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Medien-Blog überlebt mit Paid Content – Die Lehren

28. April 2009
von Olaf Kolbrück

Das Blog Medienlese stand vor dem Aus. Nun  überlebt zumindest die Rubrik “6 vor 9″ mit Hilfe einer Spendensammlung. Daraus lassen sich gleich mehrere Lehren ziehen.

Kurze Erklärung der Hintergründe für all jene, die sich nicht in Bloggerkreisen bewegen: Medienlese ist Teil des Netzwerkes der Blogwerk AG. Zum 30. April drohte die Schließung des Blogs. Grund: fehlende wirtschaftliche Basis. Vor allem das Ende der Rubrik “6 vor 9″, die jeden Morgen sechs Medienthemen aus anderen Kanälen knapp zusammenfasst, sorgte für Trauer. Diese Rubrik ist nun gerettet. Sachar Kriwoj, Pressesprecher bei Roccatune, startete in seinem Blog Massenpublikum eine Spendenaktion via betterplace und sammelte 2000 Euro ein, die den Fortbestand für ein halbes Jahr sichern. Crowdfunding nennt sich das neudeutsch.

Daraus lassen sich drei wichtige Lehren ziehen:

1. Leser sind bereit, auch für Inhalte im Web zu bezahlen, wenn diese für sie einen Wert darstellen und die Inhalte in dieser Form nicht ubiquitär sind. 62 Leser spendeten zusammen 2000 Euro. Macht im Schnitt rund 32 Euro, oder einen guten 5er pro Monat für jeden.

2. Jenseits eines Solidaritätseffekt in der Bloggerwelt, der auch eine Rolle spielen mag, sind Bezahlmodell also durchaus im Ereignishorizont, solange die zu zahlende Münze an die digitalen Bänkelsänger überschaubar bleibt.

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3. Bei der Rettung ging es nicht um den gesamten Blog, sondern nur um ein Teilangebot, das eine Art News-Sammlung ist. Allerdings nicht mit Programmcodes und Algorithmen fabriziert, sondern mit menschlicher Leistung. Es gibt also offenbar einen Bedarf an Filtern, an Gatekeepern, die aus der Flut der Informationen im Web, die interessantesten Teile herauspicken und knapp aufbereiten.
Es gibt also Bedarf an digitalen Kuratoren, Steve Rubel hat den Gedanken auf der letzten Next08 vorgestellt, die uns helfen, uns in der Menge an Informationen zurechtzufinden. Das funktioniert umso besser, desto kleiner die Nische ist, desto profilierter die Marke oder die Person ist, die dahinter steht. Es zeigt auch, das menschlichen Lösungen der Vorzug gegeben wird vor technischen Lösungen oder einem Input, der aus dem immer selbst zu organisierenden Flow innerhalb des eigenen Informations-Netzwerkes (Twitter, Facebook, etc) besteht. Der digitale Kurator ist gefragt, weil er Bequemlichkeit produziert.

4. Leser sind also bereit für ihre Bequemlichkeit zu bezahlen.

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Kommentare zu “ Medien-Blog überlebt mit Paid Content – Die Lehren ”

  1. Frank Schenk am 28. April 2009 um 10:19 Uhr

    Ich stimme dir zu Olaf, daß Menschen durchaus bereit sind, für Informationen zu zahlen. Allerdings widerspreche ich Punkt 4. Ich denke, das hat wenig mit Faulheit zu tun, mehr damit, daß man die kreative Arbeit eines Menschen belohnen und erhalten will.

    gruß, Frank

  2. Lucas von Gwinner am 28. April 2009 um 11:25 Uhr

    Ob das so stimmt wird sich erst in einem halben Jahr zeigen wenn es erneut um eine Verlängerung gehen sollte. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfte Punkt 2 der Argumentation noch der entscheidende sein.

  3. OlafKolbrueck am 28. April 2009 um 12:46 Uhr

    @Frank Schenk Den Wunsch nach Zeitersparnis würde ich nicht mit Faulheit gleichsetzen.
    @lucas von gewinner Bin auch gespannt, ob die spendensammlung langfristig etwas nutzt. Sie ändert ja erst mal nichts am grundsätzlichen Problem mangelnder werbeerlöse.

  4. Puh am 28. April 2009 um 13:55 Uhr

    2000 Euro reicht für 1/2 Jahr Bloggen? was soll denn der Schwachsinn? ich verdiene überhaupt nix mit meinen Blogs und Fotoblogs und zahle für mehre Domains für das Webhosting keine 120 Euro im 1/2 Jahr. was ist denn in den 2000 Euro alles drin?

  5. Jan am 28. April 2009 um 21:13 Uhr

    @Puh: In dem Artikel oben fehlt vielleicht der Hinweis, dass das keine Hobbyprojekte sind. Die Autoren bei den Blogwerk-Blogs werden bezahlt und leben zumindest teilweise davon. Das ist ihr Beruf, was ja nichts Ungewöhnliches ist. Andernorts nennt man eine ähnlich gelagerte Tätigkeit “Journalist” und die bekommen ja auch sehr oft Geld für ihre Arbeit ;-)

    Die 2.000 Euro sind natürlich nur ein Teil des Gehalts. Den Rest steuert nun noch Blogwerk hinzu.

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