Spießer Alfons: Von Katzenmenschen und hungernden Kindern
Eine tierische Theorie vertritt Thomas Strerath, CEO der deutschen Ogilvy-Gruppe, in einem Interview mit der “Wirtschaftswoche”. Kurzgefasst: Bis gestern waren die Konsumenten noch wie Hunde, die von den Werbern dressiert wurden, damit sie Männchen machen sollten an der Ladenkasse. Heute funktioniert das nicht mehr so spielend. Denn inzwischen ähnelt der Verbraucher einer Katze. Und die macht bekanntlich, was sie will. Deshalb muss der Konsument von der Werbung animiert werden durch Geschichten, die die Katze der Mensch gern hören und sehen möchte.
Das leuchtet dem Spießer ein, zumal es genügend Beispiele gibt für diese These.
Apropos Katze: Tierfutterhersteller Purina (Nestlé) zeigt eine Katze einen Konsumenten, der auf samtenen Pfoten um das Produkt herumschleicht. Headline: „Natürlich! Gut für Sie. Gut für Ihre Katze.“ Was meint: Was der Mensch isst, ist auch gut genug für die Katz’.
Der Fließtext ist von Interesse für Eltern, die ihren Kindern keine ausreichende Nahrung geben können, weil sie in Armut leben: „Natural Balance von Purina ONE* wird aus hochwertigen Zutaten natürlichen Ursprungs hergestellt, die aufgrund ihrer Nährstoffgehalte sorgfältig von Purina’s Tierärzten und Ernährungswissenschaftlern ausgewählt werden. Lachs, als Hauptzutat wird schonend im Dampf vorgegart, um Qualität, Geschmack und Nährstoffe zu erhalten. Natürlich ohne zugesetzte Farbstoffe.“
(Spießige Zwischenbemerkung: Warum sollte Katzenfutter auch “zugesetzte Farbstoffe” enthalten?! Der Hinweis “ohne künstliche Armomastoffe” wäre sehr viel zweckdienlicher.)
Spießer Alfons mag Katzen. Aber er mag solche Werbetexte nicht. Deutlicher: Er findet sie zum Kotzen. Weil diese Worte ein Hohn sind auf den Hunger in unserer Welt, in der alle fünf Sekunden ein Kind stirbt.


















Der Hinweis “ohne künstliche Armomastoffe” ist Kundenverdummumg, weil “natürliche” Armomastoffe auch im Labor entstehen. Gute Produkte brauchen keine Zusätze, siehe TK-Produkte von Frosta.
Hier ein weiteres mal der Hinweis darauf, dass
Katzenfutter im Kilo weitaus teurer ist als beispielsweise
Schweinebraten oder Hackfleisch …
… könnte man auch auf die Werbung übertragen.