Karstadt: Schöner verzocken
Es ist schon ein wenig eigenartig, wie sich Arcandor dagegen sperrt, dass die Metro und damit der Kaufhof die Warenhäuser von Karstadt übernimmt. Ein Zusammenschluss stand schon in früheren Jahren im Raum und wäre schon damals die bessere Lösung gewesen. Karstadt ist auch mit Staatshilfe gegenwärtig nicht weitergeholfen. Rettung auf Pump für einen Player, der sich schon verzockt hat. Der Wunsch danach klingt, wie die Hoffnung eines Mau-Mau-Spielers auf unbegrenzten Kredit beim Poker ohne ein Blatt in der Hand. Denn dem Haus fehlt nicht nur eine tragfähige Idee, um Karstadt aus der komatösen Starre zu lösen. Es fehlt auch an einer Unternehmenskultur, die innovative zukunftsfähige Lösungen ermöglicht.
Ich habe in den vergangenen Jahren so manche Geschichte rund um Karstadt gemacht, Interviews geführt, mit Menschen im und um das Unternehmen herum gesprochen, und dabei immer wieder festgestellt, dass im Konzern bislang eine Kultur der Fehlervermeidung und stromlinienförmiges Taktieren vorherrschte. Obendrein regierte lange Jahre eine Management-Kultur, die nicht von Kaufleuten geprägt war. Karstadt wäre auch dann gescheitert, wenn solche Manager versucht hätten, Surfbretter am Strand von Hawaii zu verkaufen. Dem neuen Team aber bleibt schlicht nicht die Zeit, einen kulturellen Wechsel einzuleiten
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Nur, warum überhaupt noch Kaufhäuser? Denn auch für Kaufhäuser gilt, der Massenmarkt ist tot. Sie können nur funktionieren, wenn sie sich vom Margen- und Einkaufsdiktat verabschieden und sich als multifunktionaler Nischenanbieter präsentieren, der in Sachen Convenience und Kompetenz auch die Online-Händler schlägt. Schließlich verläuft der Systemvergleich nicht nur zwischen Karstadt und H&M, sondern auch zwischen Kaufhof und Amazon. Den aber können die Warenhäuser nur gewinnen, wenn sie den menschlichen Faktor ausspielen. Ein zukunftstrrächtige Übernahme müsste daher nicht nur die Standorte, sondern auch die Mitarbeiter einschließen.
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Hach ja, das ist schon sehr traurig. Karstadt hatte in meiner Heimatstadt im direkten Vergleich zu Kaufhof, Hertie und Horten nicht unbedingt das beste Sortiment oder die schickste Einrichtung – aber das beste Personal. Aber was das Management an strategischen Entscheidungen vergeigt und vergurkt, kann die Verkäuferin oder der Abteilungsleiter nicht richten.
Wahrscheinlich gibt es in deinem Karstadt noch einen Filialchef, der es versteht die Mitarbeiter zu motivieren. Übrigens eine Beobachtung am Rande: Je älter, je altgedienter das Personal, desto freundlicher. Desto jünger und desto mehr es nach Trainee aussieht, desto desinteressierter am Kunden.