Spießer Alfons: Post von Michaela (“manager magazin”)
Zwischen einem Leser vom „manager magazin“ und einem Leser von „Heim und Welt“ dürfte ein Unterschied bestehen. Den sieht Michaela Dose vom aboservice@manager-magazin offensichtlich nicht, denn sie schreibt an einen Leser vom „manager magazin“, der sein Abo gekündigt hat, einen Brief, den Spießer Alfons nachfolgend zitiert und kommentiert:
„ … herzlichen Dank dafür, dass Sie manager magazin bisher im Abonnement gelesen haben. Jetzt haben Sie uns gebeten, Ihr Abonnement zu beenden.“
Letzteres ist nicht korrekt: Spießer Alfons, der Abonnent vom “manager magazin”, hat um nichts „gebeten“, sondern er hat sein Abo einfach gekündigt. Keine inständige Bitte also, sondern Vertragsauflösung nach Vereinbarung.
„Da wir Sie jedoch nur ungern als Leser verlieren, möchten wir Sie fragen, aus welchem Grund Sie in Zukunft auf manager magazin verzichten möchten. Ihre Anregungen nehmen wir gern in einem persönlichen Gespräch entgegen, nutzen Sie hierfür unsere kostenlose Servicenummer: 0800/5667668.“
„Verzichten“? Der Spießer hat keine Verzichtserklärung abgegeben, sondern eine Kündigung. Damit ist nicht gesagt, dass Alfons auf das Magazin verzichtet, weil er es ja jeden Monat am Kiosk kaufen kann. Und welche Art von „Anregungen“ soll Alfons der Michaela geben? Was auf Hamburgs Bühnen derzeit Interessantes geboten wird? Oder handelt es sich hier eventuell um ein verstecktes sexuelles Angebot? Natürlich könnte auch gemeint sein, dass Alfons der Michaela ein paar Anregungen geben soll, wie sie einen Brief der vorliegenden Art mit etwas mehr Leidenschaft formulieren könnte.
„Darüber hinaus halten wir ein sehr attraktives Angebot für unsere treuen Leser bereit. Lassen Sie sich von uns beraten!“
Hä? Zum einen ist ein Abonnent, der kündigt, nicht unbedingt ein „treuer Leser“. Und warum schreibt die Michaela nicht, um was für ein „attraktives Angebot“ es sich handelt? Schließlich will sie den Spießer damit nicht überraschen, sondern sie möchte ihn über ihr attraktives Angebot „beraten“.
„Das manager magazin ist das monatliche Wirtschaftsmagazin für Entscheider und Führungskräfte, Wirtschaft aus erster Hand — das ist dieLeitidee. Darüber hinaus: Unternehmensanalysen, Hintergrundinformationenund aktuelle Management-Trends.“
Abgesehen von Michaelas Tippfehlern: Was soll dieser Absatz? Glaubt die Dame vom Abo-Service, dass ein langjähriger Abonnent vom “manager magazin” nicht erkannt hat, was das für ein Magazin ist, das er jahrelang bezogen hat …?
„Wir freuen uns auf Ihren Anruf.
Mit freundlichen Grüßen
manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Kundenservice“
Hinweis: Wenn man so einen Brief mit persönlicher Anrede schreibt, dann sollte man diesen Brief auch persönlich unterschreiben, liebe Michaela Dose!
„Testen Sie einmal eine unserer anderen Zeitschriften. Bei uns erscheit auch Harvard Businessmanager. Rufen Sie uns einfach an!“
Ein wunderschöner Nachsatz: Zum “Harvard Businessmanager” wird — im Gegenteil zum „manager magazin“ — nichts über den Inhalt gesagt. Auch wurde kein Probeheft beigefügt. Klar, dazu muss man „einfach“ anrufen. Oder zweifach.
Spießer Alfons hat keinfach angerufen.
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Ja, eine Frechheit, was diese Verlage machen. Ich habe solche Erfahrungen auch schon machen müssen. Spießer Alfons wird zudem in Kürze weitere Angebote in der Post haben, weil seine Adresse ja auch noch verkauft (“rumgereicht”) wurde…
Lieber Spießer,
noch nie was von “Redemption” gehört?
Zu versuchen, dass Abonnenten ihre Kündigung zurückziehen, gehört auch zur Kundenkommunikation (sprich ist im weiten Feld von CRM angesiedelt). Ist ja ihr gutes Recht, mal nachzufragen. Du musst ja nicht darauf reagieren (dann wird vielleicht noch mal telefonisch nachgefragt).
@Macmat: Ich denke, es geht hier eher um die Art und Weise
@ Macmat
Genau! So einen Brief lasse ich doch nicht von irgend einem Abo-Mäuschen schreiben, sondern das muss der Herr Chefredakteur “persönlich” tun bzw. der Verlagsleiter.
Abo-Mäuschen … soso ;o)
Na, lieber Spießer, wer sitzt denn da im Glashaus?
Damit sich niemand auf den weiten Weg in die mediaclinique machen muß, hier mein Post vom 26. Mai 2008:
“Ihre Meinung ist uns wichtig – aber doch nicht so richtig!
Hoffend, die Chance zu nutzen, meine Abo-Storni von ‘werben & verkaufen’ und ‘horizont’ zu erklären, schrieb ich nicht, sondern rief sie an. Leider interessierte niemanden, daß – geschweige warum – ich stornierte. Stoisch beamtenhaft wurde die Kündigung notiert.
Tage später kamen 2 Briefe; “Überdenken Sie nocheinmal Ihren Entschluß …” (horizont) und “Ihre Meinung ist uns wichtig!” (w&v).
Anscheinend aber interessiert in Wirklichkeit niemanden meine Meinung oder die eines x-beliebigen anderen potentiellen Ex-Kunden – weder hier, noch da.
Warum haben sie nicht mit mir gesprochen als sie mich am Apparat hatten? Warum schwitzt da überhaupt jemand am Telephon und sitzt sich den Popo wund? Warum lesen diese Menschen nicht ihre eigene Postille und lernen, wie arg es in Deutschland mit den Emotionen um Marken und Medien bestellt ist, und daß Werbung alleine nicht mehr funktioniert, und daß jeder Kontakt mit dem Konsumenten ein wertvoller ist und genutzt werden sollte?
“Natürlich wollen wir von Ihnen wissen, was Sie zu dieser Entscheidung bewegt hat und bauen somit auf Ihre aktive Mitarbeit.” stand in dem einen Brief.
Und dann soll man die beigelegte Karte ausfüllen und zur Karteileiche werden, denn wie gesagt, ich habe ja mit dem Herren gesprochen. Er hatte die Chance, selbst ‘aktiv mitzuarbeiten’, mir Fragen zu stellen, mir meine Unzufriedenheit zu nehmen, indem er den Abopreis halbiert oder sich in der Redaktion für eine Qualitätsverdopplung einsetzt.
Auf der Karte kann man ankreuzen, was einen bewegte zu gehen. Da steht zB “HORIZONT ist nicht lesefreundlich genug.” Was in dreiteufelsnamen soll das sein? Lesefreundlichkeit? Was mir dazu einfällt (da ich nun schonmal am Telephon war), ist eher: HORIZONT ist nicht LESERfreundlich genug.
“Wir bedauern es sehr, daß wir Sie somit als werben & verkaufen-Leser verlieren werden und möchten uns an dieser Stelle nochmals für Ihre Treue bedanken.” Mir kommen die Tränen – UND ICH DANKE FÜR IHR ENGAGEMENT!
Man will anscheinend gar keine Leser halten / zurückgewinnen, sondern nur eine Statistik führen, aus welchen Gründen sie gingen.
Beide Titel geben übrigens die Nummern ihrer Service-Hotlines an. Schade, daß sich niemand service-bereit fühlte als ich anrief.”
@ AndreasK
Ich habe bei diesem Wort einen Augenblick überlegt, dann aber gemeint: Wer so einen Brief schreibt, kann nur ein Abo-Mäuschen sein.
@ ralf schwartz
Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht im Glashaus sitze: Es gibt Muss-Zeitschriften und Kann-Zeitschriften. Wer das Abo einer Muss-Zeitschrift (z. B. HORIZONT) kündigt, zeigt damit an, dass er sich aktiv aus dem Business verabschiedet — zumindest mental. Insofern gelten hier andere “Gesetze” als bei einer Kann-Zeitschrift.
sorry, aber horizont ist keine muss-zeitschrift. w&v und new business leisten genau das gleiche. abgesehen davon kann man die wichtigsten dinge ja kostenlos auf horizont.de lesen.
mal sehen, wie lange es die printausgabe dieser muss-zeitschrift noch gibt…
„… ein sehr attraktives Angebot für unsere treuen Leser“, darüber hätten sie mal lieber vorher beraten sollen. Alfons hat Recht, das muss von der Abo-Maus stammen. Der/die Chefs kümmern sich nicht mehr um ihren Laden, dann kommt so was dabei raus.
@ spießer
Zu wenig Relevanz, zu wenig Zukunft, zu wenig Best Practice, zu wenig Meinung und Kritik, zu wenig Praxisnähe, zu wenig Blick über den Tellerrand, zu wenig Power, um MUSS-Zeitschrift zu sein.
Und wie kawumm sagt: online reicht, und turi2 und wuv, und und und
… aber das ist meine persönliche Meinung, deshalb bin ich gegangen, nicht weil ich mich mental aus der Branche verabschiede – sondern weil die Branche weitaus mehr ist und mehr kann, wenn sie denn will.
Diese Geiz-ist-geil-Mentalität (“Krieg ich doch im Internet alles gratis!”) ist die Hauptursache an der Medienkrise. Wären sich alle Medien einig, Leistungen nicht mehr zu verschenken und es auch den “Nachdruckern” (sprich: Raubkopierern) in Rechnung zu stellen, dann wäre das Angebot wieder sehr übersichtlich. Und viele Arbeitsplätze wären gerettet.
Man könnte natürlich auch sagen, das Internet führt normalerweise den Offline-Titeln Leser zu.
Man könnte natürlich auch sagen, der Abopreis von 165 Euro ist sehr hoch für ein Angebot, daß mehr oder weniger austauschbar ist.
Den Spiegel zB habe ich noch abonniert, lese ihn aber nur online.
Die Hauptursache der Medienkrise ist die weitläufig fehlende Qualität, der sehr oft fehlende journalistische Ansatz, die überbordende Boulevardisierung, keinesfalls aber das Internet.
Die Hauptursache der Medienkrise ist, daß sich die Verlage ebenso wie die Autoindustriellen zulange nicht mehr mit der Realität da draussen befaßt haben.
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
@ ralf schwartz
Was wäre, wenn alle Verlage ihre Gratis-Online-Angebote stoppen würden? Was liest Du dann? Anzeigenblätter und Twitter?
“Die Verlage haben sich nicht mehr mit der Realität da draußen befasst”? Doch, sage ich, viele von ihnen waren sogar so dumm, dieser “Realität” zu folgen und sie damit zu fördern, indem Redaktionen ihre Leistungen verschenken, die von den Print-Lesern mit bezahlt werden. Und dazu müssen die Verlage noch mit dem Bettelhut durch die Wirtschaft laufen, um Geld für ihre verschenkte Arbeit zu sammeln.
Wann wachen endlich die Leute auf, die so immens stolz sind auf ihre Internetseiten, die nur Geld bringen, wenn sie den Eigentümer wechseln (siehe: Basic!)? Und der neue Eigentümer muss dann wieder einen neuen Käufer suchen, will er sein Geld wieder sehen. So gesehen ist das kein Job, was die Leute dort machen, sondern Freizeitbeschäftigung. Denn wer arbeitet, muss auch Geld dafür bekommen, oder siehst du das nicht so?
Klar, man muss auch nicht mehr zum Essen ins Restaurant gehen. Die Realität: Überall am Wegesrand wächst und krabbelt Essbares — gratis.
Peter, du bist nicht zufällig “Journalist” bei einem gedruckten Blättchen?
Die Vorstellung, alle klassichen Medienfirmen [ich packe mal das Fernsehen mit dazu] könnten darauf verzichten, etwas “gratis” anzubieten und dadurch ihre Wirtschaftlichkeit erhöhen ist … naiv. Qualität und Service sind wichtig, ganz wichtig, ganz ganz wichtig. Wer einfach nur PR-Meldungen und Agenturtexte druckt, verliert. Wer andererseits selbst recherchiert, nachvollziehbar analysiert und interessant schreibt, braucht sich wenig Sorgen zu machen.
Am Ende ist es ohnehin albern, diese angebliche Dichotomie Online vs. Offline aufrecht zu erhalten, denn das Medium ist eben nicht die Botschaft – zumindest nicht, wenn es um Nachrichten, Reportagen, Dokumentationen und Analysen geht. Offline ist nicht teurer, weil da bessere Menschen arbeiten, sondern weil Material, Verarbeitung und Vertrieb ein Schweinegeld kosten.
Danke Dierk.
Peter, eine Wirtschaftswoche, die eigentlich 180 Euro im Abo kostet, schenkt einem 140 Euro, wenn man abonniert. Macht 40 Euro für 50 Ausgaben! Und das ist nicht geschenkt? Wo ist denn heute noch der Unterschied zwischen gratis und gratis?
Hier ein Zitat von Ulrike Langer:
“Jarvis stellt drei typische Reaktionen auf den digitalen Medienwandel fest, die ihm immer wieder begegnen:
* negieren (sinnlos)
* jammern (unproduktiv)
* den Wandel bejahen und darin Chancen für Innovation und neue Geschäftsmodelle entdecken (die einzig sinnvolle Reaktion).”
http://medialdigital.wordpress.....arnsystem/
In diesem Sinne: Schönes Wochenende!
@ ralf schwartz @ Dierk
Danke für die Diagnose, Herr Doktor der mediaclinique
! Allerdings bringst Du da etwas durcheinander: Nicht der Abonnent der WiWo bekommt die 140 Euro, sondern der Vermittler des Abos, quasi der Makler. Und für den Verlag rechnet sich das Abo nach dem ersten Jahr. Der Rest ist Hoffnung auf Nicht-Kündigung. (Dass das mit der “Freundschaftswerbung” unterlaufen wird, ist klar. Genauso, wie Werbeagenturen nach den Tarifen der Verlage auch nicht rückvergüten dürfen und es trotzdem tun!) Und selbst 40 Euro sind besser als 00 Euro!
Außerdem: Print-Medien leben immer noch vom Anzeigengeschäft. Und das ist abhängig von der Zahl der Leser. Was man also auf der einen Seite sät, erntet man auf der anderen. Insofern muss man mehr Geld in die Publikumswerbung stecken, was unter “Anzeigenwerbung” verbucht werden kann. Je weniger Anzeigen man bekommt, desto weniger rechnet sich das. Kein Wunder, dass Focus jetzt den Rückweg antritt und “offensive” Abowerbung einstellt.
Ich bin ein entschiedener Gegner von Gratis-Abgaben. Vergleicht doch mal die TV-Sender, die ihr Programm gratis anbieten, weil von der Werbung gesponsert, mit den Programmen, die der Zuschauer bezahlen muss. Erkennt ihr einen Unterschied? Für die Seichtigkeit sind die Werbekunden der Sender verantwortlich.
Will meinen: Die Billigheimer können gar keine anspruchsvollen Programme machen, weil dann die “Quote” nicht stimmt. Und: Haltet ihr es wirklich für sinnvoll, dass allein die Werbung treibende Wirtschaft bestimmt, welche Medien bleiben, welche gehen sollen…? Genau darum ist der Waschzetteljournalismus entstanden, den ihr genauso wenig wollt wie ich.
“Neue Geschäftsmodelle entdecken”? Genau: Nichts mehr gratis ins Netz stellen! Wenn alle sich darin einig sind, könnte es funktionieren. Und somit unterstreiche ich die Worte: Die Branche kann mehr, wenn sie denn will!
Erkennst Du einen Unterschied zwischen dem werbefinanzierten Privat-TV und dem mit über 7 Milliarden GEZ-Zwangsabgabe finanzierten Öff-Rechtl.-TV?
‘Wenn sich alle einig sind’ funktioniert nie. Manchmal nennt man dieses ‘einig sein’ Kartell, manchmal Dummheit, denn der Trick ist nicht, primär Geld zu verlangen, sondern primär Leistung zu bieten. Die allermeisten Verlage ‘verschenken’ ihre Objekte zu einem Preis von 50 Cent – 1 Euro. Sieh Dir nur alle Abo-Versprechen an. Und da hatte man sich vor langer Zeit auch geeinigt, sich nicht derart zu unterbieten. Getan wird es trotzdem.
Oder sieh Dir die Agenturen an, die sich von 15% Honorar auf nahe Null haben runterverhandeln bzw. – konkurrieren lassen.
Der Zeitschriften- und Zeitungsmarkt hat eine (längst überfällige) Bereinigung dringend nötig. Nicht jede Hunderasse braucht ihre eigene Zeitschrift, niemand braucht 5 Wirtschaftstitel aus einem Verlag, etc.
Hallo zusammen,
den Brief finde ich jetzt nicht sooo übel. Wie macmat schon gesagt hat: ist halt Redemption (bzw. retention). Zwar kann man auch das besser machen aber es ist immerhin besser als nichts zu tun.
Schlimmer finde ich die jüngste Werbeaktion aus der Abteilung Nepper, Schlepper, Bauernfänger:
In einem Brief bat mich das MM, eine Umfrage auszufüllen. Dafür hätte ich das Geschenk XY als Dankeschön bekommen. Im Kleingedruckten wurde ich dann auf das Probeabo hingewiesen.
Ich hab mich zwar nicht “fangen” lassen, finde aber, dass diese Art der Abo-Werbung nicht ganz sauber ist.
Anscheinend scheint auch die FTD mit dem gleichen Dienstleister zu arbeiten. Einen Tag später hatte ich einen Brief mit der gleichen Mechanik im Postkasten.
Ich würde diese Zeitschriften aus Prinzip nicht abonnieren….