglich sein müsste.
Ein Ausweg vor einem Europa voller roter Fahnen im November? Noch sollte man an die Reformfähigkeit glauben. Und die Politik täte gut daran, den Willen dazu bis zum bitteren Ende durchzuhalten, wenn sie nicht Politik und Wirtschaft in eine Legitimationskrise stürzen will, gegen die keine noch so schöne Imagekampagne für Deutschland oder die EU helfen dürfte. Be Bürger gegen die Sprachlosigkeit? Wenn nicht noch schlimmeres verhindert werden muss. Ich kenne einen Vorstandschef, der plaudert schon mit Galgenhumor über die Palisandergeschönte Stahltür zu seinem Office, an der jeder Besucher erst einmal von einer Videokamera überprüft wird.
Im Moment werden nur die Scherze rauher. Doch selbst über solche Witze, wie sie der US-Late-Night-Host Jim Kimmel in seiner Show mit der Sesamstraße und Milliarden-Bluffer Bernard Madoff macht, kann ich nicht mehr lachen. Es stecken zu viele Körnchen Wahrheit dahinter.












Zumwinkel und die Postbank – die Titanic bringts mal wieder mit dieser “Werbung” auf den Punkt:
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