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Spießer Alfons: “Karstadt würde Deutschland fehlen”…?

27. Mai 2009
von

Bei Karstadt sind die Kassen leer. Karstadt kann aus eigener Kraft nicht überleben. Wer trägt die Schuld an der Misere? Klar: Deutschland. Und wer ist “Deutschland”? Das sind wir alle, die wir nicht genug eingekauft haben bei Karstadt. Denn hätte Karstadt genügend Kunden gehabt, wäre Karstadt heute ein blühendes Unternehmen.

Karstadtbleiben.jpgNun schaltet Karstadt eine ganzseitige Anzeige in der BILD-Zeitung. Das ist nicht billig. Und besonders teuer für ein Unternehmen mit hohen Verbindlichkeiten. Und was zeigt Karstadt an? Wir lesen:

„Allein in dieser Woche haben zigtausend unserer Kunden mit ihrer Unterschrift gezeigt, dass Karstadt ihnen am Herzen liegt. Für diese großartige Unterstützung möchten wir Danke sagen — bei jedem Einzelnen. Ein deutliches Bekenntnis, das beweist, Karstadt würde Deutschland fehlen. Wir werden alles dafür tun, weiterhin für Sie da zu sein. Und wenn Sie uns mit Ihrer Unterschrift unterstützen möchten, laden wir Sie dazu herzlich ein — am Freitag in Ihrem Karstadt vor Ort. Danke.“

Das muss dem Spießer mal jemand erklären: Karstadt ruft seine Kunden für viel Geld auf, dass sie das Kaufhaus mit ihrer Unterschrift unterstützen sollen! Spießige Frage: Wie soll das funktionieren…?

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Hätte das Kaufhaus dazu aufgerufen, dass alle Kunden und Noch-nicht-Kunden in die Karstadt-Häuser kommen sollen, um die Warenhauskette durch Einkäufe zu unterstützen, dann wäre solcher Aufruf sinnvoll gewesen. Stattdessen aber sollen Kunden mit ihrer Unterschrift die Karstadt-Häuser unterstützen. Selbst wenn Millionen das täten — was würde es Karstadt helfen? Es wäre so, würde das Deutsche Rote Kreuz nach einer Erdbebenkatastrophe die Menschen aufrufen: Unterstützen Sie die Opfer mit Ihrer Unterschrift!

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: “Karstadt würde Deutschland fehlen”…? ”

  1. Max am 27. Mai 2009 um 09:58 Uhr

    Es zeigt deutlich die Misere und Schieflage der (deutschen) Wirtschaft. Missmanagement und zuviel abgeschöpft von oben. Traurig.

  2. Cookie am 27. Mai 2009 um 10:21 Uhr

    Sorry, ich kann diese Unterschriftenmaßnahme nur bedingt verstehen. Ein Unteschriftenaufruf anstelle von Abverkaufsmaßnahmen um in der Bevölkerung die Meinung zu bilden, Schuld sei die Krise? Ist das Unternehmen denn ein Opfer der Finanzkrise oder ist es schlichtweg kaputt gewirtschaftet worden? Sieht denn so das “letzte” Aufgebot des Kaufhaus-Riesen aus?

    Da muss ich an Herrn Tichys Worte in der aktuellen WiWo denken:
    “Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick ist eine Schande für die Klasse der Manager: Statt dafür zu sorgen, dass endlich die richtige Ware ins Regal kommt, erpresst er die Politik.”

  3. Dierk am 27. Mai 2009 um 10:21 Uhr

    Ist doch klar, die wollen auf Biegen und Brechen [u.a. mein Er-] beweisen, dass Karstadt “systemrelevant” sei. Bei den Banken hat das auch geklappt, warum nicht bei einem Gemischtwarenladen, der sich – zumindest im großen Flaggschiff in Lachstadts Mönckebergstraße – seit mindestens 25 Jahren ein Dreck um seine Kunden schert?

    Ich bin auch systemrelevant, ich will auch Geld, viel Geld. Vom Steuerzahler. Ich verspreche auch hoch und eilig, die ganze Kohle zu meinem Nutzen auf den Kopf zu hauen.

  4. Jochen Schepp am 27. Mai 2009 um 11:08 Uhr

    Die meinen bestimmt eine Unterschrift auf dem Kreditkartenbeleg?

  5. Spießer Alfons am 27. Mai 2009 um 11:14 Uhr

    @ Jochen Schepp

    :) :) :)

  6. Tim am 27. Mai 2009 um 11:50 Uhr

    Ein etwas merkwürdiges Vorgehen, aus zweierlei Gründen wie ich finde:

    1.: Was soll die Unterschrift der Leute bedeuten? “Wir würden ja kaufen, wenn wir könnten”? Das wäre gelogen, denn woanders kaufen sie ja. “Karstadt gehört zu unserer Identität und muss deshalb bleiben”? Mir kommen die Tränen, vielleicht kann man ja Fördermittel beantragen…

    2.: Die Leute, die unterschreiben gehen heim mit dem Gefühl “etwas getan zu haben”. Wow, vielleicht sollten wir gleich auch eine Lichterkette organisieren, um “ein Zeichen zu setzen”. Aber die Kerzen kaufen wir bei Kaufhof, weil da sind se billiger…

  7. Frank Schenk am 27. Mai 2009 um 12:47 Uhr

    Der neueste Knüller aus der Arcandor-Werbeabteilung:

    Karstadt gratuliert im Radio Deutschland zum 60ten Geburtstag! So a la “Du bist Deutschland” blablabla. Gleich im Anschluß in den Nachrichten: “Karstadt braucht Fantastrilliarden um das Unternehmen zu retten”. Die brauchen ganz was anderes und zu retten sind Vorstand und Aufsichtsrat auch nicht mehr! Früher hätte man die mit dem Besen davongejagd, heute hoffen sie, ihr “bescheidenes” Managergehalt mit Geld aus dem Staatssäckel aufstocken zu können!

    Na denn aber mal herzlichen Glückwunsch!

    gruß

  8. Schaps am 27. Mai 2009 um 13:03 Uhr

    Genauso unverständlich wie die Aussage, ohne Karstadt hätten viele Städte keinen Mittelpunkt mehr und würden Ausstrahlungskraft und Besucher verlieren. Meine Frage wäre dann aber: Wenn Karstadt insolvent ist, weil zu wenig Leute dort einkaufen, wie kann denn durch eine Insolvenz von einem exorbitanten Wertverlust der Innenstädte geredet werden?

  9. Julia am 27. Mai 2009 um 15:28 Uhr

    Dafür, dass Karstadt sich als deutsche Institution positionieren will, spricht man in der Marketingabteilung aber erstaunlich schlecht Deutsch: “Danke sagen – bei jedem Einzelnen”?!

  10. René Artois am 27. Mai 2009 um 16:18 Uhr

    Ein deutsches Kaufhaus? Die gibt’s doch schon lange nicht mehr. Schaut doch mal in die Fußgeängerzonen! Alle größeren Geschäfte haben mittlerweile das gleiche rote Logo mit überall derselben Beschriftung: “SALE” – egal, ob es sich um Cheap & Awful (Brenninkmeijer), Karstadt, Kaufhof, Woehrl oder sonstwen handelt: Alle heißen “SALE” (weiß auf rot).

  11. Olaf Naske am 27. Mai 2009 um 17:28 Uhr

    Ich habe so ein bischen das Gefühl, hier wettern Karstadt/Kaufhaus-Gegner pauschal drauflos. Natürlich ist es unverkennbar, dass Missmanagement und Blindheit gegenüber dem Kundenwunsch den Karstadt-Konzern in die Kriese geführt haben. Gleiches gilt aber für Autobauer und Großbank -XY ebenfalls und unumstritten sollte alles getan werden tausende von Arbeitsplätzen mit einer Investition in ein tragfähiges Zukunftskonzept zu erhalten. Daher meine Forderung Bürgschaften JA aber abgesichert durch selbstschuldnerische Bürgschaften der Konzernleitung, wer viel Geld verdient mit dem Argument hoher Verantwortung sollte auch alles verlieren wenn er dieser Verantwortung nicht gerecht wird.

  12. nrieke am 28. Mai 2009 um 09:05 Uhr

    ich hab mich bei der aktuellen diskussion gefragt: wann war ich zuletzt in einer karstadt-filiale? und mir fiel dazu ein: neulich, um eine rolle nähgarn zu kaufen. warenwert ca. 1.90 euro. einkaufserlebnis in der filiale hamburg-osterstrasse: unbedeutend, es sei denn man findet das 70er-retro-flair ansprechend. das karstadt kein zeitgemässes einkaufen ermöglicht, ist traurig – aber wozu etwas erhalten, das sich komplett überlebt hat? wir fahren auch nicht mehr in pferdekutschen, holen unser geld an geldautomaten, auch telefonzellen verschwinden mit der zeit aus dem strassenbild. der mensch ändert sich – und karstadt hat das leider verpennt.

  13. Werner am 28. Mai 2009 um 11:22 Uhr

    Über einen der Hauptgründe der (Arcandor-)Krise wird kaum gesprochen. Irgendwie bekomme ich das Gefühl nicht los, dass da mit großer Absicht von vielen Beteiligten so getan wird, als ob sich Geld oder Werte in Luft auflösen. Die Wahrheit ist leider viel nüchterner. Das Geld wurde bereits entnommen. Schönes Beispiel aus dem Manager-Magazin vom Nikolaus 2007:

    Arcandor will den mehrfach verschobenen Verkauf seiner Immobilien in naher Zukunft abschließen. “Wir gehen davon aus, dass wir das unter den Weihnachtsbaum legen können”, sagte Peter Wolf, Chef der Karstadt-Warenhäuser. (…) Auch eine Sonderdividende hatte er nicht ausgeschlossen. Die Immobilien gehören einem Fonds von Goldman Sachs Chart zeigen, an dem Arcandor noch 49 Prozent hält. Im März 2006 hatte der Konzern seine Waren- und Sporthäuser an den Fonds verkauft und dadurch bereits 3,7 Milliarden Euro eingenommen.
    http://www.manager-magazin.de/.....33,00.html

  14. Jochen Siegle am 28. Mai 2009 um 13:02 Uhr

    “Karstadt würde Deutschland fehlen”…? mhm, ich war schon 10 jahre nicht mehr bei karstadt, ganz ehrlich frage ich mich wer da heutzutage noch hingeht wie die die überhaupt so lange ueberleben konnten …

  15. Nana am 29. Mai 2009 um 12:30 Uhr

    ich finde dieses beispiel zeigt sehr schön die arroganz, abgehobenheit und realitätsverweigerung von unternehmensführung und marketingabteilung.

    da läuft gewaltig was schief in der unternehmenskommunikation …. und nicht nur da…

    wenn der laden gegen die wand fährt soll der kunde (masse bestehend aus vollidioten – aus unternehmersicht) den karren wieder aus dem dreck ziehen.

  16. Hans am 29. Mai 2009 um 22:59 Uhr

    @ Werner
    endlich einmal jemand, der hier durchblickt. Das Gequatsche um fehlende Gewinne entbehrt doch jeglicher Grundlage. Hertie z.B. wurde abgewickelt, weil die Heuschrecken für die Grundstücke mehr bekommen als die Kunden in Jahren in die Kassen tragen könnten. Da Middelhoff ein Finanzexperte war, hatte ich mir eigentlich mehr versprochen. Oder war er nur der Auslöser?

  17. Werner am 29. Mai 2009 um 23:48 Uhr

    @hans: danke für die Lorbeeren.
    Unter Kollege Middelhoff habe ich schon seinerzeit als Bertelsmann gearbeitet…, na ja, das Arcandor-Ergebnis hat mich nicht wirklich überrascht. Die Idee war ja auch die Gleiche; ich verdiene viel Geld mit heißer Luft. Fühlt sich ansonsten hier jemand angesprochen?

  18. Peter am 30. Mai 2009 um 12:48 Uhr

    Die Kampagne, wenn auch peinlich, scheint aber zu klappen…
    http://www.focus.de/finanzen/b.....03921.html :-)

  19. Hans am 31. Mai 2009 um 20:16 Uhr

    @ Werner
    da nicht für. Das mit der heißen Luft ist ja das Thema. Es gibt eben viel Geld dafür *sabber
    Off Topic: Der ultrakonservativen Mohn-Family mit New Economy zu kommen war keine gute Idee. Wie man mit Napster Geld verdienen will, war damals auch völlig unklar. Jobs hat das beser geschafft. Trotzdem visonär, oder? OK – ein anderer Ausdruck für heiße Luft ;-) Hat TM ja auch das Genick gebrochen – bei Bertelsmann.

ivw