Spießer Alfons: 400.000 Euro für den ADC? Wozu…?!?
In seiner Medien-Kolumne im „Hamburger Abendblatt“ berichtete Kai-Hinrich Renner über die nächste „Ausrichtung des ADC Festivals“, wo die Stadt Hamburg als möglicher Veranstaltungsort für den Jahrmarkt der Eitelkeit ausgeschieden ist.
Geblieben sind somit München und Frankfurt, die nach Angaben von Renner bereit sind, 400.000 Euro für die Werbeveranstaltung zu zahlen. Renner: „Eine ADC-Sprecherin will das nicht bestätigen. Ausschlaggebend sei das ‚Gesamtpaket’ gewesen, zu dem zwar auch ‚eine wirtschaftliche Beteiligung’, aber ebenso Ideen und eine attraktive Location gehörten.“
Falls jemand dazu die unmaßgebliche Meinung des Spießers hören möchte: In einer Zeit, wo das Geld in den Städten an allen Ecken und Enden fehlt, soll eine Veranstaltung unterstützt werden, die so sinnvoll ist, wie eine Speckseite mit Fett einzuschmieren. Eine Veranstaltung, bei der die Teilnehmer kräftig löhnen müssen. Dazu greifen auch die Werbungtreibenden, deren Arbeiten ausgestellt und preisgekrönt werden, tief in ihre Taschen — warum auch immer. Dazu kommt Kohle von den Sponsoren in die Club-Kasse. Und das soll dann auch noch zusätzlich mit dem Geld der Steuerzahler unterstützt werden, die nicht mal wissen, was der ADC ist und das eigentlich auch gar nicht wissen müssen…?
Verehrte Jünger des ADC: Wenn Ihr Euch nicht selbst finanzieren könnt, dann sucht Euch noch mehr Sponsoren aus Eurem Kundenkreis. Und wenn die nicht wollen, dann bekunden sie damit, wie nötig das ADC-Festival in ihren Augen ist.
Spießiger Tipp des Spießers: Sucht Euch in irgendeiner Stadt eine leerstehende Fabrikhalle als Location! Und von dem Gewinn, die Eure Veranstaltung abwirft, solltet Ihr etwas Gemeinnütziges tun! (Spießiger Hinweis zur Kostendämpfung: Es gibt in jeder Stadt auch kleine, preiswerte Hotels. Und Currywurst, Döner, Hamburger und Pizza tun es auch.)



















Hungrige Menschen zur Armenspeisung, heißt das Motto.
Solange es eine Stadt gibt, die dumm genug ist, den Preis zu zahlen – so what?! Als Kölner hätte ich mich beispielsweise über das DFB-Museum in meiner Stadt gefreut, kann aber vollkommen verstehen, daß Dortmund den Zuschlag bekommen hat. Köln ist eben nicht bereit gewesen, dem DFB ein Grundstück in Toplage dafür zu schenken.
Ich lebe in Frankfurt. Wenn die Stadt dem ADC das Geld schenkt, bin ich davor leider nicht gefragt worden. Leider zahle ich aber Steuern.
Das ADC-Festival abzublasen wäre das falsche Signal.
Was käme als nächstes: Die Fußball-EM?, die Olympischen Spiele?
Klar ist das ADC-Festival nur eine Veranstaltung für eine kleine Minderheit. Dennoch sollte man das Highlight der deutschen Werbebranche am Leben erhalten. Wo das ganze Geld des Sponsoren, Mitglieder und Teilnehmer versickert, ist auch mir allerdings schleierhaft.
Aber Charly Leske will ja sowieso einen Rechnungsprüfer (gerichtlich) engagieren. Dann wissen wir es vielleicht.
Totalste Zustimmung – der ADC soll sich selbst finanzieren. Und wenn das nicht möglich ist offenbart dies die Relevanz dieser Veranstaltung.
Leute, ich finde es durchaus legitim vom ADC, unter den Städten Deutschlands eine Art Wettbewerbspräsentation zu machen, wer denn “Austragungsort” für das Festival wird. Die Relevanz sieht man daran, dass diverse Großstädte daran teilgenommen haben. Es bedeutet diesen Städten also doch etwas.
PS: Ich bin nicht Mitglied im ADC, sitze auch nicht in der Geschäftsstelle. Ich bin nur seit jedem Jahr Teilnehmer an diesem Festival wie übrigens der Spießer auch. Also lasst uns diese kleine Freude
@ Macmat
Zum einen ist der Spießer nicht jedes Jahr Teilnehmer am Festival, sondern nur selten. Zum anderen gehen Journalisten auch dort hin, wo sie lieber nicht hingehen wollen
Das ADC-Festival würde die Werbe-/Kreativstandorte München oder Frankfurt definitiv aufwerten. In beiden Städten gibt es jede Menge Werber und Gedöns, die auch alle brav und fleißig Steuern zahlen. Warum ist es dann falsch, wenn eine Stadt ein bisschen Geld ausgibt, um einer Branche den Rücken zu stärken?
Ich finde es völlig in Ordnung und freue mich auf einen ADC in München. Oder Frankfurt.
@ kawumm
Wenn “Werber und Gedöns” dafür bezahlen, ist es doch gut. Wieso sollen die Städte, die kein Geld haben, dafür zahlen? Und welcher Branche wird dabei der Rücken gestärkt???
Es ist doch Alltag, dass Städte große Tagungen oder Veranstaltungen finanziell (oder durch Räume, Werbung, sonstige Vergünstigungen) unterstützen – in der Hoffnung, so die Teilnehmer und deren Kaufkraft in die eigene Stadt zu bringen und die Attraktivität der Stadt zu zeigen/steigern. Lediglich die Tatsache, dass dem Spießer der ADC nicht gefällt, sollte für die Städte eigentlich kein Grund sein, das in diesem Fall anders zu machen.
… und morgen sind wir dann wieder alle gegen Subventionen und für ALG-2-Kürzungen.
Wettbewerbspräsentation? Ein Pitch der Städte. Wo leben wir? Es ist lächerlich. Jeder andere muss dafür bezahlen, wenn er eine Location mietet und erhält kein Geld dafür.
Sehr sonderbare Einstellungen haben manche hier.
Na, abgesehen davon dass es z.B. Münchner Werbe- und Designagenturen und der regionalen Kreativbranche den Rücken stärkt, bringt es hunderte Hotelübernachtungen in der Stadt, einen großen Cateringauftrag, viel Geld für Taxiunternehmen und Clubbetreiber. Ich finde, da gibt es sinnlosere Investitionen.
@ Dierk
Lass mal! Ich denke, Frankfurt kann das Geld für den ADC bei HartzIV-Empfängern abziehen. Oder man wartet noch so lange, bis viele ADC-Mitglieder selber dazu gehören. Dann haben sie wenigstens ein Anrecht auf öffentliches Geld.
@ kawumm
völlig richtig: Wenn 1000 Teilnehmer im Durchschnitt 100 Euro in Frankfurt ausgeben, dann sind das 100.000 Euro, an denen die Stadt vielleicht 30.000 “verdient”. Dafür sind 400.000 Einsatz doch ein Pappenstiel. Schließlich kauft die Stadt dafür kreatives Image!!
nur dass beim adc eher viertausend teilnehmer da sind und im schnitt weitaus mehr geld ausgeben. aber ich sehe ein, dass sich das nicht rechnet. das kreative image allerdings schon.
Und genau um das kreative Image geht es doch. Ganz ähnlich wie Hamburg versucht auch Frankfurt, sich als Ansiedlungsort für Agenturen und andere kreative Dienstleister attraktiv zu machen. Nur, dass es die Stadt am Main da alles anderes als leicht hat – ihre Anziehungskraft auf Kreative ist nun mal arg begrenzt.
Da finde ich es ziemlich naheliegend, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen (als Hamburg), um ein Top-Event der Branche in die eigene Stadt zu holen und darauf zu hoffen, dass daraus mittelfristig noch viel mehr Strahlkraft entsteht als bloß die des ADC-Festivals selbst. Damit sich daraufhin eben vermehrt neue (beträchtliche Steuersummen zahlende) Agenturen in der Stadt niederlassen.
@Â M.
Du glaubst, weil eine ADC-Veranstaltung plus Strahlkraft nach Frankfurt kommt, lassen sich Werbeagenturen in Frankfurt nieder? Und was ist, wenn am Ende der Veranstaltung steht: Medaillen-Sieger war wieder mal Hamburg…?
@Spießer: Ich habe nicht geschrieben, dass ich das glaube. Ich habe geschrieben, es ist naheliegend, darauf zu hoffen. Zumindest, jedenfalls, für diejenigen Stadtoberen, die eine solche Entscheidung treffen.
Feiner Unterschied
@M & @Spießer
Ich wiederum mag nicht glauben, dass die jeweiligen Stadtoberen glauben, dass eine Veranstaltung des ADC einen entsprechenden Boom auslöst – bei der Vorstellung bekomme ich einen Anflug von Fremdschämen. So doof-naiv kann man doch nicht sein.
Ich gehe in eine Stadt, wenn ich da einen Kunden habe.
Vielleicht arg otr:
Anders herum frage ich mich: was gibt der ADC denn der Stadt _wirklich_ zurück? Könnte man den Spieß nicht auch umdrehen? Ich dachte wir sind im Zeitalter des Social Web
s.a. hier http://www.cluetrain.com (von 1999!)