Supersexyfleischfoodporno
Meine Großmutter, der ich ein Stück weit meinen Hang zum Luxus, andere sagen zum Snobismus, verdanke, hat stets betont, dass wir zu arm sind für billig.
Sie war, trotz eigener physischer Ansätze, aber auch keine Frau für Opulenz. Erst recht nicht in einen Zeit, in der man solche Oberweiten galant verschwieg und sie hätte kein Wort darüber verloren, wenn sich jemand in einer Form zur Wahl präsentiert hätte, die man sicherlich nicht als damenhaft bezeichnet hätte.
Aber ich schweife ab.
Luxus gehörte für sie zum Leben dazu. An der richtigen Stelle. Dann war es keine Form von Verschwendung, sondern nur eine Form von Üppigkeit, die viel mit Selbstachtung zu tun hatte. Vor allem bei Fleisch war Üppigkeit gefragt, in Optik und Qualität.
Denn auch wenn Großvater damit beauftragt war, die Rabattmarken aus dem mit kurzen Vokalen gesprochenen „Konsum“ in ein verknittertes Heft zu kleben, wurde an einem nicht gespart: an der Qualität. Wenn es unter der Woche kein Fleisch gab, am Sonntag wurde, wie in so vielen Familien, in der Küche und am Tisch aufgefahren. Dann aber nicht mit dem Stück Fleisch aus dem „Konsum“, dessen Umgang mit Nahrungsmitteln Großmutter schon misstraute als das Wort Fleischskandal noch in weiter Ferne lag und man sich leichter daran erinnern konnte, wie man die toten Pferde zwischen den Ruinen zerschnitten hatte. Und auch wenn die Deko am Sonntagstisch nicht echt war, das Porzellan keine Schwerter hatte, die Kerzenleuchter nur silberfarben, das Fleisch war nie etwas, das man erst durch die Verpackung als solches erkannt hätte.
Das Fleisch kam vom Bauern, den man kannte, dem man im Zweifel künftig den Gruß verwehren würde, wenn er einen übers Ohr hauen wollte und dessen Fleisch, nun auf dem Teller, man wahrscheinlich noch vor einem Jahr gestreichelt hatte. Und ohnehin kauft man beim Bauern ja auch die Milch und die Eier, auch wenn Opa meckerte, dass er auf die Art das Rabattheft nie voll bekommen würde.
Mit billigem Fleisch aus der Kühltheke kann ich auch heute noch nichts anfangen.
Zum einen, weil ich mich bei den Preisen frage, ob das Tier dazu überhaupt jemals gelebt hat, zum anderen, weil so eine Rinderroulade bei diesen Preisen mit Fleisch, mit Natur noch soviel gemein hat wie ein Stück Tofu.
Ich bin fest davon überzeugt, dass man sein Karma auch als Fleischesser nicht schädigt, zumindest nicht so sehr, dass es vom Genuss aufgewogen wird, wenn man dem Tier, dem toten Tier mit Respekt gegenübertritt.
Das betrifft sowohl Haltung und Schlachtung, als auch Verarbeitung, Zubereitung und Verzehr. Labbrig gepresstes Fleisch zwischen labbrig gebackenen Brothälften dürfte dagegen nach den Tagen im Bardo einige unangenehme Folgen haben. Wer dann als Döner-Buden-Besitzer wiedergeboren wird, hat wahrscheinlich noch Glück gehabt.
Nur nebenbei: Respekt hat auch etwas mit Dank gegenüber dem Tier zu tun. Vielleicht ist das der eigentliche Kern des Tischgebetes.
Man kann eine Woche lang ganz gut von Spaghetti Aglio et Olio und anderen fleischenlosen Speisen leben und sich den Luxus für das Wochenende zusammensparen. Pilze sind eh ein guter Fleischersatz, und es müssen ja nicht immer Kräuterseitlinge oder Trompetenpilze sein, für die nicht viel Geschick in der Küche nötig ist. Aber man lässt sich als Fleischverweigerer eine Menge entgehen, wenn man dann nicht hin und wieder ein Côte de Boeuf auf den Grill wirft. Hochrippe nennt man es hierzulande hin und wieder, auch wenn wenn man es eh nur selten beim Metzger im “Konsum” findet, weil die Masse schon vom Preis verschreckt wird und lieber zum Gulasch für 3,99 das Kilo greift und dann am lautesten schreit, wenn mal wieder abgeschmackte großindustrielle Machenschaften ruchbar werden.
Es ist mit das beste Stück Fleisch, dass man kaufen kann. Es ist Luxus ohne Schnörkel und das macht diesen Luxus so vertretbar. Gleichgültig von welchem Rind. Auch wenn es beispielsweise bei einem Charolais oder Simmentaler Stücke gibt, die ähnlich butterzart sind. Aber das Côte de Boeuf ist das einzige Fleisch, bei dem man plötzlich sehr, sehr archaische Impulse verspürt.
Es ist ein ehrliches Stück Fleisch. Anders als dieses affektierte Kobe-Fleisch, das sehr nach PR riecht und schon wegen der CO2-Bilanz, mein Côte de Boeuf kommt vom Bauern aus dem Vogelsberg, unanständig ist. Kobe passt ohnehin besser zu den Middelhoffs dieser Welt.
Das Côte de Boeuf ist auch sehr demokratisch – zumindest in der Zubereitung. Einfach auf den Grill werfen – fertig.
Anders als so manch ein Filet, das nach luxuriöser Zubereitung mit Trüffelscheiben schreit, ist es mit seiner feinen Marmorierung, der Größe einer kleinen Bratfahne (Der Teller auf dem Bild ist ein großer, ein sehr großer) und möglichst drei Finger dick sich selbst genug. Man sollte bitte nicht den Fehler machen, es mit Soßen zu vergewaltigen. Ein wenig Pfeffer, ein wenig Fleur de Sel, genügen völlig. Kein Speisesalz, bitte, das hat das Tier nicht verdient. Man sollte allerdings damit rechnen, dass dann etwas auch einmal tatsächlich nach Fleisch schmeckt. Von plastikverschweißten Leichenteilen kann man das natürlich nicht erwarten.













Full Ack.
Allerdings: Was bitteschön ist an Tofu unnatürlich? Ich esse gern gutes(!) Fleisch, aber Tofu ist durchaus eine Bereicherung in der Küche. Also lasst doch bitte das Tofubashing, liebe Fleischfreunde. Das ist doch Kampfsprache aus der Schublade “Fleisch ist Mord”….
eine schöne Woche!
Dem bestialischen Mord am Tier und das Vertilgen von Kadavern mit Dankbarkeit und Respekt zu begegnen, kann mal wieder nur der widerlichen Bigotterie von Doppelmoralisten anzukreiden sein. Aber jene Generation, die noch von Kriegs- und Nachkriegs-Omis mit dem Schaufelbagger Proteine in den Schlund geladen bekommen hat, stirbt ja auch bald mal aus. Hierzulande zumindest.
Nur der Mensch schafft es, seine seit Jahrhunderten gepflegte und natürliche Nahrungsversorgung als bestialischen Mord darzustellen, ohne die er nie in der Lage gewesen wäre, diese plakativ-moralische These überhaupt aufzustellen. Mehr Doppelmoral geht eigentlich nicht.
Jaja, die üblichen Rohrkrepierer. Wenn der Pöbel argumentativ nicht voran kommt, werden einfach die Geschichten von den Neandertalern und von Menschen aus bettelarmen Zeiten, in denen Kirche, Staat und Folter den Tagesablauf bestimmten, aus dem Hut gezaubert.
Rate mal, warum es in den letzten paar Tausend Jahren sowas wie Evolution gegeben hat und wir uns heute auf Basis einer informierten, zivilisierten Welt aussuchen können, was auf den Teller kommt? Die Betonung liegt hier auf “aussuchen”. Oder besteht für dich Fortschritt und Zivilisation darin, die fragwürdigen Lebensgewohnheiten aus längst vergangenen Zeiten als Rechtfertigung heran zu ziehen?
Don? Du hier?
In der Tat ein schönes Stück Fleisch. Leider in ordentlicher Qualität schwer zu bekommen, zweiwöchiges Abhängen und Reifen past halt nicht mehr ganz in den Businessplan. Und dem Zeug im Plastiksarg kann ich auch nichts abgewinnen.
Sehr empfehlenswert für alle Fleischesser* ist übrigens das Blog “Anonyme Köche” gerade auch was die vermeintlich einfachen Dinge angeht. Hier zum Beispiel:
http://www.anonymekoeche.net/?p=754
*Natürlich auch für alle Nichtfleischesser, lediglich die Fleischesserhasser sollten die Lektüre vielleicht besser unterlassen.