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Spießer Alfons über einen Medienautor, der im Glashaus sitzt und trotzdem nicht voll durchblickt

1. Juni 2009
von

Medienkolumne.jpgIn vielen Medien gibt es heute eine „Medien-Kolumne“, was eine Klatsch-Kolumne ist über die Medien-Macher. In des Spießers regionaler Abo-Zeitung, dem „Hamburger Abendblatt“, schreibt „Medienautor“ Kai-Hinrich Renner so eine Kolumne über Medien und ihre Macken Macher. Peter Turi nennt ihn “die fleißigste Medien-Wühlmaus”. Und über diese Wühlmaus möchte Alfons mal mit Euch diskutieren, liebe otr-Leser, und genauso mit dem Medienautor selber, wenn der sich traut es denn möchte.

Kai-Hinrich Renner, vormals Medienjournalist in der Welt-Gruppe und davor bei „Kontakter“ und „werben & verkaufen“, ist gut informiert über das, was hinter den Kulissen im Kommunikationsgewerbe läuft. Im Allgemeinen. Im Besonderen scheinbar nicht. Grund: Der Medienautor berichtet zwar über viele Interna aus Verlagen und Sendeanstalten und nennt pikante Details bei Namen, aaaber: Aus einem Verlag, wo er eigentlich den besten Einblick haben müsste, berichtet Renner höchst selten und wenn, dann positiv nur verhalten, und zwar aus dem Verlag Axel Springer, wo das “Hamburger Abendblatt” erscheint.

So vermisste der Spießer denn auch am vergangenen Wochenende ein paar handfeste Infos zum Wechsel von Moritz von Laffert auf den Chefsessel von Condé Nast Deutschland. Was zu recherchieren für Renner sicherlich nicht schwierig gewesen sein könnte, denn ein Haustelefonat hätte genügt.

Ironie beiseite! Natürlich wirft der, der im Glasshaus sitzt, nicht mit Steinen. Da könnten die Scherben leicht ins eigene Auge gehen. Und so wird der Leser denn in der Renner-Kolumne kaum was Kritisches über den eigenen Arbeitgeber finden, sondern nur den Dorn sehen im Auge der Wettbewerber externer Medien-Macher.

Das ist verständlich. Allerdings: Springer ist nicht Irgendwer. Der Verlag gehört zu den bedeutendsten Medienhäusern des Landes, wo viel passiert. Und ein Medienkolumnist, der gerade um diesen Verlag „drum-rum-schreibt“, ist genauso wie eine Testzeitschrift, die bei ihren Tests jeweils einen Marktführer ungeschoren lässt. Oder so wie ein Fernsehkritiker, der alle Senderprogramme kritisch kommentiert — nur das von RTL nicht.

Tja, lieber Kai-Hinrich Renner, wie könnte man dieses Problem lösen, damit niemand Ihnen Manipulation vorwerfen könnte…? Wenn Sie Ihren spießigen Abonnenten  fragen: Seien Sie ehrlich und drucken Sie im Kopf Ihrer Kolumne einen Hinweis, mit dem der Leser um Verständnis gebeten wird, dass ein Hund nie in die eigene Hütte kackt macht. Oder die Alternative: Sie erzählen auch mal was Pikantes aus dem eigenen Glashaus — zum Beispiel, was Springer zu  Moritz von Laffert sagt und ob man ihn vorzeitig gehen lässt…!?

Oder haben Sie eine bessere Idee…?

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Kommentare zu “ Spießer Alfons über einen Medienautor, der im Glashaus sitzt und trotzdem nicht voll durchblickt ”

  1. Horst Müller am 1. Juni 2009 um 11:41 Uhr

    Genau richtig erkannt. Die Schere im Kopf ist bei Medienjournalisten besonders häufig zu finden.

  2. Mark am 1. Juni 2009 um 13:12 Uhr

    Das ist doch bei Springer schon desöfteren so gewesen. Wenn man mal an diverse Bild-Berichte, in denen Negatives aus dem Hause einfach weggelassen wurde, zurückdenkt. Und es gibt natürlich auch immer wieder das genaue Gegenteil: Springer macht Werbung für Springer, ohne das zu erkennen ist, dass Springer für Springer Werbung macht … wenn die Bild z.B. den tollen neuen Artikel in Zeitschrift XY ankündigt.

  3. Gustav am 1. Juni 2009 um 13:55 Uhr

    Stefan Niggemeier hat mal hinsichtlich seines Auftraggebers FAZ darauf hingewiesen, dass sich mit deren Verfehlungen andere auseinandersetzen müssten.

    Wieso wird das nicht akzeptiert, wenn der Abendblatt-Schreiber genauso denkt?

  4. Spießer Alfons am 1. Juni 2009 um 14:26 Uhr

    @ Gustav

    Ich denke, es ist ein Unterschied zwischen einem Journalisten, der speziell über die Verfehlungen von Medien berichtet, und einem Kolumnisten, der eine regelmäßige Kolumne über die Medienbranche schreibt, in der es durchaus nicht nur um Verfehlungen im Sinne von bildblog.de geht. So eine Medien-Kolumne ist in meinen Augen ähnlich wie eine ständige TV-Kritik-Kolumne, in der über alle Senderprogramme berichtet wird. Und wenn dort ein ganz bestimmter und bedeutender Sender permanent ausgelassen wird oder gar nur positiv besprochen wird, dann ist das Manipulation. Und dann kann der Kolumnist nicht sagen: Mit den schlechten Beiträgen dieses Sender sollen sich andere auseinandersetzen! Dann würde der Leser doch fragen: Wieso werde ich hier nur halbwegs informiert?!

  5. dan am 1. Juni 2009 um 17:46 Uhr

    Freue mich schon auf SAs künftig kritische Auseinandersetzung mit Horizont.

  6. mark793 am 1. Juni 2009 um 23:28 Uhr

    “So eine Medien-Kolumne ist in meinen Augen ähnlich wie eine ständige TV-Kritik-Kolumne, in der über alle Senderprogramme berichtet wird.”

    Tja, darin liegt vielleicht der Fehler, von so einem wöchentlichen Elaborat so etwas wie ausgewogene Grundversorgung zu erwarten. Im Grunde ist so eine Kolumne eine Fortsetzung der Verlags-PR (oder im Falle “Zapp” der Anstalts-PR) mit anderen Mitteln. Von Herrn Knüwer erwarten wir ja auch keine heißen Interna aus der Verlagsgruppe Handelsblatt.

  7. Peter am 2. Juni 2009 um 07:39 Uhr

    @ mark739

    Ich denke, ein Blog ist etwas Anderes als eine gedruckte Kolumne. Weil in einem Blog auch kritische Kommentare zugelassen werden. Und da musste Knüver schon ne Menge einstecken.

  8. mark793 am 2. Juni 2009 um 10:46 Uhr

    @Peter: Stimmt, das macht tatsächlich einen beträchtlichen Unterschied. Zumal die Herren Knüwer und Niggemeier auch explizit geschrieben haben, dass sie zu ihren jeweiligen Arbeitgebern nichts schreiben. Ein solches Bekenntnis stünde Medienkolumnisten einer Zeitung auch nicht schlecht zu Gesicht. Ich fand es schon zu Zeiten von Peter Heinleins Medienkolumne in der WamS manchmal peinlich, wie dort Verlagsagenda verwurstet wurde.

    Aber wie einer meiner Vorkommentatoren richtig anmerkt, ist bei Medienberichterstattern die Schere im Kopf oft besonders scharf – so scharf, dass man das routinemäßige “Schnipp” gar nicht mehr hört. Und das sage ich durchaus auch mit eigener Erfahrung auf diesem Gebiet.

  9. Kai-Hinrich Renner am 2. Juni 2009 um 22:13 Uhr

    Liebe Spießer Alfons,

    haben Sie schon mal etwas Kritisches bei Michael Hanfeld über die “FAZ” gelesen, Götz Hamanns Medienstücken in der “Zeit” exkusive News zu Holtzbrinck entnommen oder den Großmeister des deutschen Medienjournalismus Hans-Jürgen Jakobs (einst “SZ”, jetzt Chefredakteur von Süddeutsche.de) beim Ausplaudern von Betriebsgeheimnissen des Süddeutschen Verlags erwischt?

    Haben Sie nicht? Nun, das liegt daran, dass diese Herren — ebenso wie die hier in den Kommentaren bereits erwähnten Kollegen Niggemeier und Knüwer — nicht über ihren Brötchengeber berichten. Ich halte es ebenso. Mit News aus dem Hause Springer kann ich leider nicht dienen — weder mit negativen, noch mit positiven.

  10. Spießer Alfons am 3. Juni 2009 um 06:44 Uhr

    @ Lieber Kai-Hinrich Renner -

    danke für die Stellungnahme! Positiv ist, dass Sie auch nicht positiv über Ihren eigenen Verlag berichten. (Da gab es mal bei einem anderen Blatt Ihres Hauses einen Medien-Kolumnisten, der sich dabei in der Rolle eines quasi Pressesprechers des eigenen Verlags gefühlt hat: Über Springer gab’s nur Positives, die Wettbewerber bekamen regelmäßig was auf die Mütze.)

    Natürlich ist ein Medien-Kolumnist eines großen Verlages in einer Z(w)itter-Position. Denn was das Beispiel “Moritz von Laffert” betriffft: Sie informieren dabei ja nicht nur nicht über den Springer-Verlag, sondern auch nicht über Condé Nast, um den es ja vorrangig geht.

    Ich kann Ihre Situation gut nachfühlen, da ich vor zehn Jahren fristlos aus meinem Job geflogen bin, als ich es gewagt hatte, mich in meiner Kolumne kritisch mit dem Verlag zu befassen, bei dem ich damals fest angestellt war. Und dabei hatte ich das alles noch nett in eine hübsche Geschichte verpackt, aus der nur Insider entnehmen konnten, was gemeint war. Aber Werner E. Klatten, damals SPIEGEL-Verlagsleiter, der bei meinem Verleger ein und aus ging, trat als Zeuge auf und erklärte, dass meine Geschichte auch “außerhalb” des Verlages “verstanden” worden worden war.

    Konsequent wäre, wenn im Kopfe Ihrer Kolumne (die ich übrigens gern lese) ein Hinweis stünde, dass dort aus nahe liegenden Gründen weder Gutes noch Schlechtes über die AS-AG zu finden ist. Klingt blöd, ich weiß, aber es wäre eine Information für den Leser. Und genauso sollten es die von Ihnen genannten Kollegen auch handhaben.

  11. Kai-Hinrich Renner am 3. Juni 2009 um 15:56 Uhr

    @Spießer Alfons

    Was das Beispiel Moritz von Laffert betrifft, hätte ich da kaum etwas weiter drehen können. Den Scoop haben die Kollegen von “Horizont” gelandet. Nur weil ich im Abendblatt eine Medienkolumne habe, wird mir Andreas Wiele nicht verraten, wann er von Laffert aus dem Vertrag lässt. Und sollte er es doch tun, bestünde latent immer die Gefahr, dass irgendwann eine Gegenleistung fällig wäre. Dann würde die Kolumne aber zum Spielball der Verlagspolitik. Auch deshalb lasse ich von allem die Finger, was das eigene Haus betrifft.

    An die Weiterungen der Causa Ryan Fall kann ich mich gut erinnern. Ich wusste allerdings nicht, dass Klatten damals gegen Sie ausgesagt hat. Interessante Information!

    Ihr Hinweis ist völlig berechtigt, dass es sinnvoll wäre, die Leser zu informieren, dass sie auf der Medienseite des Blattes, das sie gerade lesen, keine Informationen über den Verlag finden, in dem ihre Zeitung erscheint. Ich fürchte nur, so etwas lässt sich bei unseren Verlagen – und zwar nicht nur bei Axel Springer – nicht durchsetzen.

ivw