Der BVDW buchstabiert Social Media
Es nutzt nichts, wenn Unternehmen vor dem Social Web die Augen verschließen. Es schadet eher, wenn sie es ignorieren. Unternehmen, die sich der Web 2.0-Welt verweigern oder schlimmer noch, es eindämmen, kanalisieren wollen, agieren wie der Fürst von Metternich. Auch dessen Hoffnungen auf selbstdefinierte Ruhe und Stabilität zerplatzten schließlich wie Blasen im Sektkelch.
Denn es geht nicht nur um eine neue Technik. Der Buchdruck war schließlich nicht nur eine technische Revolution. Die Revolution war, dass die Menschen selbst mehr als bislang selbst lesen und schreiben konnten. Und so ist auch das Social Web nicht neu eine technische Spielerei. Es ist eine neue Kulturform.
Angesichts von Managern, die mit dem Begriff des Web 2.0 nichts anfangen können und angesichts von Unternehmen wie Jako, die wie eine Horde blinder Elefanten durch den digitalen Porzellanladen stapfen, ist es richtig, wenn der Arbeitskreis Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) mit einem Social Media Kompass Aufklärungsarbeit leistet. Selbst dann wenn Digital Natives darin vielleicht nur das kleine Einmaleins sehen. Der komplette Leitfaden wird zur Dmexco offiziell präsentiert. Und es stehen einige schlaue Dinge (und einige Buzzwords) darin. Einige wichtige Sätze (samt von mir gewählter Beispiele) daraus gibt es hier vorab:
“Die Inhalte, die von den Nutzern in soziale Netzwerke eingestellt werden, der sogenannte User Generated Content, spiegelt das reale Leben wieder. … Für die Mobilisierung gemeinsamer Aktionen und zur schnellen Verbreitung von Nachrichten eignen sich soziale Netzwerke besonders aufgrund der schnellen, viralen Verbreitung, der „Customer Energy“.”
Das führt dann beispielsweise zu Flashmobs, weil die Menschen sich im Social Web schnell selbst organisieren können:
Und was hat die Marke davon? Viel, wenn sie sich auf das Gespräch einlässt. Denn dann darf sie mitspielen und vielleicht führt dann der nächste Flash Mob an die Regale.
“Was muss eine an der Integration von Social Media orientierte Strategie also in Zukunft leisten, um der Marke nachhaltig zu nutzen? Worauf es ankommt, ist — und hier liegt der Unterschied zum klassischen Marketing — der soziale Umgang mit einer Marke oder einem Produkt! Marketing kann hier nicht als One-Way-Kommunikation verstanden werden, sondern als Dialog zwischen Anbieter und Konsument bzw. zwischen Konsumenten untereinander.”

Schluss also damit, den Kunden anzuschreien. Er ist ohnehin schon taub. Wer gehört werden will, muss deshalb auch etwas anbieten.
“Es ist unerlässlich, dass Unternehmen, die in sozialen Netzwerken agieren, den Nutzern Mehrwerte und echtes Involvement bieten, statt sie einseitig zu beschallen.”
Am besten ist es, die Marke findet dann auch noch ein paar Fürsprecher. Ein paar Digital Natives, die wie einst die coolen Jungs auf dem Pausenhof das Ohr der Menge haben.
“Aber gerade auf diese Multiplikatoren kommt es an, denn sie sind in der Lage, eine breite Leserschaft anzusprechen und zu beeinflussen. … User vertrauen anderen Usern, vertrauen ihren Botschaften und leiten sie weiter, wodurch ein Multiplikator-Effekt eintritt.”

Wie oft dies funktioniert? Wie hoch der Response ist? Nun ja, ich habe das Buch, von dem ich auf anderem Wege nie erfahren hätte, jetzt bestellt.
Und wer nach der deutlich längeren Lektüre des BVDW-Leitfadens immer noch nicht überzeugt ist, dem empfiehlt der BVDW die Lektüre des in weiten Kreisen des Marketings auch nach einem Jahrzehnt immer noch erschreckend unbekannten Cluetrain Manifest.
Wer wissen will, warum die Methode Metternich scheitern muss, und warum es nicht nur um Technik geht, sondern um einen neue Form der Kultur, der sollte dieses Manifest gelesen haben.
Es wäre zum eigenen Vorteil:
“Im strategischen Sinne können Unternehmen in der heutigen Zeit signifikant davon profitieren, Grundsätze der Social Media in ihre Firmenphilosophie aufzunehmen.”




















Und der Verbreiter des Cluetrain Manifestes in Deutschland, Oliver Baer, ist selbst in den Online Kreisen erschreckend unbekannt – bis eben
. lg, Michael