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Medien und andere Nichtigkeiten

27. August 2009
von Olaf Kolbrück

Nach gut einer Woche Urlaub und nur höchst sporadischer Mediennutzung, die im wesentlichen aus einem Blick auf den Zeitungsstapel beim Tanken bestand, wundere ich mich – eigentlich wie nach jedem Urlaub – dass ich nichts wirklich Wichtiges verpasst habe.
Zumindest wird mir jedes Mal klar, wie sehr sich Mediennutzung doch letztlich nur um die Antwort auf ganz existenzielle Fragen dreht: Droht ein Krieg? Steht eine Hungernot bevor? Bekommt Sandy ein Mädchen?

Übrigens ganz große Klasse von „Bild“, die Schwangerschaft von Sandy Meyer-Wölden auf den Titel zu heben. Das Blatt hat erkannt, worum es bei Medien gehen muss. Das Private, die Familie muss im Fokus stehen. Gerade auch in Zeiten, in denen alle von Social Media reden. Schließlich ist die Familie Nukleus jedes Netzwerks. „Geht es meiner Familie gut?, Wie geht es anderen Familien?“ Darauf muss der Journalismus Antworten finden, um relevant zu bleiben. Nicht aber Analysen zu Präsidentschaftswahl in Kirgisien liefern oder Wahlkampfbilder aus Detmold.

Ganz bestimmt sind es nicht die Petitessen rund um Dienstwagen und Kanzlerfete, die sich selbst bei einem Wortheroen wie FAZ-Schirrmacher in der Spargelfrage erschöpfen und Gäste am Ende womöglich noch zu unnötigen Bekenntnissen drängen (Getrunken, aber nicht geschluckt). Da wird dann mal mit Pluralismuskritik und mal mit Neid-Populismus moralapostelt, als gebe es in diesem Land keine Themen, die die Frage der Sittlichkeit nicht eher aufwerfen würden, die nicht eher nach Entrüstung verlangten. Stattdessen wird sich vielmehr in bester Tradition der Ignoratio elenchi und Red Herring derart echauffiert, dass man leicht das Gefühl bekommen kann, es solle von den eigentlichen Peinlichkeiten und Monstrositäten abgelenkt werden.

Doch so lange die wirklich wichtigen Fragen nicht erörtert werden, rätsele ich lieber weiter über den Namen des Sandy-Pocher-Babys. Das sind die ehrlicheren Nichtigkeiten.

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Kommentare zu “ Medien und andere Nichtigkeiten ”

  1. mark793 am 27. August 2009 um 15:12 Uhr

    Ich weiß nicht, ich kann irgendwie kein großes Ehrlichkeitsgefälle entdecken zwischen dem medialen Hyperventilieren um das Banker-Bankett im Bundeskanzleramt und der wahrhaft weltbewegenden Frage, wie denn das Kindelein von Frau Meyer-Wölden und Herrn Pocher dereinst mal heißen soll. Ehrlich finde ich in dem Zusammenhang allenfalls Dein Bekenntnis, dass Dich dieser Promi-Klatsch interessiert, aber sonst auch nichts.

    Ich schließe aus alledem nur, dass anscheinend alle vermissten Zwerg-Alligatoren inzwischen aus den Badeseen gefischt sind.

  2. Peter am 27. August 2009 um 15:31 Uhr

    Ich wette, die nennen den Balg Boris :-)
    Oder worum gehts hier genau?

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