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Brauner Sumpf bei Facebook? (mit Update)

14. April 2009
von Olaf Kolbrück

Wir erinnern uns: Es ist noch nicht lange her, da tobte ein Sturm der Entrüstung durch die Online-Welt angesichts tumber  braun-angehauchter Gruppen bei StudiVZ, Wehrmacht-Scherzen und  sonstiger Nazi-Verirrungen. Der braune Dreck macht aber auch vor Facebook nicht halt. Facebook-Seiten zu Adolf Hitler mit Kommentaren wie “fuck the jews!”, zur Fallschirm-Panzer-Division “Hermann Göring, zur SS-Schutzstaffe, oder zu Rudolf Hess – mit dem programmatischen Titel “Rudolf Hess – dein Glaube war stärker als Kerker und Schmerzen!” Wahrscheinlich sind die 515 Mitglieder dieser Gruppe längst vom Verfassungsschutz geortet.

hess_face.jpg

Rund 200 Beispiele hat boocompany zusammengetragen. Darunter einige wenige, man mag es hoffen und glauben, mit klar historisch-fachlichem Interesse. Die Mehrzahl aber braune Dreckschleudern, fremdsprachig und aus Ländern gefüttert, wie beispielsweise das Profil NSDAP aus Australien, mit vermutlich weniger restriktiver Rechtsprechung, wenn es um die Verbreitung von Nazi-Inhalten und Nazi-Symbolik geht.

adolf_face.jpgUnd auch wenn das deutsche Facebook für sich in Anspruch nimmt, für das Netzwerk gelte deutsches Recht nicht (als wenn das Schwenken einer Nazi-Fahne in Nürnberg hinnehmbarer wäre, weil sie in Asien gestrickt wurde) erwägt Boocompany dennoch Anzeige wegen “Volksverhetzung”, “Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen”, „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ undundund.

Das mag zum Scheitern verurteilt sein. Unerträglich ist es trotzdem. Ebenso wie die Bannerwerbung deutscher Unternehmen, die dort (kontingentiert?) aufploppt.  Wie unerträglich finden diese Unternehmen eigentlich das werbliche Umfeld?  Fragen könnte man unter anderem:

Senator Film (Werbung für Public Enemy bei Rudolf Hess)
Xing (bei Der Führer und 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS Handschar.)
Stay friends (bei Adolf Hitler)

Die Beispiele ließen sich fortsetzen.

Update  15.April 16.00:
Nach Informationen der Facebook-Gruppe “Kein Facebook den Faschisten – no social space for Nazis” wird inzwischen wohl einiges ausgesiebt, Gruppen gelöscht.

Update, 16.April, 15Uhr. Telekom stoppt Werbung. Danke an das Cultmagazin für den Hinweis in den Kommentaren

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Kommentare zu “ Brauner Sumpf bei Facebook? (mit Update) ”

  1. Kathleen am 14. April 2009 um 20:40 Uhr

    … warum sollte die Staatsanwaltschaft nicht ermitteln? Facebook wird in Deutschland aktiv von Microsoft Deutschland vermarktet, somit findet hier ein kommerzielles Geschäft – auch mit solchen Profilen statt.
    Eine Anzeige zu erstatten ist doch mit keinerlei Nachteilen verbunden oder geht es mehr darum, dass Facebook von selbst sich reguliert.

  2. martina am 14. April 2009 um 20:43 Uhr

    bitte dann auch gleich alle linksradikalen antifa-gruppen rauswerfen!

  3. M. am 15. April 2009 um 01:05 Uhr

    Hallo “Martina”, stimmt, links ist gleich rechts, und sowieso sind alle politischen Bestrebungen jenseits des Mainstreams gleich Akzeptanz und Gutheißen von geplantem Massenmord… schließlich war der Holocaust auch gar nix besonderes… kann man eigentlich auch mit der PDS gleichsetzen…

    Hallo? Geht’s noch? [edit by admin. Bleib bitte höflich. Danke]!

  4. martina am 15. April 2009 um 12:05 Uhr

    @M.

    Damit hast Du Dich als “Linker” geoutet :)

    Immer die gleichen Sprüche…

    Armes Deutschland!

  5. ramses101 am 15. April 2009 um 12:36 Uhr

    @M: Martina [edit by admin. Bleib bitte höflich. Danke] Aber Hauptsache, die Reflexe stimmen noch.

  6. ramses101 am 16. April 2009 um 01:11 Uhr

    … und gerade hab ich mir noch gedacht: War das vielleicht bisserl hart? Solltest du dich nicht entschuldigen, wie du es immer tust, wenn du über die Stränge geschlagen hast (was schonmal passiert)? Wollte ich gerade tun.

    Und dann: Editiert. Zu Recht, überhaupt keine Frage, ich hätte das ja selbst editiert. Aber höflicher? Na, gute Idee, Versuch:

    Über den wie hoch auch immer angesiedelten Intellligenzgehalt der “Ja-aber-die-doch-auch-Argumentation” bzw., schlimmer noch: den Reflex, muss ich ja nicht großartig was sagen, das kann sich jeder selber denken.

  7. OlafKolbrueck am 16. April 2009 um 09:22 Uhr

    @ramses101. Guten Morgen. Danke (so spät noch wach?)

  8. Bernhard am 16. April 2009 um 11:26 Uhr

    ich wundere mich auch ueber die einseitigkeit der liste.
    das laesst letztlich auch wieder eine ideologie durchscheinen.
    was heisst denn “freie meinung”?
    solange frei wie politisch korrekt?
    ich denke eine gesunde, offene, demokratische gesellschaft muss damit auskommen koennen. und wenn schon moralhammer-kritik, dann doch bitte ohne ideologische scheuklappen.

  9. ramses101 am 16. April 2009 um 12:08 Uhr

    @Bernhard: Was denn für Scheuklappen? Der Holocaust war nunmal einzigartig in der Geschichte. Und nur weil es nicht der erste und nicht der letzte staatliche Massenmord war, muss ich im gleichen Atemzug die Ausrottung der Daker und die sowjetischen Gulags erwähnen? Weil das ja auch schlimm war?

    DAS ist doch PC in ihrer absurdesten Form. Wer gegen linksfaschistische Gruppen bei Facebook vorgehen will – bitte. Meinen Segen hat er. Um die geht es aber im Moment nicht. Dieser Relativismus hat noch nie jemanden weiter gebracht. Warum ist es so schwer, einfach beim Thema zu bleiben? Warum immer die Ja-aber-Keule?

    Linke Gewalt ist ein Problem, rechte Gewalt ist ein Problem. Und wer jetzt die rechte bekämpfen will, heißt die linke gut? Das ist doch albern. Aber politisch korrekt kann man beide natürlich einfach als “politisch motivierte Gewalt” zusammenfassen. Dass die eine wegen anderer Strukturen anders bekämpft werden muss, als die andere? Geschenkt, Hauptsache “ideologiefrei”.

    @Olaf: War ne lange Nacht, deshalb war ich auch etwas auf Krawall gebürstet ;-)

  10. Bernhard am 16. April 2009 um 12:28 Uhr

    -?-
    ich schreibe in keiner zeile von gewalt.

    mein thema war die freie meinungsaeusserung,
    die unterschiedlichen bemessungsgrenzen eben dieser,
    und die notwendigkeit in einer demokratie meinungen zuzulassen, selbst wenn sie unpopulaer und/oder nicht die eigenen sind (was hier – beilaeufig erwaehnt – auch fuer mich gilt).
    meinungen muessen im uebrigen nicht immer kommentiert werden…

  11. ramses101 am 16. April 2009 um 12:55 Uhr

    Bei der Meinungsfreiheit sind wir uns im Prinzip einig. Mir ging es aber um die Kritik an der “Einseitigkeit”, die ja implitiert, Kritik sei ok, wenn sie auch das andere Gleis mit abdeckt. Ob das jetzt Propaganda, Gewalt oder sonstwas ist, spielt dabei eigentlich keine Rolle.

    Und dass Meinungen kommentiert werden, kann schon mal passieren.

  12. CultMagazin am 16. April 2009 um 14:15 Uhr

    Durch Twitter und diesen Blog sind wir auf das Problem aufmerksam geworden und haben bei der Telekom angefragt, die u.a. für ihr Portal http://www.3min.de auf Facebook geworben hat.. hat, weil uns die Telekom aufgrund unserer Nachfrage telefonisch und per Mail sagte sie würde mit sofortiger Wirkung alle Werbung auf Facebook stoppen, weil es derzeit eine Möglichkeit gäbe zu verhindern, dass die Werbung auf rechten profilen und Gruppen erscheint.
    Hier die Mail der Unternehmenssprecherin der Deutschen Telekom:
    „Leider bietet Facebook Werbekunden keine gezielten Möglichkeiten außer über Merkmale wie Alter und Bildungsstand der Zielgruppen die Werbeplatzierung zu steuern.
    Wir sind entsetzt, dass Werbung für das Videoportal 3min auf Facebook auf diese Weise zufällig neben faschistischen Seiten gelandet ist und wussten nicht, dass Facebook Rechtsradikalen hier überhaupt Raum gibt. Dies ist für uns völlig unverständlich.
    Wir ziehen daraus die Konsequenz unsere Werbung mit sofortiger Wirkung dort nicht mehr zu schalten.“

    Das ist doch schon mal ein Erfolg, wenn da noch weitere Kunden Folgen ändert Facebook hoffentlich seine Policy. Auch wenn laut dem Update hier angeblich Profile gelöscht wurden, in den Suchergebnissen von Facebook tauchen immer noch 500 Profile mit Namen Adolf Hitler auf.

  13. Lukas am 16. April 2009 um 14:47 Uhr

    Ich kann das ganze Facebook gehabe auch nicht riechen. Scheine nicht der einzige zu sein. Marc Forster hat für seinem neuen Film nur Leute engagiert die kein Facebook Profil haben oder es für die Drehzeit einstellen. Schon etwas konservativ, aber ich unterstütz es voll. Weiter so, nehmt euch ein Beispiel!
    http://tobiashorka.ch/

  14. RealCapone am 9. August 2009 um 21:51 Uhr

    Bitte denkt aber alle daran das Plattformen wie Facebook, Blogger, Twitter etc. niemals selbst ja, nein, vieleicht oder sonst etwas sagen. Das macht gerade denn Reiz und die Wichtigkeit solcher Plattformen aus.
    Etwas zu verbieten und zu verschweigen bzw. unzugänglich zu machen erhöht die Gefahr das, dadurch das man die Urteilsbildung von Individum direkt einbeflusst / einschränkt die falsche Entscheidung getroffen beziehungsweise falsche Richtung eingeschlagen wird.
    Verboten Früchte schmecken ja bekanntermaße am besten und wenn es statt verboten mehr aufklärung und zur Schaustellung diverser Propaganda geben würde (ob Links, Rechts, Oben oder Unten) wäre jeder dazu gezwungen ohne äußere Einflüsse sich seine Meinung zu bilden.
    Und das ist glaube ich das Ziel was wir alle haben sollten, jeder soll seine Entscheidung, nur für sich selbst, nicht für oder gegen irgendjemanden suchen und finden. Und wer eine Meinung auf eine unmenschliche Weise vertritt oder durchsetzt muss mit den Konsequenzen leben.

    Bitte seit alle die Demokraten für die Ihr euch ausgebt und unterstützt weiter diese wichtigen Plattformen, den ohne diese werden wir uns nicht weiterentwickeln.

    Danke.

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