Spießer Alfons
: Vom Aussterben der Pferde oder: Quo vadis, Print-Leser?
Es vergeht keine Woche, kein Tag, wo nicht ein neunmalkluger Mensch sich äußert, wann die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise denn nun vorbei ist oder wann nicht. Der eine weiß ganz genau: in der zweiten Hälfte von 2010, der andere weiß es besser, nämlich: nicht vor Mitte, Ende 2012, und zwar nachmittags um 16 Uhr 36.
Was richtig ist, weiß in Wahrheit niemand. Weil die Krise kein hausgemachtes deutsches Problem ist, sondern weltweit gesteuert wird. Da lässt sich die Zukunft genauso wenig vorhersagen wie das Wetter im kommenden Frühjahr. Und wer sich hier als Experte profilieren will und Termine voraussagt, ist ein Scharlatan. Arbeitet der dann auch noch bei einer Bank, dann soll der Wichtigtuer uns zuerst mal sagen, warum er das Entstehen der Krise nicht vorhergesagt hat! Und wenn er seinen Mund wortlos offenstehen lässt, so möge er uns wenigstens die Börsenkurse vom kommenden Tage verraten!
Die andere Spezies von Wahrsagern sind diejenigen, die ständig (und zumeist online) das Sterben von Zeitungen und Zeitschriften voraussagen. Sitzen solche Spökenkieker zu allem Übel auch noch in Media-Agenturen, wo sie aus ihrem Kaffeesatz einen Anzeigenrückgang von 30% auf das heutige Volumen herauslesen, dann stellen die verschreckten Verleger ihre wackeligen Titel im vorauseilenden Gehorsam lieber heute ein als morgen. Und die Auguren fühlen sich dann auch noch bestätigt.
Das alles stinkt dem Spießer. Und deshalb macht Alfons an dieser Stelle selber mal den Wichtigtuer, der in die Zukunft blicken kann wie es Nostradamus dermaleinst getan hat. Nicht in Versen allerdings, sondern in spießiger Prosa erzählt Alfons Euch im Folgenden etwas vom Pferd. Alsdann:
In grauer Vorzeit bewegten die Menschen sich fort auf dem Rücken ihrer Pferde. Auch spannten sie die starken Tiere vor Leiterwagen und Kutschen, Droschken und Pflüge. Als später dann die Lokomotive erfunden wurde, führte das bald zum Ende der Postkutschenzeit. Aber die Pferde waren deshalb noch lange nicht ausgestorben.
Bald danach war dann die erste Kraftdroschke durch das Land gefahren, was dem Zugverkehr aber keinen Abbruch getan hat. Genauso wenig, wie später das Flugzeug die Bahn ersetzten konnte. Und die Kraftfahrzeuge haben sich mit ihren Pferdestärken ungebremst weiterentwickelt. Zwar hat der Einsatz von Traktoren den legendären Ackergaul arbeitslos gemacht, aber die Pferde als solche haben auch das überlebt.
Und heute? Heute haben wir neben Bahn, Auto und Flugzeug immer noch Reitpferde, Rennpferde, Springpferde, Dressur- und andere Zirkuspferde. Und sie genießen hohes Ansehen.
Schauen wir in den Garten der Kommunikation: Hier gab es ursprünglich — mal abgesehen von den Herolden — allein Zeitungen, um Nachrichten zu verbreiten. Und Bücher zur Information und Unterhaltung. Viel später kamen dann der Rundfunk, die Schallplatte, das Magnetband; und danach noch mehr Zeitungen und noch mehr Bücher. Und Lichtspieltheater waren da, genauso wie Live-Theater, Kabarett- und Konzertbühnen. Und es gab auch Zeitschriften. Als dann das Fernsehen in die Wohnstuben der Menschen kam, da sagten Prognostiker voraus, dass nun zuerst das Kino sterben würde und dann das Theater und bald darauf das Buch. Und die Zeitungen würden unter dem neuen Medium genauso schrumpfen wie die Magazine.
Eine Prophezeiung, die sich nur sehr beschränkt bewahrheitet hat: Zwar starb das kleine Lichtspielhaus an der Ecke, aber es entstand eine neue Form von Kino mit Großleinwand und Supersound, wo viele Lichtspieltheater in einem großen Lichtspielhaus vereint sind. Und das Live- Theater blieb Live-Theater, genauso wie Oper und Musical trotz Fernsehen live geblieben sind. Und die Konzerthallen wurden immer größer. Und mit vielen weiteren TV-Sendern plus Bezahlfernsehen war auch das Video gekommen und mit ihm die Videotheken. Und trotzdem hielten die Menschen ihren alten Medien die Treue, und Unterhaltungsstätten blieben in Betrieb. Im Gegenteil: Es erschienen noch mehr Zeitschriften, die in Millionen- Auflagen speziell über das TV-Programm und dessen Stars berichten, genauso wie es auch die Tageszeitungen tun und sich somit ergänzen mit den elektronischen Medien.
Neben den Zeitungen gab es auch schon viele Jahre zuvor die kostenlosen Anzeigenblätter, die sich im Laufe der Zeit vom reinen Reklameblatt zur vollwertigen Lokalzeitung gemausert haben, ohne dass sie die Tages- oder Wochenzeitung wirklich ersetzen konnten. Und auf dem Zeitschriftenmarkt erschienen immer wieder neue Titel, während alte verschwanden wie dermaleinst die Dronten und Dinosaurier.
Heute bricht das Schrägbordregal des gut sortierten Zeitschriftenhandels fast zusammen unter der Last all der Magazine, die dort in Fächerauslage auf ihre Käufer warten. Und ein Großteil der bunten Blätter gehört schon lange zu den Metoo- Produkten, bei denen die Titelseite des einen Magazins genauso ausschaut wie die vom Heft des Wettbewerbers. Von journalistischer Leistung kann man in weiten Bereichen gar nicht mehr reden, es ist die reinste Bilderheftkolportage. Und dazu kommen noch unzählige Werbemagazine, sprich: Kundenzeitschriften, wo PR-Leute sich als Journalisten tarnen.
Inzwischen haben wir das Internet. Und die Kinder des alten Hiob dröhnen: Nun werden die Zeitungen aber ganz bestimmt sterben, genauso wie die Zeitschriften! Warum sie das werden? Weil die Leser alle ab- und ins (kostenlose) Internet springen. Natürlich. Und weil die Werbung treibende Wirtschaft beschlossen hat, das Anzeigen-Füllhorn nicht mehr über die Zeitungen und Zeitschriften auszuschütten, sondern alles Werbegeld mit der Gießkanne online zu streuen.
Ist das Zeitalter des toten Holzes mit dem Web wirklich vorbei, kauft der Mensch sein Papier nur noch blanko und in Rollen, um sich damit den Hintern abzuwischen? Tatsache ist, dass der Verbrauch von Druckpapier im Zeitalter der Elektronik zugenommen hat, weil neben jedem PC auch ein Drucker steht. Tatsache ist auch, dass viele Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften in den letzten Jahren zurückgegangen sind.Aaaber: Im 1. Quartal 2009 wurden laut IVW 23,36 Mio. Tageszeitungen verkauft, 2,02 Mio. Wochenzeitungen und 116,99 Mio. Publikumszeitschriften. Mit Print erreicht Werbung die meisten relevanten Zielgruppen mit Ausnahme derer, die a) nicht lesen können, b) kein Geld haben, um sich ein gedrucktes Medium zu leisten, c) Internet-Junkies, die am liebsten das nachlesen, was sie sich selber vorschreiben.
Wie eingangs erwähnt: Pferde sind niemals ausgestorben. Und speziell die edleren Tiere haben hierzulande gute Chancen, sich weiter fortzupflanzen. Pferde, deren Besitz sich zwar nicht jeder leisten kann, aber Reitstunden schon. Und es gibt unzählige Menschen, die in Stadien und vor den Bildschirmen zuschauen, wenn Ross und Reiter über die Hürden gehen, um die Wette rennen oder Dressurakte vorführen. Von den Pferden vor einer Hochzeitskutsche gar nicht zu reden …!
Kurzum: Pferde sind sehr beliebt. Spießer Alfons spannt sie deshalb als Gleichnis vor den Zeitungs- und Zeitschriften-Karren: Auch Print-Lektüre wird es immer geben. Nicht mehr so viel wie heute, und auch nicht mehr in so hohen Auflagen wie gestern noch, klar. Aber die Tageszeitungen werden nicht mehr die Nachricht als solche in den Vordergrund stellen, sondern sie werden sie ergänzen durch bessere Hintergrundinformationen, die man nicht im Internet findet. Damit werden sie Exklusiv-Status bekommen und sich mehr und mehr über ihren Copypreis finanzieren. Und bei den Magazinen werden die Vollblüter unter den Titeln überleben, die Rennpferde ebenso wie quirlige Ponys und prächtige Zirkuspferde, wenn sie die Menschen faszinieren, unterhalten und ihnen Freude bereiten. Auch wenn die Auflagen morgen kleiner sein werden als sie gestern noch gewesen sind: Die Verleger müssen dann nicht mehr wie die Lemminge der Werbung treibenden Wirtschaft hinterherlaufen, damit die Anzeigenkunden ihnen die Produktionskosten bezahlen.
Und das Schönste: Die Redaktionen sind dann nicht mehr so abhängig von den Inserenten wie heute, können endlich die Wahrheit schreiben wie sie es heute schon tun zum Thema Zigaretten, was vor dem Verbot der Tabakwerbung kaum möglich gewesen war! Und die Leser werden eine neue journalistische Ehrlichkeit mit Sicherheit honorieren.
Die Werbung für viele Produkte und Dienstleistungen wird von ganz allein in die Printmedien zurückkehren, wenn die Marketer die Wertigkeit der Zielgruppe “Print-Leser” erkannt haben und damit eine Renaissance in Print kommen wird.
Spießiges Rechenbeispiel: Mit einem einzigen guten Rennpferd kann der Bauer mehr verdienen als mit einem Stall voller Milchkühe.
Zeitungen und Zeitschriften allerdings, die so weiter vor sich hinwursteln wie bisher und sich redaktionell nicht auf das Internet-Zeitalter einstellen und deren Inhalt man auch kostenlos im Web finden kann, die wird es bald genauso selten geben wie die Ackergäule vor Egge und Pflug.![]()
Ihr glaubt das alles nicht, sondern seht die Zukunft des Journalismus allein im Web? Nun, der Spießer jedenfalls hat noch niemals Pferde vor einer Apotheke kotzen sehen. Menschen vor dem Internet aber schon.
(Lithographien: A. Paul Weber, der in diesem Monat eine Ausstellung hat im Rathaus von Ahrensburg.)























@Spießer Alfons
So so, die Krise “wird weltweit gesteuert”. Und alle haben keine Ahnung. Aber wo gesteuert wird, gibr es doch wohl auch einen Steuermann, oder? Und dass im Aufsichtsrat der Fed (das ist die Privatbank, die die Dollars druckt) die elendigen Lehmänner sitzen, ist ein Zufall, oder wie?
Na, egal.
Gewusst haben hätte man es aber schon können.
Kuckst Du hier:
http://www.handelsblatt.com/po.....ch;2065429
Oder da:
http://www.manager-magazin.de/.....30,00.html
Dem Texter hatte man schon 2007 geflüstert, dass eine Weltwirtschaftskrise ins Haus steht, wie sie die Welt — zu Zeiten des Texters — noch nicht gesehen hat. Da stand der DAX noch bei 8000 (!) Punkten, und er dachte: “Prima, ein Psychopath gibt Ratschläge.”
Der Psychopath hatte bis jetzt in jedem Punkt Recht.
Fakt ist doch: Alle spüren, dass es das noch nicht gewesen ist. Und dass da noch mehr Übel hinterher kommt.
Was mit den Zeitungen (und meinetwegen auch mit dem Internet) passiert, ist da komplett egal!!!
Selbst der Papst spricht in seiner Enzyklika von der größten Wirtschaftskrise seit den 30ern. — Gut, dass wir aus der Kirche ausgetreten sind.
Hier die Prophezeiung des Texters: Die Zeitungen werden künftig nicht über die Schädlichkeit von Zigaretten berichten, sondern über deren Tauschwert. Und sicher werden die Leser die neue Ehrlichkeit der Presse belohnen: beispielsweise indem sie eingetauschte Waren in deren Druckerzeugnisse einwickeln.
Spießer, trau Deinen Instinkten. oder wie der Niederrheiner zu sagen pflget: Hau rein!
@ Ralf
Ich bin NICHT aus der Kirche ausgetreten.
Die Zeitungsauflagen sinken. Man sieht es z.B. daran, dass es seit einigen Wochen die Frankfurter Rundschau in Frankfurt quasi überall gratis gibt. An der Supermarktkasse, auf der Straße, usw. Man versucht, die Auflage künstlich hoch zu halten.
Dabei hat die Rundschau schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht (noch nicht vollendet, aber gut gestartet): Eine Zeitung in einem kleineren Format.
Deshalb lesen doch weniger Menschen Zeitung, weil es einfach zu umständlich ist und man einen großen Tisch braucht, wo man die Artikel ausbreiten kann.
Papier ist schön. Lesbarkeit und Nutzen (“Usability”) sind aber noch wichtiger.
Dies ist meine Meinung zum angesprochenen Thema.
@ Max
Genau! Und das merken die Menschen erst heute, dass die Zeitung zuviel Format hat. Und darum lese ich in der Bahn die Meldungen des Tages immer online. Da kann ich meinen Computer besser umblättern. Und beim Aussteigen, wo ich früher meine Zeitung weggeworfen habe, werfe ich jetzt eben meinen Computer weg. Auch mein Fischhändler, der die Fische früher in Zeitungen eingepackt hat, steckt sie neuerdings ins Laptop. Komische Zeiten halt, aber modern.
@ Spießer
)
Aber ich.
Pluralis majestatis.
OK, es gibt noch Pferde, die rumtraben und Dampfloks und Kutschen in Museen. Den guten alten Setzkasten bei ebay. Aber Kupferstecher keinen einzigen. Genauso wie den Heizer auf der Lok und den Tante-Emma-Laden an der Ecke. In den 80ern wurde was über Geräte philosophiert, mit denen jeder weltweit mal erreichbar sein würde. Es dauerte nicht lange, bis sie handeld waren. Und mittlerweile hat sie jeder. Und schon zur vorvorletzten DRUPA wurde was von “The last Book” gemunkelt. Wenn jetzt keine anderen Interessen dagegen sprechen, wird auch diese Erfindung ihren Weg machen. Genauso wie übrigens auch der Cargolifter. Dann müssen Bertelsmann und Co. leider der guten alten Zeit nachtrauern. He, wir können das Universum nicht einfrieren, die einzigste Konstante ist die Veränderung. Let´s face it !
http://www.nytimes.com/library.....8book.html
Für die richtige Einordnung der vom Spießer genannten Zahlen im Folgenden Vergleichszahlen aus 2008 (Quelle IVW):
Tageszeitungen:
IV 2008: 23,39 Mio
I 2009: 23,36 Mio.
Wochenzeitungen:
IV 2008: 2,00 Mio
I 2009: 2,02 Mio.
Publikumszeitschriften:
IV 2008: 115,01 Mio.
I 2009: 116,99 Mio.
Das klingt gar nicht so schlecht. Wenn man sich allerdings die Grafiken zu den Auflagenentwicklungen der letzten 10 Jahre ansieht, schaut’s doch etwas anders aus:
http://www.ivw.eu/ (rechts im Bild)
„Mit Print erreicht Werbung die meisten relevanten Zielgruppen mit Ausnahme derer, die a) nicht lesen können, b) kein Geld haben, um sich ein gedrucktes Medium zu leisten, c) Internet-Junkies, die am liebsten das nachlesen, was sie sich selber vorschreiben“.
Diese Feststellung vom Spießer tröstet leider wenig, wenn nämlich die Größe der Ausnahmegruppen stetig zunimmt, d.h. immer weniger Printprodukte gelesen werden.
Qualität und Innovation, dazu eine Prise Verzicht auf überkommene Technologien. Das mische man unter vorsichtigem Rühren auf kleiner Flamme, koche dabei alberne Egotrips aus dem Sud. Am Ende mit etwas Intelligenz nachwürzen.
So könnte sich ‘Journalist’ wieder vom Schimpfwort zum gefragten Gut wandeln; so könnten auch Printprodukte gerettet werden. Sei es nur, weil die auf dem Klo einfacher zu bedienen sind und eine Doppelfunktion erfüllen.*
*Obwohl moderne Papiere nur noch schwer anzurauen sind, wenig saugfähig. Außerdem sind die japanischen Toiletten mit Wasserreinigung viel besser.
Danke für den klugen Kommentar, Spießer Alfons. Ich habe in den letzten 20 Jahren selbst miterlebt, wie in Redaktionen Stellen gestrichen wurden, und die wenigen wirklich fähigen Redakteure dann liebend gern mit einer hübschen Abfindung einen neuen Job gefunden haben. Nicht bei der nächsten Tageszeitung, sondern zum Beispiel als Pressesprecher oder im Bereich PR.
Die Tageszeitungen kastrieren sich doch selbst, wenn sie mittlerweile „Hausfrauen, Rentner und Lehrer“ als billige Textlieferanten frei beschäftigen. Die wenigen Festangestellten bei so einer Zeitung müssen sich dann um das Bauchpinseln der Anzeigenkunden kümmern und der Volontär darf dann recherchieren. Und das merkt man.
Ich sehe die Zukunft im Bereich Print in den Wochenzeitungen, die eine Geschichte auch zu Ende erzählen und in wenigen Tageszeitungen wie die „taz“ oder auch … ähhh die „taz“ (es sind ja nicht mehr viele). Das hat dann weniger mit einem politischen Anspruch zu tun, sondern darum, dass derjenige, der gern liest – und das nicht nur online -, auch für sein Geld einen Gegenwert bekommen möchte, der über umgeschriebene PR-Berichte, die mit Wikipedia-Halbwissen angereichert werden, hinausgeht.
Und da liegt die Crux, wie Sie sehr richtig bemerkt haben: Die großen Verlagshäuser arbeiten nicht für die Leser, sondern für ihre Anzeigenkunden. Und der Kunde, also der Leser, ist auch nicht mehr so doof wie früher, weil er sich ja im Netz informieren kann. Was er ja auch tut.
Es wird in den nächsten zehn Jahren spannend, dabei zuzusehen, wie das eine oder andere Verlagshaus versuchen wird, das zu kompensieren. Und auch: wie Verleger, Verlagsgeschäftsführer und die ganze Blase von mittlerem Management und Controllern in den Verlagshäusern damit umgeht, sich einer neuen Situation zu stellen. Nämlich wieder so etwas wie Kultur in die Blätter zu bekommen. Und dazu gehört eben auch die Pflege von Autoren, und nicht die Preisdrückerei beim Zeilengeld.
Schönes Wochenende.
Ist schon richtig. Aber wer schon einnmal Redaktionsluft geschnuppert hat – zumindest bei einem Verlag, der eine Lokalzeitung publiziert, weiß, dass die Schwierigkeiten sich nicht nur durch äußere Umstände ergeben. In den Köpfen viel zu vieler, langjährig tätiger Redakteure muss ein Umdenken stattfinden. Die meisten der +40-Generation rödeln nämlich vor sich hin und erkennen den Trend der Zeit nicht – negieren ihn z.T. ! Doch gehen Digitalisierung und Glosbalisierung auch nicht an Verlagen und Journalismus vorbei – ist halt nicht mehr alles so wie vor 20 Jahren, als es noch kein Internet gab und der Redakteur “gatekeeper” von Informationen war…
@Werbeikone:
Wenn Sie meinen, dass „in den Köpfen vieler langjähriger Redakteure ein Umdenken stattfinden muss“, dann haben Sie mich vielleicht falsch verstanden.
Ich habe in meinem Berufsleben einige dieser langjährigen Redakteure — die teilweise sogar schon 60 Jahre alt waren — erleben dürfen, deren Ideen und deren Aufgeschlossenheit deutlich über dem lagen, was die damals knapp 30-jährigen Volontäre, die „irgendwas mit Medien machen“ wollten, mitbrachten. Von denen kam meistens nur heiße Luft.
Und das Beste: Diese „altgedienten Redakteure“ beherrschten auch noch das Handwerk der Recherche und des Schreibens. Sie wissen, dass eine Geschichte einen Anfang, eine Mitte und einen Schluss haben sollte. Sie waren sogar in der Lage, freie Autoren zu betreuen und Fehlinformationen zu hinterfragen und richtigzustellen. Dabei nutzten sie richtige Nachschlagewerke statt Wikipedia, bei dem jeder, der mag, einen „Wilhelm“ einsetzen kann.
Und diese Form des Journalismus ist die, die den Zeitungen wieder auf die Beine helfen könnte: Gut recherchierte Geschichten, die einen zum Lesen verführen, auch wenn das eine oder andere Thema vielleicht etwas sperrig sein mag.
Es mag sicherlich den einen oder anderen aus der „Generation 40+“ geben, der gefrustet ist und „vor sich hinrödelt“. Aber wenn man in manchen Verlagshäusern sieht, wie dort mit denen in den letzten zehn Jahren umgegangen wurde, ist das zumindest nachvollziehbar.
Sie allerdings tappen in eine Falle, wenn Sie meinen, dass es ausreicht, mal eben etwas dynamischer und internet-affiner zu arbeiten, damit „alles wieder gut wird“. Das heißt nämlich nichts anderes als „Weiter so“.
Aber wir dürfen ja gespannt sein, ob das so funktionieren wird.
Achso: Ja, ich mag das Internet mit allen Facetten und lese auch dort die normalen Nullachtfuffzehn-Meldungen eher als in einer Tageszeitung. Und das gern (Bevor hier noch jemand behauptet, ich wäre irgendso ein oller Internet-Hasser
…)
@Mike: meine Aussage stellte in keiner Weise deren journalistischen Fähigkeiten in Frage. Soviel dazu. Und wenn bei Ihnen die Volontäre halbherzige Vorstellungen hatten, muss das nicht grundsätzlich so sein. So viel zu allgemeingültigen Aussagen. Abgesehen davon, dass solche strategischen Überlegungen auch nicht unbedingt Aufgabe der Redakteure sind. Nichtsdesto trotz bleibe ich bei der Meinung, dass in Zusammenhang bzw. aufgrund der Digitalisierung ein Umdenken stattfinden muss. Verlage/Redaktionen müssen sich neu profilieren. Und das muss nicht unbedingt (nur) meinen, dass online wichtiger wird als print. Sondern es heißt auch bzw. vor allem, dass Redaktionen sich in Zukunft wieder mehr auf ihre eigentliche Stärken – wie beispielsweise profunde Recherche – konzentrieren müssen. Um mehr und qualifiziertere Infos zu liefern als das www.