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Kindle: Das Danaergeschenk für Zeitungen

12. Mai 2009
von

Ich bekenne: Manchmal, in langweiligen Momenten in einer Regionalbahn, wenn die Fensterscheiben regenverschmiert sind, der iPhone-Akku leer und neben mir auf dem Platz eine zerlesene “Bild” liegt, greife ich zu. Blättere durch, schaue mir sogar die Beilagen an, vielleicht auch weil der zerknitterte, flatterhafte Zustand mit fast schon lederartiger, klebriger Haptik dann mit dem Inhalt kongruenter ist.

Und genau deswegen dürfte auch das Kindle, dieser smarte kleine E-Book-Reader für Zeitungen nicht funktionieren. Nicht als Ersatz und Sparhebel für Print, weil man Druck und Vertriebskosten spart, wenn man jedem Abonnenten einmal ein Kindle in die hand drückt. Denn so etwas lässt niemand einfach so mal in der Bahn liegen. Und genau darauf sind Zeitungen angewiesen. Sozusagen.

“Zeitungsretter Kindle? Keep dreaming!” schreibt heute Dirk Manthey und hat deshalb in der Tendenz auch recht. Auch wenn seine Argumente nur in Teilen griffig sind.

“Mangelndes Zeitungsgefühl” – so what? Da mag das Kindle-Gefühl dagegen womöglich besser dastehen. Jeff Jarvis hat mir auf der Next09 stolz sein Kindle, auf dem er die “Washington Post” liest, gezeigt, und es gehörte eine Portion gute Erziehung dazu, dass ich es wieder aus der Hand gab.   Bedienbarkeit? Eine Zeitung ist vieles. Aber nicht zwingend gut bedienbar. Da frage man mal Giovanni di Lorenzo: “Die ‘Zeit’ im Bett zu lesen, ist die Hölle.
Der Preis? Ach ja, der Preis. Natürlich lässt sich der über Abos subventionieren. Er wird außerdem eh noch weiter fallen.

Das Kernproblem ist aber gegenwärtig die Reichweite, solange die Inhalte durch eine Digitale Rechteverwaltung (DRM) geschützt werden. Weitergabe des Contents nicht möglich. Dadurch schränken sich Zeitungen mit dem Kindle bei der Reichweite der Leser pro einzelner Ausgabe ein.

Ausgerechnet bei der Reichweite. Eine der letzten einigermaßen stabilen Währungen im zunehmend palliativ anmutenden Gesamtzustand.  Zeitungen würde sich also mit dem reichweite-begrenzten Kindle ein Danaergeschenk bereiten.

Die gekaufte, gedruckte FAZ landet beim Nachbarn, beim Kollegen, bei der Putzfrau, beim Chauffeur oder eben in der S-Bahn für den nächsten zufälligen Fahrgast. Mit dem Kindle aber ist Schluss mit der One-Abo-Company und dem Umlaufexemplar. Verlängerung der Reichweite gibt es mit dem Kindle eben nur mit dem Kindle. Doch wer würde das Gagdet weiterreichen? An den Kollegen, der den Umlauf-”Spiegel” montags immer “versehentlich” mit nach Hause nimmt? Verleihen womöglich? Am Ende gar an Leute, die schon bei Büchern Monate brauchen, bevor sie diese zurückgeben?

Klar, die DRM-Kontrolle ließe sich lösen, eine begrenzte Weitergabe definieren. Wenn man will und wenn man dann noch bei dem Mix aus freiem Content im Web, womöglich paid Content an anderer Stelle im Web und begrenzter Reichweite und/oder paid Content im Mobile-Segment noch den Überblick behalten kann. Selbst dann bleibt den Verlagen immer noch die Frage, wie sie die Cash-Cow “Beilagen” sinnvoll integrieren, oder ob sie sich gleich wieder mit Pennies begnügen.

Auch deswegen klingt das Kindle für mich weniger nach einem Rettungsring für Verlage, sondern eher wie ein Werkzeug zur schnelleren Selbstversenkung.

Aber womöglich ist auch dies eine müßige Frage, weil gedruckte Beilagen und Handzettel jenseits von Gutenberg-Nostalgikern demnächst ohnehin obsolet sind, weil der Handzettel stattdessen viel zielgenauer auf mobile Endgeräte wie das iPhone verteilt wird. Mit dem Iphone in der Hand und den Sonderangeboten auf dem Display schiebt sich auch der Einkaufswagen leichter.

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Kommentare zu “ Kindle: Das Danaergeschenk für Zeitungen ”

  1. Oliver Springer am 12. Mai 2009 um 22:20 Uhr

    Geben die Menschen ihre Zeitung wirklich so oft aus der Hand? Vielleicht liegt es an mir, aber mir versucht man nicht ständig, eine ausgelesene Zeitung in die Hand zu drücken. Die FAZ würde ich dabei dankend annehmen.

    Das echte Problem wurde hier gar nicht angesprochen: Die Familienausgabe. Denn eines wird man kaum vermitteln können: mehrere Abos für einen Haushalt.

    Für das Weiterreichen / Empfehlen einzelner Artikel sollte sich leicht eine Lösung finden können: Man könnte die E-Mail-Adresse oder eine Art Empfänger-ID für E-Book-Reader eingeben und dem Empfänger einen Link direkt vom Verlag schicken lassen.

    Solche Probeartikel sind die ideale Werbung für die Publikation und überdies käme der Verlag näher an diese potenziellen Abonnenten heran.

    Andererseits: Ist DRM erforderlich? Reicht nicht auch ein digitales Wasserzeichen? Immerhin sind die Abonnenten dem Verlag doch eh bekannt. Während der Verlag im Web bei Gratis-Inhalten seine Abonnenten nicht kennt und der Leser diese Daten vielleicht nicht preisgeben möchte, kennt der Verlag den Abonnenten doch sowieso.

    Dann wäre das Mitlesen der Familienmitglieder (Stichwort Privatkopie) auch wieder kein Problem mehr.

  2. Vroni am 13. Mai 2009 um 03:14 Uhr

    Nachteil von Kindle:
    1. Blöder Name
    2. Man kann darin keinen Fisch einwickeln.

ivw