Sascha Hanke (JvM): “Als Werber ist man so eine Art Hure”
Es gibt wahrscheinlich kaum eine Berufsgruppe, die so gerne mit Steinen durchs Glashaus wirft wie die Werber. Wenn manche das Berufsbild vom Werbefuzzi wegdefinieren möchten und sich wie Stefan Kolle von Kolle-Rebbe im Spiegel für eine Positionierung als “Berater mit kreativer unternehmerischer Intelligenz” stark machen, dann kann man beinahe sicher sein, dass auf der anderen Seite ein fröhliches Selbstkasteien zu hören ist.
In der aktuellen Mai-Ausgabe der Zeitschrift U_mag geißelt jedenfalls Sascha Hanke, Geschäftsführer Kreation bei Jung von Matt, die Werbewelt mit Vergleichen aus dem Rotlicht-Milieu: “Als Werber ist man so eine Art Hure” klagt Hanke und skizziert einen kreativen Innenraum aus masochistischer Veranlagung, Gewissensbissen und dem eigenen Selbstverständnis als Klempner.
Hier lesen ja nun einige Werber mit: Fühlt ihr euch, liebe Leser, ähnlich? Seht ihr euch als Prostituierte? Kennt ihr den Selbsthass? Seht ihr euch auch als Dienstleister, als Klempner, ein durchaus ehrbarer Beruf, oder doch eher als Berater auf Augenhöhe ?
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“So eine Art Hure”… was für ein Feigling. Werber SIND Huren. Da gibts auch gar nix schön zu reden. Leuten im Tausch gegen Geld Liebe und Qualität vorgaukeln – das ist Prostitution.
Im Gegensatz zur Prostitution ist Werbung das älteste Gewerbe der Welt! Sie begann mit der Schlange am Baume der Erkenntnis! Ich glaube, jede ehrbare Hure wird sich dagegen verwehren, mit Werbern verglichen zu werden!
Definitiv Hure – nur schlechter bezahlt.
Jaja, Spießer schon klar.
Ich finde, man liest aus dem Interview vor allem eines raus: Der Typ hat einen realistischen und ironischen Blick auf seine Branche und trotzdem Spaß an seinem Job. Das finde ich tausendmal angenehmer, als sich in Allmachtsfantasien a la “Kreativität ist der einzige Ausweg aus der Wirtschaftskrise” zu ergehen.
Auf jeden Fall hat er Recht. Werbung ist Prostitution. Und es ist erschreckend, was die Freier (Kunden) von einem so verlangen. Ich mache nicht alles und habe dadurch durchaus meine Probleme.
Hab gerade das ganze Interview gelesen. Peinlich. Kein Wunder, dass bei den Unternehmen das Vertrauen in die Leute, die ihre Werbung machen, immer mehr schwindet.
Ich habe das Interview jetzt nicht gelesen, aber welcher Job in abhängiger Lohnarbeit wäre dann keine Prostitution? Oder geht es darum, daß Werber ja eigentlich alle gerne Schriftsteller und Künstler wären, ihren Beruf aber nur wegen des Geldes machen? Analog zu den Nutten und Stripteusen, bei denen es zur Schauspielerin bzw, Tänzerin nicht gereicht hat?
@drikkes
die wenigsten werber wollen schriftsteller sein. glaub mir das.
im gegenteil, es gibt sogar ehemalige texter, die heute erfolgreiche schriftsteller sind und einzig und alleine aus spaß am texten hin und wieder werbung machen. diese komplexe haben wir nun wirklich nur in den seltensten fällen. wer auf hohem niveau werbung macht, kann sich voll und ganz austoben.
Zwei Dinge: a) wenn ich als Kunde so etwas von meiner Agentur lesen würde, d.h., ich somit der Freier bin, dann würde ich mir mal überlegen, mit wem ich dort in Geschäftsbeziehungen stehe. Da stimmt ja etwas in der gegenseitigen Wahrnehmung nicht.
b) Andererseits: Hure ist aus meiner Sicht ein total ehrenwerter Beruf – eine Dienstleistung für eine große Klientel, die woanders nicht das bekommt, was sie sucht: jemand, der das tut, was gewünscht ist gegen Bares. Und Edelhure werden im Gegensatz zu einigen Textern wohl in der Tat recht gut bezahlt. Vielleicht hilft es also, mal über die Erwartungshaltung an den eigenen Job nachzudenken. Entweder, ich entscheide mich fröhlich und bewusst fürs Hurendasein – oder ich hör auf zu nörgeln und orientiere mich in eine Richtung, in der ich mich nicht als Hure fühlen muss.
Der wohlfeile Vergleich Werbung = Prostitution hinkt , wie halt jeder Vergleich. Warum?
Prositution ist in unserem Kulturkreis häufig/meist mit der Herabwürdigung des Intimbereichs der Person zu einer verfügbaren Ware verbunden.
Wo bitte ist der Intimbereich eines Texters/Grafikers in seiner Arbeit gefordert, der dann auch noch herabgewürdigt wird, indem man ihn zur käuflichen Ware macht. Intimbereich wäre: seine intimsten Gedanken, seine körperliche Nähezone (unter 50 cm), um es mal konkret zu sagen.
Verkehrte Larmoyanz
Werbung ist doch nichts anders als wahlweise gute Ideen oder Dünnblubb versuchen, zu Geld zu machen. Davon ist aber doch der Intimbereich nicht betroffen. Das betrifft andere Jobarten genauso: der Entwicklungsingenieur wie der Sachbearbeiter muss auch sein Gehirnschmalz gegen Salär abliefern, so einfach ist das. Wenn es ihnen nicht gefällt, weil sie die Ziele ihres Arbeitgebers ein keinster kleinen Teilmenge teilen, dann müssen sie halt woanders hingehen.
Ich halte Hurentum, Prostitution für einen deutlich wesentlicheren Einschnitt in die eigene Integrität als das Ideenfinden für einen mehr oder weniger attraktiven Kunden je sein kann.
Kann Werbern nur raten, mit ihrer Larmoyanz aufzuhören und den hier mitschreibenden Männern, sich Gedanken zu machen, warum sie Prosititution für “ehrbarer” als sonstige Berufe halten.
alles gute kommentare – wundert mich bloß, dass solche klischeestatements, die offensichtlich auf eigen-PR gebürstet sind, noch irgendeinen (werber) hund hinter dem ofen hervorlocken.
spricht nicht gerade für eine ausgeprägte selbstreflexion der branche…
… was für eine erkenntnis … als wenn kolle mit einer derartigen bezeichnung der erste wäre … das hört man doch schon seit ewigkeiten immer wieder als ironische beigabe. glob, der spießer (als mediennutte) muss mal wieder unter das volk und das eine oder andere gespräch mit der basis führen, um up-to-date zu sein. sein beitrag ist in diesem falle (ausnahmsweise) ein peinlicher lückenfüller.
kleiner tipp für den spießer: mal ins artemis laufen und schauen wie gut sich werber mit huren verstehen. vielleicht triffst du dort auch octave parango….
–> tausche kolle & hanke.
@ Alex
Also, mir geht’s da genau andersrum. Ich finde diesen Beitrag vom Spießer (ausnahmsweise) mal nicht total platt, kleingeistig und peinlich. Das könnte aber auch einfach daran liegen, dass dieser Beitrag gar nicht vom Spießer ist, sondern von Olaf. Mit Namen hast du’s aber heute, oder?
wie ist das? müssen ein kolle oder ein kassaei wirklich noch speichel lecken?
Ich empfehle jedem, der sich an dieser aufgeregten Diskussion beteiligen möchte, das fragliche Interview NICHT zu lesen! Ihr würdet sofort erkennen, wie harmlos und banal das Gesagte ist. Nur wenn man die Huren-Passage herauslöst, sie ordentlich befeuert, kann überhaupt ein (Blog füllendes) Thema daraus werden. Der Spießer bedient sich einer so simplen Masche, um Aufmerksamkeit zu generieren, dass ich mich nicht einmal dafür bejubeln lassen kann, sie durchschaut zu haben.
Für den Abspann: Ich kenne keinen Sascha Hanke und verkehre auch nicht in seinen Kreisen. Es kann sein, dass er ebenfalls regelmäßig zum Mittagessen in die Schanze geht, aber er ist mir nie aufgefallen. Ich gucke demnächst mal genauer hin. Ein Glatzkopf in Blaumann und Stöcklschuhen —Â das muss man gesehen haben!
@Kawumm
Sie haben natürlich vollkommen recht und ich muß meine Meinung auf ganzer Linie ändern: Fast alle Werber machen ihren Job aus Leidenschaft auf das dabei verdiente Geld ist noch weniger als die zweitschönste Nebensache der Welt.
@Vroni
Volle Stimmung. Der Vergleich würdigt Prostituierte herab.
(Das Interview habe ich immer noch nicht gelesen.)
@drikkes
wieso bist du eigentlich so fürchterlich stolz drauf, das Interview, um das es hier geht, gar nicht gelesen zu haben?
@ drikkes
der neueste beitrag auf deinem blog (die frau, die den mann aufbläst) ist übrigens auch werbung. und wahrscheinlich von einem menschen, der spaß am entwickeln von ideen hat — und deshalb irgendwann viel geld verdient, ohne es darauf angelegt zu haben.
@ Felix: Hure stimmt, aber schlechter bezahlt? Kommt auf die Hure an