Kein Paid Content ist auch keine Lösung
Paid Content ist tot – lange lebe Pay for content. Denn es gibt zum Ende der Kostenloskultur keine Alternative, weil die Gratisspirale selbst zum Totengräber qualitativer Inhalte wird. Wir haben uns an kostenlose Inhalte gewöhnt, aber wir können sie uns nicht länger leisten.
Pay for content ist für Verlage auch eine Existenzfrage in Zeiten sinkender Werbeerlöse. Allerdings, und das wird in der Debatte um Paid Content immer wieder gerne übersehen, kann es nicht darum gehen, alle Schranken herunterzulassen und schon am Eingang Eintritt zu verlangen. Entscheidend wird vielmehr sein, die richtige Mischung aus freien Inhalten für die Reichweite und preiswürdigen Angeboten zu finden. Es kann eben jenseits nackter mathematischer Szenarien nicht darum gehen, künftig für alle Inhalte die Kasse aufzuhalten.
Spiegel”-Verlagsleiter Fried von Bismarck ist denn auch nicht der einzige Medien-Manager, der sich fragt, ob kostenlos abrufbare Inhalte auf Dauer in Stein gemeißelt sein müssen. Auch andere Verlage tüffteln zumindest für die Schublade an Lösungen.
Das Rad der Geschichte zurückdrehen? Warum nicht. Man denke an Napster. Es galt lange Zeit als Symbol für das Ende bezahlter Musik im Web. Und heute? Der einfache und bequeme Download (Kostenfaktor Zeit) und die niedrigen Preisschwelle macht den illegalen Download weitestgehend uninteressant. Den Newslieferanten kann dabei entgegenkommen, dass auch das gepatchworkte Lese- und Informationsionsverhalten im Web einen Ermüdungsbruch erleiden wird.
Die Branche steht ohne in Sachen Payment erst am Anfang, schaut gespannt auf hoffnungsfrohe Entwicklungen bei der Financial Times oder die weitere Entwicklung des Wall Street Journal.
Sicher ist: Mit News, die an jedem Web-Kiosk zu haben sind und deren drei Zeilen dem oberflächlichen News-Konsumenten genügen, ist kein Staat zu machen. Es kann und darf dabei eben nicht nur um das Häppchen mehr gehen, dass über die knappe Exklusiv-News hinaus geht. Butter muss bei die Fische. Tieferreichende Informationen, ergänzende Studien, erweiternde Medienformate. Dennoch sollte man nicht nur in solchen Kategorien denken.
Um mal ein zynisches Beispiel zu bemühen: Ich bin sicher, eine Online-Bilder-Strecke der Opfer von Winnenden, die nur als Paid Content per Micro-Payment angeboten worden wäre, hätte sich bezahlt gemacht.
Nun mag ein Finanzschlüssel für Inhalte, die obendrein reichlich Klicks versprechen und PI-hypnotisierte Werbekunden begeistern, nicht in allen Fällen der richtige Weg sein. Aber es gibt weitere Wege, bei denen die PIs nicht gleich in den Keller sausen.
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Ich lese beispielsweise gerne Herrn Martenstein, Herrn Hacke oder auch Herrn Zippert. Kein Grund aber, deswegen das Printprodukt zu kaufen, weil mich der Rest meist nicht begeistern kann. Und solange die Texte online verfügbar sind ….
Ich wäre aber bereit dafür zu zahlen. Möglichst mit einem Klick und in einem angemessenen monetären Rahmen. Solche Nischen können sich summieren.
Noch einfacher aber wäre eine Art Inhalte-Flatrate, bei der Verwertungsgesellschaften à la Gema kassieren und die Erlöse an die Presseverlage ausschütten. “So wird und muss es kommen, das wird ein Teil der Finanzierung sein”, sagt Fried von Bismarck.
Voraussetzung dafür: Verlage, die an einem Strang ziehen.
Dies ist ohnehin die Grundlage für eine erfolgversprechende Einführung von Bezahlmodellen. Es nutzt wenig, wenn morgen oder übermorgen Spiegel Online oder das Handelsblatt alleine mit Bezahlmodellen vorpreschen. Deshalb halte ich es für ein mögliches Szenario, dass wir spätestens 2010 eine Art konzentierter Aktion der Top-Player erleben werden, die skuzessive ein Bezahlmodell zeitlich aufeinander abgestimmt umsetzen. Wahlweise in Form eigener Micro-Payment-Lösungen oder im Rahmen eine titelübergreifenden Flat-Rate.
Flate-Rate zu umständlich, Micro-Payment zu kompliziert, zu teuer? Vielleicht fehlt es auch noch an den richtigen Partnern. Warum sollte man sich den Artikel aus der Wirtschaftwoche, das MP3 von Interview nicht auch via Amazon kaufen können?



















“Das Rad der Geschichte zurückdrehen?”
Dies setzte aber voraus, dass eine “News” ähnlich als Werk angesehen wird, wie ein Musikstück. Dies wird sich schnell erweisen – und darf bezweifelt werden.
Das Werk “Text” wird ja nur deswegen zum vermarktbaren Stück, weil es von einem Autoren kommt. Mag sein, dass wir unter Schmerzen den Wandel vom Verleger- zum Autoren-Journalismus erleben. Dann werden Verlage zu Herausgeber-Marken. Übrigens format-technisch eine ähnlich, wie Sender es heute schon sind. Filterer.
Olaf, grundsätzlich stimme ich Dir zu, allerdings ist das Beispiel mit der Bilderstrecke genau das, von dem ich mir nicht vorstellen kann, dass es funktioniert. Die Bilder waren in dem Fall ja kein Exklusivmaterial bzw hätten es nie werden können. Das soll natürlich nicht heißen, dass es keien exklusiven Bilder geben kann, aber das müssen eben selbst produzierte sein. Genau wie selbst produzierte Texte.
Alles was man sich zusammen suchen oder kaufen kann, landet früher oder später immer im zahlungsfreien Raum (und wenn es die Titelseite am Kiosk ist). Ich glaube wirklich, dass die ganzen Billig-PR-News-Portale die idealen Startbedingungen bilden, aus denen sich ein neuer Qualitätsjournalismus entwickeln kann.
Möglichkeiten gibt es einige, ich denke da insbesondere an so Geschichten wie “National Geographic” oder GEO, die meiner Meinung nach ein Wahnsinns-Internetpotenzial haben, das zwar in Ansätzen genutzt wird, aber noch lange nicht ausgeschöpft. Aber das gilt auch für TV-Sender, die ja nicht ihr komplettes Programm kostenfrei zur Verfügung stellen müssen. Arte+7 ist wunderbar – warum nicht ein kostenpflichtiges Arte+365?
Und natürlich gilt das auch für Zeitungen. Ich wäre auch bereit, für gewisse Texte zu zahlen. Bei manchen Autoren auch gerne im Abo. Nur will ich eben nichts dafür zahlen, dass ein Autor sich die Wahnsinnsmühe gemacht hat, eine Pressemeldung so zurecht zu schreiben, dass sie ins Layout passt.
… als Indiz für meine These:
http://twitter.com/grossstark/statuses/1583745386
@ring2
Wäre ja denkbar: Vermarktung der Edelfedern. Bezahl-Abo für Martenstein-Texte, vielleicht über einzele Publikationen hinaus? Mit besserer Beteiligung derer an der finanziellen Perfomance? Am Ende steht aber womöglich ein 2-Klassen-Journalismus.
@ramses101
Sehe ich ähnliche. Grad hochwertige Titel können mit erweiterten Angeboten in einem Premium-Bereich punkten. Ich halte auch werbefreie Premium-Modelle in dem Zusammenhnag für eine Option.
Aber wieso sind “Billig-PR-News-Portale die idealen Startbedingungen…, aus denen sich ein neuer Qualitätsjournalismus entwickeln kann. ” Doch nur als negatives Gegenbeispiel für gute Qualität. Klar ist, für die Copy&paste-News zahlt keiner.
“Am Ende”?
Das ist doch schon heute so, dass PR-Artikel, Redakteursgedöns 2. Kajüte und Textperlen von Autoren, die ziehen zwischen Titel und Rückseite gepackt werden.
- mit dem Unterschied, dass in Zukunft keiner mehr für die ersten beiden bereit ist zu zahlen ;(
War etwas holprig ausgedrückt. Was ich meinte, war, dass sich die Online-Portale. auch die der Qualitätsmedien, immer mehr einander angleichen und das eben auf diesem schnell-schnell-billig Niveau. Da ist es für Qualitätsinhalt – egal wor er herkommt – einfacher, wieder herauszuragen. Man muss sich (noch) wahrscheinlich gar nicht so sehr anstrengen. Deshalb “ideale Startbedingungen”.
@Olaf
Wäre das nicht eine Möglichkeit?
http://www.myvideo.de/watch/61.....en_koennte
Paid Content kommt umso schneller, umso eher den Medien deutlich wird, wie begrenzt das PI-Wachstum ist. Da ist kaum noch viel zu reiße, um Werbeschaffende weiter zu beeindrucken.
Mit ihren Personaleinsparungen stellen sie sich aber derzeit selbst ein Bein. Wer, bitte schön, soll denn den Mehrwert, die richtig exklusiven Inhalte für das Web noch produzieren. Vielleicht wieder die Redakteure, wenn man die Erstellung der Copy & Paste-PR-News nach Indien oder Deutsch-Südwest-Afrika auslagert.
Mit Ihrer zynischen Aussage zu einer evtl. bezahlten Bilderklickstrecke bewegen Sie sich aber arg auf dem kritisierten Bildzeitungsniveau. Zum Thema Zukunft der Verlage empfehle ich mal “What would Google do” zu lesen. Mangelnde Beweglichkeit hat noch nie gut getan…ebenfalls ist es nicht möglich das Rad der Zeit zurückzudrehen, …meines Wissens hat die NYT es versucht und ist gescheitert. Ich stimme den Vorrednern zu, dass es kurze Billignews geben wird und der Edelcontent wird keine ausreichende Zielgruppe finden…Die Lösung ist woanders zu suchen. Haben Sie sich schon mal gefragt wo der Sinn liegt, dass wir zu manchen Themen bei Google News über 3.000 Artikel finden….Würden Sie behaupten, dass bei 500 die Berichterstattung weniger objektiv ist…???….
Statt einer Content-Flatrate oder eines Abos (wie es eMusic bei Musik und Audible bei Hörbüchern macht), könnte man sich auch ein Prepaid-Modell vorstellen. Einen festen oder auch variablen Betrat einzahlen, und so lange kostenpflichtige Artikel lesen, bis das Prepaidkonto leer ist. Wie bei allen Lösungen muss natürlich sichergestellt sein, dass sich die Website merkt, für was man bereits gezahlt hat, so dass man auch später unbegrenzt auf bereits gekaufte Artikel zurückgreifen kann.
Oder man einigt sich auf einen Standard, zahlt dann einmal zentral sein Prepaidkonto auf und kann auf allen Angeboten, die sich auf diese Zahlung geeinigt haben, Paidcontent in Anspruch nehmen. Wobei “auf Standards einigen” ja nicht so in ist.