Gute Noten für Pons
Heute Mittag war mir ein wenig nostalgisch zumute. Da landete Post auf dem Schreibtisch, in der sich eines dieser Schulhefte in A5, verpackt in grüner Schutzfolie, befand. Aus dem Postumschlag herausgerutscht wie aus einem Zeitloch, adressiert an Olaf Kolbrück, off the record.
Normalerweise begegne ich schulischen Dingen ja nur noch im schweißgebadeten Träumen, in denen ich die Abi-Prüfung verpasse, und reagiere ansonsten auf Post und Päckchen, die auf einen bloggenden PR-Hebel hoffen, eher verschnarcht. So, wenn mich wieder mal ein rätselhaftes Päckchen erreicht. Interessiert mich nicht. Hatten wir schon. Ich bin die falsche Zielgruppe für solcherlei Form der Zeitvernichtung.
Anders dieses Schulheft. Es nimmt die erste Hürde angesichts einer hübschen Schreibschrift und persönlicher Ansprache. Da macht es auf galante Art gleich mehrere Punkt gut — auch wenn es nur PR ist. Aber die PR macht einiges richtig bei der Bloggeransprache.
Also umschalten, vom melancholischen Blick auf die Fachperspektive. Der Absender zeigt mit dem Inhalt des Heftes, dass er sich mit dem Blog off-the-record und seinen Inhalten beschäftigt hat. Mehr als mir, nun ja, angesichts einer leicht zu kränkenden Blogger-Seele lieb sein dürfte. Jedenfalls ist es damit keine seelenlose Aussendung mehr, die mal eben an 100 Blogger verschickt wird. So steigert man das Interesse. Involvement hieß das in SoWi.
Zudem ist der Absender im kleinen Einmaleins der Psychologie geschult und lobt erst einmal, das Blog und einen speziellen Beitrag, bevor es ans Eingemachte geht. Dazu wurde dann der Blogbeitrag ins Heft geklebt und mit Korrekturbemerkungen versehen. Tippfehler halt. So galant kann Kritik sein: „Einzelfälle“ , „hin und wieder ein kleiner Fehler“, „einschleichen“.
Ich merke, wie mein Kopf nickt. Angesichts von so viel Verständnis.

Dann die Botschaft im handschriftlichen Teil des Schulheftes. „Sollten sie in Einzelfällen ein wenig „Erleuchtung“ in Sachen Rechtschreibung benötigen, wären wir künftig gerne für Sie da. Deswegen haben wir uns erlaubt, Ihnen einen Testzugang zu unserer neuen Plattform, Deutsche Rechtschreibung Online“ einzurichten.”
Also doch Werbung. Keine Überraschung. Für Pons, als Marke eigentlich so stimulierend wie mein Lateinunterricht. Als Fazit noch eine Note von Pons: 3+. Finde ich natürlich etwas willkürlich.
Die Lösung aber gut. Sehr gut sogar, weil sie auf dem Löschpapier dann noch einen Testzugang zum neuen Webangebot bietet und damit zur aktiven Mitarbeit einlädt. Das drückt auch ein Stück Wertschätzung gegenüber der Zielgruppe aus und vermittelt dem Empfänger ein Gefühl von Bedeutung. Yeah! Mit mündlicher Beteiligung die Note retten.
Sehr gut mit Sternchen sogar, weil man nach dem Login nicht nur persönlich begrüsst wird, sondern „Frau Lehrerin“ die Absenderin des Schulheftes einem gleich per Video “Hallo” sagt.
Clever auch von Pons, dass sie in dem Heft direkt ein Einfallstor zum bloggertypischen Meckern bieten. Die genutzten Korrekturzeichen sind jedenfalls nicht DIN-konform.
Update: Tapio Liller hat auch Post und ne bessere Note.
Credits: begleitende Kommunikation Storymaker, Konzept vm-people.



















Endlich kann ich meinen Neid öffentlich kund tun – ich will auch eine Note von PONS und ich will sie vergleichen können und ich will besser sind. Und dabei war ich sicher nie Streber, macht sich in der Bankreihe hinten links auch schlecht. Aber Pons hat mich vergessen. War ich so schlecht? Oder so gut? Bohrende Fragen.
Wo hast du denn gesessen?
))
Wow, ich bin echt begeistert. Kreativste Idee seit langer Zeit.
Die Idee ist wirklich genial – eine super PR für Pons. Gräme dich nicht wegen der +3 – in den Zeiten des G8 ist das doch eine sehr gute Note.
LG
… Hochselektiv wurden im Falle von PONS einzelne Personen herausgepickt, wie sie als ‘Heavy User’ eines solchen Portals in Frage kämen. Um sie anzusprechen, wurde jedes Schulheft ‘personalisiert’. …