Spießer Alfons: Brutalitäten werden als „Werbung“ deklariert
Vorab: Werbung, in welcher gegen die guten Sitten verstoßen wird, ist sittenwidrige Werbung. Und wer solche Werbung treibt, der ist in den Augen des Spießers ein Sittenstrolch.
Wer es vergessen hat: Die Aufgabe von Wirtschaftswerbung ist es, Sach- bzw. Dienstleistungen eines Unternehmens bekannt zu machen mit dem Ziel, die Einstellungen und Handlungen der Zielgruppen zum Vorteil des Werbungtreibenden zu steuern. Diese Aufgabenstellung ist im Allgemeinen bekannt, doch im Besonderen halten viele Werbeagenturen sich nicht daran. Sie sehen die Werbung ihrer Kunden als Möglichkeit, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. “Kreationanie” ist das Fachwort dafür, Copyright by Spießer Alfons. Und andere Werber wiederum sind zu dämlich, um die Produkte ihres Kunden positiv ins Bild zu rücken, weshalb sie stattdessen die Konsumenten verarschen.
— Textanzeige ————————————————————————–
dmexco — Business First! Die dmexco — digital marketing exposition & conference feiert am 23. und 24. September 2009 in Köln Premiere. Die Kongressmesse erwartet über 10 000 Fachbesucher aus allen Bereichen der digitalen Wertschöpfungskette. Anmeldung für Aussteller noch bis zum 30. April! dmexco 2009 — Create Effects!
————————————————————————————————–
Womit Spießer Alfons zum Werbespot des Klamottenhändlers New Yorker kommt, der den Titel trägt „Dress for the moment”. In diesem Spott Spot geht eine Lady in Red durch die Stadt. „Look for love“, wird dazu herzallerliebst gesungen. Und ein junger Mann fährt mit seinem Skateboard voll in ein fahrendes Auto und wird durch die Luft geschleudert. Dann richtet jemand einen Revolver auf den Kopf eines Mannes, und die Feuerwehr lässt einen älteren Herrn, der sich vom obersten Stockwerk eines brennenden Hochhauses stürzt, neben das Sprungtuch fallen. Am Ende dann stürzt die junge Frau im roten Kleid in eine Baugrube, die zugeschüttet wird von einer Wagenladung Geröll. Pressluftramme drauf, fertig.
Das soll Wirtschaftswerbung sein. Als Leser Forian den Spießer vor vier Wochen auf diesen Todesstreifen aufmerksam gemacht hat, dachte der Spießer nicht, dass ein Fernsehsender sowas ausstrahlen würde. Aber haste gedacht: Der Blödsinn läuft tatsächlich im deutschen Fernsehen. Dagegegen könnte der Hornbach-Spot, wo ein Mann brutal zusammengeschlagen wird, fast schon im Kinderprogramm gesendet werden.
Der New-Yorker-Nonsens ist kein Fall für den Deutschen Werberat, weil dessen Mitglieder den Unterschied zwischen Spielfilm und Werbung gar nicht kennen. Aber es ist ein Fall für das Finanzamt. Jedenfalls dann, wenn der Werbungtreibende auf die Idee kommen sollte, die Kosten für Produktion und Schaltung dieses Totenfilms als „Werbungskosten“ zu deklarieren. Das wäre ein klarer Fall von Steuerhinterziehung, weil es sich bei diesem Geld nicht um Kosten für Werbung handelt, sondern um Aufwendungen zu einer persönlichen, abnormen Befriedigung.
Klar, die Kids finden diesen Quatsch voll geil. Und genau das ist das Perfide an dieser Scheiße.
Twittern











Stimme Herrn Alfons voll und ganz zu. Den “Humor”, den viele Zeitgenossen leider besitzen, Gewalt toll zu finden, verstehe ich auch gar nicht.
… volle Zustimmung.
Einmal gesehen war einmal zu viel … aber wie schon geschrieben – die übersättigte Zielgruppe freut sich dran:-(
Vorab: Ich bin im Allgemeinen absolut gegen sinnlose Gewaltdarstellung im Fernsehen und zwischen Filmen und Werbung würde ich persönlich gar nicht unterscheiden, was diesen Aspekt angeht. Bei dem zitierten Hornbach-Spot ist die Gewalt schon allein deshalb deplatziert, weil die Grundidee des Spots grausam einfältig ist und die Brutalität als einziger »Gag« herhalten soll.
Hier aber empfinde ich das anders und ich bin weder ein Teenie, der jeden brutalen Scheiß geil findet, noch gehöre ich zur Zielgruppe des Ladens. Vielmehr halte ich die satirische, augenzwinkernde Umsetzung des Claims »Dress for the moment« sehr gut gelungen und … ja, durchaus witzig. Die Todesfälle sind weder realistisch, noch brutal oder grausam dargestellt; zudem halte ich die Schlusspointe für sehr konsequent und mutig. In einem Satz formuliert: Gewagt, originell, auf den Punkt kommend, konsequent, mutig: Das ist (deutsche) Werbung wahrlich selten.
Der Spießer hat mal wieder vollkommen recht. Und kann evtl. auch irgendwann seinen Blogkollegen von dieser Sichtweise überzeugen: http://off-the-record.de/2009/.....ist-krieg/
Meine Zustimmung. Habe den Spot gestern abend gesehen und muss spiessig zustimmen. Dagegen war die Volkswagen Polo Werbung mit dem Terroristen, die hier niemals im Fernsehen kam, Säuglingsnahrung, d.h. leicht verträglich.
Da die Zielgruppe aber swieso überreizt ist an penetranter und obszöner Werbung, werden sie es nicht wahrnehmen.
Schade eigentlich, dadurch wird sich das zukünftige kreative Werbegeschick nicht positiv beeinflussen, wenn die Jugend mit sowas gross wird.
Besten Gruß,
Basti
Da hilft kein Abwägen, wie und ob vielleicht doch und doch nicht und so…. der Spot schafft es vielleicht in diese schlechten TV-Produktionen wie “Die witzigsten Werbefilme der Welt”, das wars aber schon! Daumen runter für Flachwitze wie diesen!
Ich stimme Aljas zu. Der Spot verherrlich Gewalt nicht, sondern nimmt sie auf die Schippe. Und solange in einem Spot so deutlich klar wird, dass das Ganze mit einem Augenzwinkern zu sehen ist, dann ist das doch vollkommen in Ordnung.
Der Spot ist in meinen Augen nicht Schlimmer als eine ‘Gewaltszene’ aus den Simpsons.
Also wenn man diesen Spot als Schlimm empfindet, dann sollte man auch dafür sein, dass jeder 2. Film, Szenen aus Telenovelas, diverse Serien und all die anderen TV-Inhalte, die deutlich mehr Gewalt beinhalten, aus dem Fernsehen verbannt werden…
ganz gut auf den punkt gebracht von aljas.
was ich aber von otr seite nicht verstehe, ist, dass der 90elf spot hier gut geheißen wird, obwohl die gewalt hier wesentlich deutlicher und ungefilterter dargestellt wird…
sorry, aber ihr werdet immer wunderlicher
Simpsons = Kunst, Satire, Unterhaltung
Werbung = verkaufen
“Name” gehört wohl zu denen, die laut diverser PISA-Studien Schwierigkeiten mit der Lesekompetenz haben Schließlich wie.ß der Herr Alfons bereits im Text – vermutlich aus schlechter Erfahrung – darauf hin, was Werbung ist.
Wenn ich einen gewaltsamen Tod ins Auge fasse, werde ich vorher wohl mal einen Blick auf New Yorker Klamotten werfen müssen, scheinen genau dafür geeignet zu sein. Oder sind die für jene gedacht, die anderen zu einem gewaltsamen Tod verhelfen? Trug Tim K. …?
@ Moosmann
Sorry, aber wunderlich ist Deine Feststellung. Ich habe niemals irgendwo einen Gewalt verherrlichenden Spot gut geheißen.
Wer kleine Kinder hat, die diesen TV-Schrott natürlich auch sehen, der erkläre den Kids mal, dass es witzig ist, wenn Menschen grausam sterben oder in einen Revolver gucken, und dass Mami und Papi deshalb zum Shopping gehen bei New Yorker und sich dann totlachen!
@Andreas K
@Moosmann
Zunächst mal sehe ich durchaus einen Unterschied, weil der Spot einen Ausweg aus der Gewalt aufzeigt, indem er die “Mai-Krawalle umdichtet.
Ich mache aber durchaus auch deutlich, dass ich Bedenken hatte:
“(Zweifel, ob der Spot nicht zu sorglos mit seiner Nähe zur Gewalt auf dem Platz und vor dem Stadion hantiert und Polizisten nicht zu sehr als beißwütige Schergen platziert, während Demonstranten einfach nur “spielen” wollen, klammere ich für 90 Minuten – oder besser gesagt eine Filmminute – mal aus.)
Letztlich war es für mich eine Frage der Interpretation.
@Dierk: Geht es noch platter?
@Spießer: Hast Du jemals eine Folge von Tom & Jerry mit Deinen Kinder gesehen und ihnen simultan erklärt? Gegen den Einfallsreichtum an Todesarten, der dort zelebriert ist, ist der New Yorker-Spot nämlich fast schon harmlos. Nichtsdestotrotz finde ich auch, dass letzterer ins Abendprogramm gehört, wo ältere Jugendliche und Erwachsene den schwarzen Humor eher einordnen können (oder aber auch nicht, wie dieser Beitrag und die meisten Kommentare suggerieren).
@ aljas
1. WER hier platt argumentiert, wird jeder otr-Leser selber entscheiden. 2. Kinder nehmen Zeichentrick und Realfilm unterschiedlich wahr. 3. Viel Spaß beim Einkauf bei New Yorker — vermutlich gibt es dort sogar Hemden ohne Taschen im Sonderangebot.
@Spießer: Platt ist für mich, wenn man wie Dierk Kommentatoren nur aufgrund ihrer konträren Meinung verunglimpft und einfach so furchtbare, reelle Gewaltereignisse mit einem Werbespot in Relation stellt.
Dass der Spot nicht für Kinder geeignet ist, sehe ich ja genauso; man sollte nur nicht so tun, als wenn sie frei von Gewalt und Gewaltdarstellung aufwüchsen. Jugendliche sind hingegen sehr wohl fähig, die überzogene, cartooneske Darstellung des Spots einzuordnen.
Ich erwähne es übrigens gerne noch einmal: Der Laden an sich interessiert mich nicht die Bohne.
Eigentlich sollte ich mich ja nicht auf eine persönliche Fehde einlassen …
Aljas, ich verunglimpfe niemanden, sondern weise satirisch überhöht auf einen Mangel in der Argumentation eines anderen hin. Wenn der Spießer gleich mit einer Prämisse anfaängt – die man nicht teilen muss -, und diese wird im Verlauf der Diskussion ignoriert, dann muss das schon aus intellektueller Ehrlichkeit gesagt werden.
Da es hier auch um eine Frage der Ethik geht, ist meine recht deutlich als Satire gekennzeichnete Frage bzgl. eines noch nicht allzu lange vergangenen schlimmen Ereignis’ angebracht. zumindest lasse ich mir nicht von einem anderen Kommentator sagen, wie ich meine Meinung zu äußern habe.
Ich weiß, dass immer nur die eigene Meinung und der eigene Stil wertvoll sind, wenn andere [wie ich] da angreifen ist das selbstverständlich platt; außerdem natürlich ein Beispiel für Godwin’s Law.
“…Scheiße”, das sagt er sonst nie. Dachte schon, ich wäre hier bei Bohlen. Der Kerl verfolgt einen ja auf Schritt und Tritt.
Bisher konnte ich der Gewalt-Argumentation in diesem Blog bei Werbespots folgen.
Aber dieser hier hat doch eher was von 70er-Jahre -Slapstick-Comedy oder Nackte-Kanone-Humor als Gewalt.
Einziger Unterschied: bei Leslie Nielson oder Didi Hallervorden wäre die Person, die am Sprungtuch vorbeisemmelt wieder aufgestanden.
Also, bei aller Liebe, diesen Spot würde ich sogar meine Kinder gucken lassen.