Krimi aus der PR-Abteilung
Jeder Journalist, so der Spott, hat einen Roman in der Schublade. Markus Ridder hatte da auch einen. Einen Krimi allerdings. Das allein wäre noch kein Grund ihn nach seinem Debüt zu befragen. Aber Markus war einige Jahre HORIZONTler und, was die Sache umso interessanter macht, arbeitet heute im Presseteam von Pro Sieben Sat 1. Genauer: Communications Manager bei Sevenone Media. Und so jemand schreibt einen Krimi?
“Die Krabbe” (Amazon-Link) lautet der Titel und hat als Helden mit dem Privatdetektiv Max Baum (der kurz vor Erscheinen des Buches noch Rick de Jong hieß) eine Art teetrinkenden Philip Marlow auf Abwegen und in einer Midlife-Krise. Journalisten und PR-Berater kommen in dieser Mischung aus Krimi und Roman auch vor. Erstlingswerke sind halt immer ein Stück weit autobiographisch. Irgendwie. Wie also kommt ein PR-Mann zum Krimi? Ein Interview.
Vom PR-Mann zum Krimi-Autor. Wie geht das?
Ridder: Den größten Teil der Geschichte habe ich noch in meiner Zeit als freier Journalist geschrieben. Da hatte ich noch etwas mehr Zeit. Oder sagen wir, ich konnte mir die Zeit besser einteilen. Rund ein Viertel des Buchs ist aber tatsächlich parallel zu meinem Job bei SevenOne Media entstanden. Ich würde sagen: Es ist ein guter Ausgleich zu den wirtschaftslastigen Themen, die ich hier alltäglich bearbeite. Aber Schreiben können — das muss man als PR-Mann natürlich auch.
Die Art des Schreibens kann man sicher nicht vergleichen?
Ridder: Es gibt schon annähernd Identisches. Sowohl beim Thema PR als auch bei der schriftstellerischen Tätigkeit sind die Grenzen zwischen Fiktion und Realität schließlich fließend…(lacht)
Zuvor warst Du Journalist und hast unter anderem auch für HORIZONT geschrieben. Was unterscheidet das Schreiben als Autor vom journalistischen Schreiben?
Ridder: Ich sehe in erster Linie Verbindendes. So nähere ich mich meinen fiktionalen Themen ähnlich wie ein Reporter: Ich habe alle Schauplätze persönlich besucht und die detailreiche Schilderung der Szenen ist mir wichtig. Einige nervt das Deskriptive ja, andere sehen gerade darin einen gewissen künstlerischen Anspruch begründet. Während der Journalist allerdings auf die plausibelste Version der Wahrheit einer Story verpflichtet ist, hat der Schriftsteller die Möglichkeit, die Realität noch ein bisschen weiter voran zu treiben. Das Interessante: Wenn du die Details realitätsnah rüberbringst, gewinnt auch die absurdeste Fiktion eine realistische Patina.
Warum gibt es noch keinen Krimi aus dem ProSiebenSat.1-Umfeld?
Ridder: Gibt es doch: Man muss nur mal einen Blick in die Wirtschaftspresse werfen …
In wie weit ist „Die Krabbe“ denn autobiographisch?
Ridder: Das gesamte szenische Umfeld ist schon mal der Realität entlehnt: Der Roman spielt in der Landsberg-Ammersee-Region und ich habe dort drei Jahre meines Lebens verbracht. Es gibt aber auch einige Deckungsgleichheiten zwischen Hauptperson und Autor: Beide sind Ex-Journalisten, in einem ähnlichen Alter und haben eine gewisse melancholische Veranlagung. Allerdings befinde ich mich nicht in der Mid-Life-Crisis, wie mein Held Max Baum, aber das kann ja noch kommen…
Was tust du gegen eigene Lebenskrisen?
Ridder: Kommt auf die Krise an. Mein erster Impuls ist immer: Einfach abhauen! Quatsch. Natürlich sehe ich die Krise als Chance, Neues aufzubauen und alles viel besser zu machen als es vorher war.
Ganz der PR-Manager….
Ridder: … gelernt ist gelernt
Wie ist denn der Plot entstanden?
Ridder: Rein physisch würde ich sagen: bei endlosen Märschen rund um die Mais- und Rapsfelder zwischen Landsberg und dem Ammersee. Gedanklich beginne ich immer beim Alltäglichen. Dort interessiert mich die Grenze oder die Situation, die Alltag in etwas Außergewöhnliches abdriften lässt. Die Metapher für diese Phänomen in „Die Krabbe“ ist der Tango: Ein erotischer Tanz, der Vorspiel zu etwas anderem sein kann, der aber auch schlicht Tanz bleiben kann. Man kann die Grenze überschreiten oder nicht. Man hat die Wahl. In meinem Buch steht meine Hauptfigur Max Baum vor der Entscheidung: Überschreite ich die Grenze und nutze das brisante Material, das ich als Detektiv recherchiert habe, um davon persönlich zu profitieren oder nicht? Klar, er überschreitet die Grenze — und muss dann immer weitere Tabus brechen, um die Ausgangshandlung zu vertuschen.
Warum muss ein solcher Plot gerade in der Landsberg-Ammersee-Region spielen?
Ridder: Muss er nicht. Aber es gilt der alte — leicht auf die Krimi-Szene adaptierte — Spruch: All crime is local. Die Handlung ist aber universell und könnte an jedem Ort spielen. Im Grunde kann man sagen: Der Plot spielt dort, weil der Autor zufällig in der Region lebte.
Was kann man sonst noch am Ammersee machen — außer schreiben?
Ridder: Man hat ein tolles Freizeitangebot: Von Wassersportarten und Wandern bis hin zum Extreme Beergardening ist alles möglich. Und natürlich kann man an langen Abenden hervorragend der Lieblingsbeschäftigung aller Deutschen nachgehen: Fernsehen schauen.
Buch oder Kindl (E-Book)?
Ridder: Ganz klar Buch.
Online oder Print?
Ridder: Online für News, Print für längere Lesestücke.
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Etreme Beergardening – sehr schön *lach*