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Spießer Alfons: Post an Wagner (39)

18. August 2009
von

Lieber Gossen-Goethe,

HDZ_1.jpgheute richtet Ihr Euer Wort an den schnellsten Menschen der Welt. Und Ihr vermutet, dass dem 100-Meter-Läufer die Sprache fehlt, um zu beschreiben, „was auf diesen 100 Metern wirklich geschah“.

Ja, was geschah auf diesen 100 Metern wirklich? Euer Merkwürden möchte wissen, ob sich die Sinne und das Nervensystem des Athleten zu einer Größe dehnten, von der wir normalen Menschen nichts wissen. Klar, dass Usain Bolt die Sprache fehlt, um diese intelligente Frage zu beantworten. Denn woher soll der Mann wissen, wie sich seine Sinne und Nerven gedehnt haben im Vergleich zu einem Freizeitläufer, der um die Häuser joggt, um Zigaretten zu holen?Wagner100Meter.jpg

Und dann kommt Ihr, großer Goethe der Gosse, zur Mutmaßung, dass der Weltmeister im 100-Meter-Lauf gar nicht der schnellste Mensch ist, weil Menschen, die in Todesangst gelaufen sind, noch sehr viel schneller vor einem Löwen weggerannt sind. Und diese menschlichen Gazellen liefen nicht etwa auf ebener Aschenbahn, sondern über die Savanne. Oder in der Löwenarena im alten Rom. Und Ihr folgert daraus: „Rennen ist immer ein Davonrennen“ und fragt: „Wovor rennt der schnellste Mensch der Welt weg, was sind seine Ursachen, was will er hinter sich lassen?“

Da Usain Bolt Euch auch diese Fragen wohl kaum beantworten wird, tut Spießer Alfons das. Vorab bemerkt: Der Jamaikaner Usain Bolt ist tatsächlich nicht der schnellste Mensch der Welt. Sondern nur der schnellste Läufer auf einer Strecke von 100 Metern. Beim 1000-Meter-Lauf oder beim Marathon sind vermutlich andere Läufer schneller im Ziel als er. Aber das nur nebenbei.

Wovor rennt der Läufer davon? Vielleicht hat der Mann mit der Startpistole zu ihm gesagt: „Usain, meine Waffe ist scharf geladen — renne also um Dein Leben!“? Womit sich allerdings die Frage stellt: Wovor ist der Rennfahrer Michael Schumacher davongefahren? Vor dem deutschen Fiskus…? Und was wollen wir Normalmenschen hinter uns lassen, wenn wir jeden Morgen aus dem Haus rennen, um unseren Bus zu erreichen?

Lieber Gossen-Goethe, mit Eurer heutigen Kolumne scheint Ihr Euch irgendwie verrannt zu haben. Vielleicht täte Euch ein wenig Gehirnjogging gut, es muss dabei ja nicht um Euer Leben gehen.

Schmerzlichst

Euer

Spießer Alfons

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Post an Wagner (39) ”

  1. Katapult am 19. August 2009 um 15:01 Uhr

    Vor was rennt eigentlich Franz Josef Wagner davon?

  2. kiki am 20. August 2009 um 14:20 Uhr

    @ Katapult
    Vor der Weisheit. Doch er ist schneller.

  3. Spießer Alfons am 20. August 2009 um 16:25 Uhr

    @ Katapult
    Ich glaube vor sich selber.

    @ kiki
    oder so :)

  4. DieJo am 8. Oktober 2009 um 18:55 Uhr

    Wann gibts denn endlich mal wieder Neues von und für Wagner?

ivw