Spießer Alfons: Verlage — pro und contra Google
Wenn ein David gegen einen Goliath kämpft, ist Spießer Alfons zunächst mal auf Seiten des Schwächeren. Und beim Kampf der Deutschen Verleger gegen Google müsste Alfons schon auf Grund seiner beruflichen Herkunft die Fahne des geschwächten VDZ hochhalten. Tut er aber nicht, der Spießer. Weil Alfons versucht, den Sachbestand objektiv zu betrachten.
Es gibt einen Beitrag im Netz von Lars Reppensgaard. Der weist u. a. darauf hin, dass die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage sich feiwillig der Internetlogik unterworfen haben. Reppensgaard über die Verlagshäuser:
„Sie könnten mit ein paar einfachen Computerbefehlen verhindern, dass Google ihre Netzseiten findet oder dass jeder im Netz das, wofür er am Kiosk bezahlt, umsonst lesen kann. Doch die Medienhäuser tun genau das Gegenteil. Sie stellen seit Jahren die Texte, die ihre angestellten Reporter und die freien Journalisten für sie schreiben, kostenlos ins Netz. Und sie geben bis heute viel Geld aus, um ihre eigenen Internetseiten so zu optimieren, dass sie ganz oben auf der Ergebnisliste von Google stehen, wenn jemand nach einer Nachricht sucht.“
Spießer Alfons sagt es nicht zum ersten Mal: Wenn BDZV und VDZ es mit ihren Mitgliedern nicht fertig bringen, dass es keine kostenlosen journalistischen Leistungen mehr im Internet gibt, dann sollten sie nicht denjenigen tadeln, auf dessen Hilfe sie bis heute bauen! Stattdessen sollte ihnen klar werden, dass es ein Unding ist, jegliche Finanzierung „der Werbung“ zu überlassen!
Wer ist das eigentlich „die Werbung“? Es sind Wirtschaftsunternehmen. Und die sollen wirklich einzig und allein entscheiden, welche Netzinhalte „laufen“ und welche nicht…? Und eine freie Berichterstattung kann dabei wirklich unabhängig von kritischen Inhalten passieren…?
Freunde, das funktioniert doch bei Print schon lange nicht mehr; dort redigieren große Inserenten die Texte der Redaktion. Allein der Copypreis hilft einigen Verlagen, das letzte bisschen Unabhängigkeit, das die Redaktion noch hat, halbwegs aufrechtzuerhalten.
Kein Supermarkt darf Waren kostenlos oder unter Einkaufspreis abgeben, wenn dadurch der Wettbewerb behindert wird. Warum also dürfen dann im Internet so viele „Waren“ kostenlos abgeben werden, wenn dadurch andere im Wettbewerb behindert werden, die sich eine Gratis-Abgabe nicht leisten können?!
In seiner Rolle als Spießer kann Alfons da natürlich gut reden, zumal er selber im Glashaus sitzt. Aber den Rückzug kann keiner allein machen, ohne befürchten zu müssen, ins Hintertreffen zu geraten. Bei einem geordneten Rückzug müssen alle gemeinsam am selben Strang ziehen, die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage genauso wie andere Verschenkartikelfirmen. Spießiger Vorschlag: Reißt Eure Beiträge online nur noch an. Und wer weiterlesen möchte, muss zahlen. So, wie man heute bei i-tunes in die Musiktitel reinhören und entscheiden kann, sie zu kaufen oder nicht.
Natürlich wird kein Internet-Leser solche Forderung gern lesen. Doch genauso ungern würde er selber gratis arbeiten.
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Also das i-tunes-Modell find ich auch klasse. Eine Leseprobe kann für die Verlage ja durchaus auch verkaufsfördernd sein…
Ja, das i-Tunes-Modell wäre ein Ansatz.
Für regionale Blätter wäre da sonst noch die Konzentration auf ihre Kernkompetenzen; lokale Berichterstattung. Siehe: http://blog.artundweise.de/auw.....ster_nähe
Ganz klar der blinde Fleck des Großmoguls Google.
Hier dann der gekürzte Link: http://bit.ly/Yue5k
Spießer, Du hast hier sicher mit vielem Recht. Aber imho siehst Du es ein bischen zu einfach. Das Problem ist imho nicht nur, dass es vllt. zuviel kostenlos im Netz gibt, sondern auch der Wert der Werbung und da muss man den Verlagen recht geben. Google macht Kohle mit den Artikeln ohne die Verlage daran zu beteiligen.
Du machst den gleichen Denkfehler wie Reppensgaard, klar will jeder ganz oben in Google stehen, aber darum geht es hier nicht. Sondern darum, wie Google noch mit den Inhalten verfährt und da bin ich eher auf der Seite von den Verlagen…
Nö, lieber Spießer, das klappt so nicht! Denn erstens sind die Leser seit rund 15 Jahren daran gewöhnt, nicht zahlen zu müssen. Und zweitens stellt sich die sehr ernste Frage, ob sie denn überhaupt für die 08/15-Allerweltsinhalte der meisten Zeitungen zahlen wollen.
Ich lehn’ mich jetzt mal unspießig weit aus dem Fenster und behaupte, dass die Einführung von Paid Content für diverse Verlage ein sehr böses Erwachen hinsichtlich der Wertschätzung ihrer Inhalte bringen wird.
Am ehesten wird das noch bei spezialisierten Titeln (vor allem Wirtschaftsblättern) funktionieren. Die richten sich an einen relativ kleinen, finanzstarken Leserkreis, der für gut recherchierte Hintergrundinfos gerne auch was zahlen wird.
Für General-Interest-Blätter seh’ ich dagegen schwarz.
@Peter (15.56)
Wo bitte macht Google denn Kohle mit den Inhalten der Verlage? Google News ist in Deutschland werbefreie Zone.
Außerdem bezichtigen die Verlage Google eines verhaltens, das sie selbst seit jahren gegenüber ihren freien Mitarbeitern kultivieren.
Wenn das keine Doppelzüngigkeit ist, dann weiß ich’s nicht mehr.
Warum kann man Google eigentlich kostenlos nutzen???
Bei turi2 las ich gerade:
“Nachrichten im Netz sind Allgemeingut. Und auch die Erlöse eines offenen Archivs sind für uns höher als die eines geschlossenen.” Focus-Online-Chef Jochen Wegner hält weiterhin nichts von Paid Content. “new business”
Frage: Was mag der Focus-Online-Chef denn wohl halten von Unpaid Salary…?
@ Peter
Ich bin auch auf Seiten der Verlage. Aber die sollen nicht zuerst Google ausnutzen und hinterher jammern! Besser wäre es, auf Basis der erzielten Präsenz an Modellen zu arbeiten, die auch Erlöse bringen, ohne auf Almosen der Wirtschaft(swerbung) zu hoffen.
@ Axl
Es ist wie am Kiosk: Der Leser bezahlt nur für das, was ihn interessiert. (Und was er nicht gratis bekommen kann
)
Wenn die Verlage von google dafür Geld haben wollen, dass ihr Zeug bei google gelesen werden kann, könnte google auch Geld dafür verlangen, bei google gefunden zu werden.
Paid Content: Dazu wäre ich bereit, wenn ich denn auch einen Mehrwert hätte. Gut zusamengestellte Dossiers zum Beispiel, weil ich zu faul bin, mir das selbst zusammen zu suchen. Oder halt handwerkliche Alleinstellung. Sei es die Schreibe, sei es der Inhalt. Aber vieles was ich im Netz lese, lese ich tatsächlich nur, weil ich es kann, nicht weil ich es unbedingt will. Würde ich mir am Kiosk nicht kaufen, würde ich mir im Netz nicht kaufen.
Das Einfachste wäre doch eh Premiummitgliedschaft. Das Basis-Zeug umsonst, und gegen Gebühr gibt es Extras. Die müssen natürlich auf das Angebot abgestimmt sein. Also virtuelle Grabkammertouren bei National Geographic oder so.
@Spiesser
“Ich bin auch auf Seiten der Verlage. Aber die sollen nicht zuerst Google ausnutzen und hinterher jammern!”
ausnutzen würd ich nicht sagen. Google macht mit der Suche ne ganze Menge Schotter und so wie die Verlage den Traffic von Google brauchen, so braucht Google die Inhalte. Die Google-Suche ist also ein ausgeglichenes geben und nehmen mit leichten Vorteilen bei Google.
Wo ich das etwas anderst sehe sind die Google News. Auch wenn die werbefrei sind, bekommt Google dadurch ziemlich wertvolle Nutzerprofile.
Für das Newsportal von Google würd ich einen Obolus an die Verlage als angemessen sehen.
Du hast natürlich recht, das Gejammer der Verlage kommt ein bischen spät. Google hat einfach ausgenutzt, dass die Verlage das Onlinegeschäft bisher unterschätzt haben, statt sich frühzeitig um passende Strategien zu kümmern.
Jetzt ist der Karren im Dreck und keiner weiss so recht, wie man ihn wieder rausziehen kann.
Ich empfehle “Free” von Chris Anderson:
http://www.wired.com/techbiz/i.....7/mf_freer
Da werden alle Probleme und Chancen von “Kostenlos” behandelt. Das sollten sich einfach alle Verlags- und Medienschaffenden reinziehen. Statt zu jammern.
Man kann die “gute alte Zeit” nicht retten.
Statt Kräfte daran zu verschwenden, wie blöd an wegbrechenden Märkten festzuhalten, sollte man die riesigen Chancen neuer Märkte und Modelle nutzen.